Scanner-Flashmob Piraten springen aus der Hose

Die Piraten planen einen Flashmob gegen Nacktscanner. Die Partei will gegen die Verletzung der Intimsphäre und Persönlichkeitsrechte durch die neue Technologie protestieren - und dafür bundesweit an deutschen Flughäfen die Hüllen fallen lassen.
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Ganzkörper-Scanner: Abtasten mit Wellen

Foto: DAVID MCNEW/ AFP

Flughäfen

Berlin - An mehreren deutschen will die Piratenpartei nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Sonntag um 14 Uhr gegen die Einführung der Nacktscanner protestieren. Dabei planen die Aktivisten, sich an den Sicherheitsschleusen der Flughäfen bis auf die Unterwäsche auszuziehen. "Unser Motto ist: 'Ihr braucht uns nicht scannen - wir sind schon nackt'", erklärte der Sprecher der Bundespartei, Simon Lange.

Piraten

Offen ließ er, an welchen Flughäfen und in welchen Städten die Aktionen genau stattfinden werden. Bislang hätten sich acht Landesverbände der Idee angeschlossen, sagte Lange. Als sicher gilt demnach, dass die an den Flughäfen Berlin-Tegel und Düsseldorf protestieren wollen. Die Idee zu diesem sogenannten Flashmob, einem kurzfristig über das Internet organisierten Protest, sei spontan entstanden, sagte Lange.

Nacktscanner

Die Piratenpartei lehnt die Einführung der ab, weil sie "die Intimsphäre und die Persönlichkeitsrechte der Passagiere" verletzten. "Details wie ein künstlicher Darmausgang, Herzschrittmacher oder Körperschmuck bleiben nach wie vor sichtbar", schrieb die Partei, die bei der Bundestagswahl im vergangenen September überraschend 2,0 Prozent der Stimmen erreichen konnte, zu Beginn der Woche auf ihrer Internetseite.

Für den Parteivorsitzenden Jens Seipenbusch ist die Einführung des Nacktscanners vor allem eine "Steigerung der gefühlten und nicht der tatsächlichen Sicherheit". Seipenbusch kritisierte den Scanner für die Bekämpfung von Terrorismus als "den falschen Weg" und als "Interesse von Leuten, die ihn verkaufen".

Ort und Zeit werden via Twitter verkündet

Der Spitzenkandidat der Piratenpartei für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Nico Kern, will mit dem Flashmob das Thema Nacktscanner "auf die Schippe nehmen". Sobald der genaue Ablauf feststehe, wollen die Piraten über den Kurznachrichtendienst Twitter im Internet, über Telefon und durch Mundpropaganda Teilnehmer mobilisieren.

Die Sprecherin des Berliner Landesverbandes, Lena Rohrbach, sagte, sie könne nicht einschätzen, wie viele Teilnehmer sich beteiligen werden. "Wie das so ist mit Flashmobs - man weiß nicht, was passiert", sagte Rohrbach. Als Alternative zu dem Unterwäscheprotest überlegt sie, durch Interviews an den Sicherheitskontrollen die Passagiere auf die Veränderungen durch den Nacktscanner aufmerksamzumachen. Sie kritisierte, die Debatte über die Scanner würde momentan "zu hysterisch" geführt.

Neu-Pirat Jörg Tauss

Auch der ehemalige SPD-Abgeordnete und unterstützt den kreativen Protest. Es sei richtig, durch auffällige Aktionen "wie Greenpeace" auf das Thema aufmerksam zu machen. Tauss hatte sich bereits Anfang der Woche in einem Brief an Bundesforschungsministerin Annette Schavan die Einführung des Scanners kritisiert und von "Innenpolitparanoikern von Union, FDP und SPD" gesprochen.

Als Alternative schlägt Tauss, gegen den Anklage wegen des Besitzes von Kinderpornografie erhoben wurde, die Einführung einer elektronischen "Sprengstoffschnüffelnase" vor. Diese würde es seiner Ansicht nach ermöglichen, auf die Einführung des Nacktscanners zu verzichten und sei "ethisch unproblematisch", so Tauss.

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