Scharping Auch Bundeswehr hatte Uran-Munition

Auch die Bundeswehr hat möglicherweise in den neunziger Jahren abgereicherte Uran-Munition verschossen. Das erklärte Verteidigungsminister Scharping heute.


War die Truppe rechtzeitig informiert? Verteidigungsminister Rudolf Scharping
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War die Truppe rechtzeitig informiert? Verteidigungsminister Rudolf Scharping

Berlin - Dies sei wahrscheinlich im Zuge der Übernahme von Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR und der Westgruppe der Roten Armee geschehen. Das sagte Rudolf Scharping am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestages in Berlin.

Die Munition sei in Lenkflugkörpern in der MIG 29 enthalten gewesen. Davon seien 1500 übernommen worden. 1000 seien im Wege der Kampfmittelbeseitigung entsorgt und 500 durch Entfernung des Uran-Kerns umgerüstet worden. Es gebe Hinweise, dass acht bis zehn Geschosse abgefeuert worden seien. Dem werde nachgegangen. Der Bundestag sei von der unionsgeführten Vorgängerregierung davon nicht informiert worden.

Der Verteidigungsausschuss hatte am Vormittag erneut Aufklärung von Scharping über eine mögliche Gefährdung deutscher Soldaten im Umgang mit Uran-Munition verlangt. Der Minister habe zu allen Vorwürfen Stellung bezogen, sagte ein Sprecher der Hardthöhe. Truppe und Verteidigungsausschuss seien frühzeitig über den Einsatz von Uran-Munition im Kosovo-Einsatz und entsprechende Schutzmaßnahmen informiert worden.

Abgeordnete der Opposition warfen Scharping mangelnde Informationspolitik vor. CDU-Parlamentarier hatten zuvor verlangt, den ersten Befehlshaber der im Kosovo-Krieg auf den Balkan entsandten Bundeswehrsoldaten, Helmut Harff, im Ausschuss zu hören. Das lehnte die Koalition vorerst ab.

Keine schlechte Informationspolitik

Der Heeresinspekteur der Bundeswehr, Helmut Willmann, verteidigte Scharping dagegen gegen die Vorwürfe, schlechte Informationspolitik betrieben zu haben. Willmann betonte, dass er mit Brigadegeneral Harff darüber gesprochen habe. Harff habe ihm bestätigt, dass es bereits vor Einsatzbeginn im Juni 1999 Warnungen über den Umgang mit uranhaltiger Munition an die Truppe gegeben habe.

Die PDS-Abgeordnete Heidi Lippmann wiederholte ihre Forderung nach Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Solange Scharping sich darauf beschränke, sich selbst zu verteidigen und die Gefährdung nicht anerkenne, werde es keine konkrete Hilfe geben.



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