Schäuble-Freund CDU-Chef fühlt sich "reingelegt"

Die Personaldebatte um CDU-Chef Schäuble ist voll entbrannt. Während es bereits aus der Fraktion eine Rücktrittsforderung gibt, stärken zahlreiche Politiker Schäuble den Rücken. Schäuble selbst soll sich gegenüber einem Freund bitter über Parteifreunde beklagt haben.


Berlin - Der CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble fühlt sich im Zusammenhang mit der von ihm entgegengenommenen Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber von seinen Parteifreunden "reingelegt". Das berichtet der Chefredakteur des Sportfachblattes "Kicker", Wolfgang Uhrig, der nach eigenen Angaben mit Schäuble befreundet ist, in einem Beitrag für die Berliner Zeitung "B.Z.".

Wolfgang Schäuble
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Schäuble habe gesagt, "dass mit der Spende hundert Prozent alles in Ordnung war. Der Fehler ist, dass mit dem Geld nicht korrekt umgegangen wurde, was nun erst Jahre später rauskommt". Schäuble beklagte sich nach diesen Angaben: "Ich allein stehe jetzt da als der Sündenbock." Dabei - so der Fraktionschef weiter laut "B.Z." - seien es doch Parteifreunde gewesen, die ihn durch Schlamperei "gnadenlos reingelegt" hätten.

Zuvor hatte sich mit dem Bundestagsabgeordneten Friedhelm Ost, früher Regierungssprecher unter Kanzler Helmut Kohl, erstmals ein CDU-Politiker für die Ablösung Schäubles ausgesprochen.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler nannte die Forderung nach einer Ablösung Schäubles Unsinn. Es seien nur vereinzelte Stimmen in der Partei, die eine solche Konsequenz aus der Spendenaffäre forderten, sagte er im Deutschlandfunk. Spekulationen über einen Führungswechsel halte er zum momentanen Zeitpunkt eher für "gefährlich".

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Schäuble vor dem Aus?

Wolfgang Schäuble hat eingeräumt, stärker als bisher angenommen in die Spendenaffäre verwickelt zu sein. Sollte der CDU-Chef die Konsequenz ziehen und zurücktreten?

CDU-Vize Annette Schavan hält sich aus der Kontroverse über die Parteiführung heraus. "Ich beteilige mich nicht an der derzeitigen Personaldiskussion", meinte die 44-jährige. Sie war im Zuge der CDU-Spendenaffäre von Ost als Nachfolgerin von CDU-Chef Schäuble ins Gespräch gebracht worden. Ost sagte, den Neuanfang könnten Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf "als Moderator für eine Übergangszeit" und danach Schavan machen, "um Vertrauen zu stabilisieren und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen".

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion möchte im Untersuchungsausschuss zur Spendenaffäre zuerst Kohl als Zeugen vernehmen. Die Anhörung Kohls müsse unverzüglich auf die Tagesordnung gesetzt werden, forderte der CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss, Andreas Schmidt.



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