»Gefahr der Spaltung der Gesellschaft« Schäuble gegen Privilegien für Geimpfte

Bundestagspräsident Schäuble hat sich gegen Privilegien für Menschen ausgesprochen, die bereits gegen das Coronavirus geimpft sind. Man dürfe »keinen Keil« zwischen Geimpfte und nicht Geimpfte treiben.
Wolfgang Schäuble im Bundestag: »Jetzt ist jedenfalls nicht der richtige Zeitpunkt, um über Privilegien für die ersten Geimpften zu streiten«

Wolfgang Schäuble im Bundestag: »Jetzt ist jedenfalls nicht der richtige Zeitpunkt, um über Privilegien für die ersten Geimpften zu streiten«

Foto: Britta Pedersen / dpa

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat sich gegen eine Vorzugsbehandlung von Menschen ausgesprochen, die gegen das Coronavirus geimpft wurden. »Eine Vorzugsbehandlung für Geimpfte birgt die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft. Zwischen bereits Geimpfte und nicht Geimpfte dürfen wir keinen Keil treiben«, sagte der CDU-Politiker der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.

Das Tempo bei der Impfstoffentwicklung sei »absolut beeindruckend«, fügte er hinzu. »Daher können wir auch hoffen, dass es bei der Produktion noch schneller gehen wird.« Schäuble betonte, der Zeitpunkt der Diskussion sei falsch. »Jetzt ist jedenfalls nicht der richtige Zeitpunkt, um über Privilegien für die ersten Geimpften zu streiten, dazu wissen wir noch zu wenig über Dauer und Umfang der Impfwirkung.«

Auch Kabinettsmitglieder sind gegen Sonderbehandlung von Geimpften

Ähnlich hatten sich zuvor bereits Regierungsmitglieder geäußert. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gesagt, »keiner solle Sonderrechte einfordern, bis alle die Chance zur Impfung hatten«. Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich grundsätzlich gegen eine Bevorzugung gewandt: »Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und nicht Geimpften kommt einer Impfpflicht gleich. Ich bin aber gegen einen Impfzwang.«

Elf Monate nach Bekanntwerden einer ersten Corona-Infektion in Deutschland haben am Sonntag in allen Bundesländern die Impfungen gegen das Virus begonnen. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahren sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden. Dazu werden vor allem mobile Impfteams unterwegs sein.

DER SPIEGEL
höh/dpa
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