Kommentar zur Scharia-Polizei Junge Männer, was ist los mit euch?

Der Auftritt der Scharia-Polizei in Wuppertal sollte nicht verharmlost werden. Er ist ein Alarmzeichen - in Teilen der Gesellschaft läuft einiges grundsätzlich falsch.
"Scharia-Polizei" in Wuppertal: Mit manchen jungen Männern stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht

"Scharia-Polizei" in Wuppertal: Mit manchen jungen Männern stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht

Foto: Oliver Berg/ dpa

Drei Beobachtungen aus diesen Tagen: In Wuppertal patrouilliert eine Gruppe junger Männer als selbst ernannte Scharia-Polizei durch die Straßen, in Sachsen wählen vor allem junge Männer im Alter von 19 bis 29 Jahren die NPD, und in Düsseldorf wird von Montag an einem 27 Jahre alten Islamisten und seinen mutmaßlichen Komplizen wegen des fehlgeschlagenen Bombenattentats von Bonn der Prozess gemacht.

Da kommt der Verdacht auf: Mit manchen jungen Männern hierzulande stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht. Warum sind gerade sie empfänglich für Parolen von Rattenfängern? Woher kommt diese Lust an Provokation und Gewalt? Man möchte ihnen zurufen: Ja, habt ihr sie noch alle?

Nichts gegen ein bisschen Wut

Nun ist gegen ein bisschen Wut über die herrschenden Verhältnisse eigentlich nicht viel zu sagen. Jede Generation sollte mit dem Ziel antreten, Dinge anders zu machen als die Generation davor. Was aber Angst macht, ist, wenn der jugendliche Wunsch nach Veränderungen und Aufbruch in Hass umschlägt.

Da reicht es nicht, nur nach härteren Gesetzen und Bestrafung zu rufen, wie es jetzt im Falle der Scharia-Polizei von Wuppertal die Union wieder tut. Das ist eine reine Selbstverständlichkeit. Natürlich müssen Leute, die das Gewaltmonopol des Staates oder unsere Grundordnung infrage stellen, verfolgt und bestraft werden.

Was fehlt, ist eine Debatte darüber, warum anscheinend vor allem junge Männer hierzulande orientierungslos abdriften. Was läuft in den Familien und Schulen falsch? Warum kann unsere demokratische Gesellschaft diese Jugendlichen anscheinend nicht richtig integrieren? Was muss sich ändern? Das sind Fragen, über die es sich zu streiten lohnt. Das Land sollte damit beginnen. Denn niemand hat Lust darauf, dass aus ein paar gefährlichen Verirrten in Wuppertal, Sachsen und Bonn eine noch breitere Bewegung wird.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.