Scheidender Generalsekretär Döring klagt über Rassismus in der FDP

Für manche FDP-Mitglieder sei Parteichef Philipp Rösler nur "der Vietnamese" gewesen. Generalsekretär Döring kritisiert versteckten Rassismus in seiner Partei, selbst unter führenden Politikern. Auch Satiriker hätten mit rassistischen Vorurteilen gespielt.
FDP-Generalsekretär Döring: "Rassismus fiel in Partei auf fruchtbaren Boden"

FDP-Generalsekretär Döring: "Rassismus fiel in Partei auf fruchtbaren Boden"

Foto: Bernd Von Jutrczenka/ dpa

Hannover - Der scheidende FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat seiner Partei Rassismus im Umgang mit dem bisherigen Vorsitzenden Philipp Rösler vorgeworfen. An Stammtischen hätten Liberale von "dem Vietnamesen" gesprochen, und manche Abgeordnete hätten dem nur halbherzig widersprochen, sagte Döring der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

Mit rassistischen Vorurteilen hätten auch immer wieder Satiriker und Kritiker gespielt. "Das ist so subtil bösartig, wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Was mich besonders erschreckt hat: Das fiel in unserer Partei auf fruchtbaren Boden."

Rösler hatte in seiner Amtszeit immer wieder mit offenen und versteckten Beleidigungen wegen seiner Herkunft zu kämpfen: Anfang dieses Jahres zeigte ein SPD-Mitglied auf seiner Facebook-Seite die Montage eines berühmten Fotos aus dem Vietnam-Krieg, auf dem Rösler ihn erschießt. Rösler wurde in dem südostasiatischen Land geboren, aber als Kleinkind von einer deutschen Familie adoptiert. Das SPD-Mitglied wurde kürzlich aus der baden-württembergischen SPD wegen der Internet-Dastellung ausgeschlossen.

Auch eine Äußerung von Röslers Parteifreund, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, aus dem vergangenen Jahr wurde als rassistische Anspielung ausgelegt: In einer Diskussion um politische Glaubwürdigkeit verglich er die standhafte "deutsche Eiche" mit dem sich im Wind biegenden asiatischen Bambusrohr.

Schon Anfang dieses Jahres hatte Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn versucht, eine Debatte über die Vorurteile gegen Rösler in Gang zu setzen. Seine Äußerung war ihm aber so verunglückt, dass ihm selbst Rassismus vorgeworfen wurde.

Döring tritt beim außerordentlichen Bundesparteitag der Liberalen am Samstag und Sonntag in Berlin nicht wieder für das Amt des Generalsekretärs an. Die bisherige hessische Kultusministerin Nicola Beer soll ihm nachfolgen. Auch Rösler steht nicht zur Wiederwahl für das Amt des Parteivorsitzenden. An seiner Stelle kandidiert Christian Lindner, der Chef der nordrhein-westfälischen FDP.

ade/sev/dpa
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