SPD-Vize Schäfer-Gümbel soll Wowereit ersetzen

Nach dem Rückzug des Vizevorsitzenden Klaus Wowereit baut die SPD ihre Parteispitze um. Als Nachfolger wurde der hessische Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel jetzt offiziell nominiert. Im Parteivorstand erklärte eine Meinungsforscherin den Genossen nochmals das Scheitern bei der Bundestagswahl.

SPD-Mann Schäfer-Gümbel: Designierter Vizeparteichef
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SPD-Mann Schäfer-Gümbel: Designierter Vizeparteichef


Berlin - Der SPD-Vorstand hat Hessens Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel als Nachfolger von Klaus Wowereit für den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden nominiert. Das teilte Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag in Berlin mit. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit kandidiert nicht mehr. Sigmar Gabriel wurde offiziell erneut als Parteichef nominiert.

Für Matthias Platzeck soll im 35-köpfigen Vorstand der neue Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke, nachrücken. Zudem kandidieren laut Nahles Julian Nida-Rümelin, Zülfiye Kaykin und Nadja Lüders nicht mehr. Auf dem Bundesparteitag vom 14. bis 16. November in Leipzig soll auch über die Wiedereinführung des Präsidiums entschieden werden.

Gerade die Landeschefs erhoffen sich davon mehr Einfluss. Der Vorstoß war vom Landesverband Schleswig-Holstein gekommen. Das 17-köpfige Präsidium war bis zur Abschaffung 2011 das höchste SPD-Gremium - ihm gehörten neben dem Vorsitzenden Sigmar Gabriel, seine Stellvertreter, Generalsekretärin Nahles, die Schatzmeisterin Barbara Hendricks und Martin Schulz als EU-Beauftragter sowie mehrere Landeschefs an.

Im damals 45-köpfigen Vorstand gab es Klagen, dass man nur noch Präsidiumsentscheidungen abnicken dürfe. Nahles bezeichnete die Chancen auf Wiedereinführung als gut.

Parteivorstand debattiert Wahlschlappe

In der Sitzung des Parteivorstands bemühte sich die SPD-Spitze, den Sondierungen und möglichen Koalitionsverhandlungen nicht vorzugreifen. So wurde über Details zu angestrebten Mitgliederbefragung ebensowenig berichtet, wie über Einzelheiten in den Themenbereichen, die mit der Union besprochen werden sollen.

Aus SPD-Kreisen hieß es am Montagnachmittag zu SPIEGEL ONLINE, eine dritte Sondierungsrunde sei möglich. Wenn es dazu komme, fände diese wohl am Donnerstag statt.

Einen Großteil der Sitzung verbrachten die Sozialdemokraten damit, die Ursachen des schwachen Abschneidens bei der Bundestagswahl zu diskutieren. Rita Müller-Hilmer vom Meinungsforschungsinstitut Infratest hatte in ihrem Vortrag Teilnehmern zufolge nicht viele gute Nachrichten. Neben den bekannten Strukturschwächen im Süden und Osten der Republik habe die Forscherin besonders ein Problem hervorgehoben: So habe die SPD im Wahlkampf auf dem Kerngebiet der sozialen Gerechtigkeit zwar die richtigen Ansätze, aber eben auch ein großes Glaubwürdigkeitsproblem gehabt, so Hilmer.

Das wird auch Peer Steinbrück nicht gerne gehört haben. Er war bei der Sitzung anwesend, ergriff dem Vernehmen nach aber nicht das Wort. Nur ein Zwischenruf ist von ihm überliefert. Immerhin habe man ein fortschrittliches Programm gehabt, soll der Ex-Kanzlerkandidat bemerkt haben, als Hilmer reihenweise schlechte Zahlen präsentierte.

fab/vme/dpa

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janix_ 14.10.2013
1. SPD = soziale Gerechtigkeit
und das nahm man ihr eben nach dem Industrieknecht Werner Müller, Schröder, etc. kaum noch ab. Und dann baut die altehrwürdige Partei keine Brücke zum wirklich linken Teil der Arbeiterbewegung und packt die Regierungschance, sondern will lieber mit einer notorisch industriegesteuerten, unsozialen CDU gehen. Die SPD lernt aus den Analysen leider nicht, scheint es.
xxbigj 14.10.2013
2. optional
BITTE. Nicht mit der CDU regieren!! Denkt doch mal nach! Wenn die Grünen auch nicht mit den koalieren dann wird es eine Minderheitsregierung!! Minderheitsregierung!!! Dann kann Merkel nicht mehr unser Land weiter in den Ruin treiben und wir hätten eine Opposition die stärker ist als die Konservative Regierung. BITTE habt Rückrat und koaliert nicht mit denen. Macht hat die SPD im Bundesrat und dann auch im Bundestag. Ich appeliere an alle SPD Mitglieder wenn es so weit ist dagegen zu stimmen! Lassen wir Merkel regieren in einer Regierung wo schon ein Abweichler bedeutet, das der Gesetzentwurf nicht durch gewungen wird. Dann ist die Regierung was sie auch schon vorher war nutzlos und Machtlos!
chefchen1 14.10.2013
3. Ruhe in der SPD
Zitat von sysopDPANach dem Rückzug des Vize-Vorsitzenden Klaus Wowereit baut die SPD ihre Parteispitze um. Als Nachfolger wurde der hessische Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel jetzt offiziell nominiert. Im Parteivorstand erklärte eine Meinungsforscherin den Genossen nochmals das Scheitern bei der Bundestagswahl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaefer-guembel-soll-spd-vize-werden-a-927770.html
Nach dem desaströsem Wahlergebnis - immerhin das zweischlechteste der Nachkriegsgeschichte - wundert man sich schon ein wenig, wie lange die Aufarbeitung bei der SPD dauert. Daß der Spitzenkandidat ein Fehlgriff war, wußte der Nicht-SPDler schon seit der Nominierung. Daß er aber weiterhin zum "Spitzenpersonal" gehört erstaunt, genauso wie die Vorsitzenden und der Vorsitzende SPD-Fraktion. Denn das Ergebnis ist auch eine Folge der schlechten Oppositionsarbeit
Olaf 14.10.2013
4.
Zitat von sysopDPANach dem Rückzug des Vize-Vorsitzenden Klaus Wowereit baut die SPD ihre Parteispitze um. Als Nachfolger wurde der hessische Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel jetzt offiziell nominiert. Im Parteivorstand erklärte eine Meinungsforscherin den Genossen nochmals das Scheitern bei der Bundestagswahl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaefer-guembel-soll-spd-vize-werden-a-927770.html
Aha, der Kandidat war also schuld. Und wo sind die ganzen Stimmen hingegangen, die mehr soziale Gerechtigkeit wollten Steinbrück aber nicht glaubwürdig fanden? Grüne und Linke haben Stimmen verloren, die SPD hatte wenigstens etwas zugelegt.
hanfbauer2 14.10.2013
5. Immerhin ein fortschrittliches Programm?
Hm, vielleicht sollte ich das nachträglich ja mal durchlesen, aber andererseits: wann hat sich die SPD je an irgendwelchen Programmen orientiert? Ich erinnere mich noch gut an die Klage des ehemaligen Vorsitzenden Müntefering, der sich beklagt hat, es sei unfair, wenn man nach der Wahl an Aussagen gemessen werde die man vor der Wahl gemacht hat - also kann ich mir die Lektüre auch sparen! Leute die Lebenszeit in irgendwelchen Programm-Kommissionen der SPD verschwenden sind einfach nur zu bedauern. Die Seeheimer wissen das, die "Linken" in der SPD lassen sich aber immer wieder vera....en.
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