Schicksalswahl Baden-Württemberg Rot-Grün in Umfragen immer klarer vorn

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg deutet immer mehr auf einen historischen Wechsel hin - die seit knapp 58 Jahren regierende CDU könnte entmachtet werden. Der Vorsprung von Rot-Grün vor der schwarz-gelben Koalition nimmt nach einer Umfrage weiter zu.


Hamburg - Kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg zeichnet sich eine deutliche Mehrheit für einen Regierungswechsel ab. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Forsa-Umfrage kommen SPD und Grüne zusammen auf 48 Prozent, CDU und FDP erreichen zusammen 43 Prozent.

Die Sozialdemokraten und die Grünen erhalten demnach jeweils 24 Prozent Zustimmung. Die CDU bleibt mit 38 Prozent stärkste Partei, während die FDP mit 5 Prozent nur knapp in den Stuttgarter Landtag einzieht. Die Linke käme mit 4 Prozent nicht in den Landtag, der am Sonntag gewählt wird. 40 Prozent der Befragten gaben allerdings an, noch nicht sicher zu sein, "wie sie sich am Wahltag verhalten werden", teilte das Forsa Institut mit.

Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) stößt zudem bei den Befragten auf wenig Zustimmung. 27 Prozent sind mit seiner Arbeit "zufrieden", 27 Prozent haben keine klare Meinung, 41 Prozent dagegen sind "weniger oder gar nicht zufrieden". Selbst bei den CDU-Anhängern liegt der Zufriedenheits-Werts nur bei 60 Prozent.

Dennoch führt der Amtsinhaber die Präferenzenliste für das Amt des Ministerpräsidenten an. Könnten die Bürger ihren "Landesfürsten" direkt wählen, käme Mappus laut der Umfrage auf 25 Prozent, SPD-Spitzenmann Nils Schmid auf 22 und der Grüne Winfried Kretschmann auf 20 Prozent. Keinen davon möchte ein Drittel der Befragten zum Ministerpräsidenten haben.

Energiedebatte Top-Thema

Der Erhebung zufolge wird die Wahl stark von landespolitischen Themen dominiert. 66 Prozent gaben an, landespolitische Themen seien für sie bei der Wahlentscheidung wichtiger als bundespolitische.

Den größten Einfluss auf die Wahl hat jedoch das Thema "Art und Weise der Energieversorgung". Anfang des Monats waren nur 33 Prozent der Meinung, das sei ein entscheidendes Politikfeld. Nach den Ereignissen in Japan und der anschließenden Atom-Debatte sind es derzeit 49 Prozent.

Gefragt danach, welches das "wichtigste Problem" für Baden-Württemberg sei, liegt die Energiepolitik mit 44 Prozent ebenfalls deutlich vor dem Bahnprojekt "Stuttgart 21" mit 30 Prozent. Anfang des Monats sahen lediglich vier Prozent das Thema Energie als Problem für das Land an. In Baden-Württemberg stehen vier Atommeiler. Der Älteste, Neckarwestheim I, ging unlängst endgültig vom Netz. Der Zweite, Philippsburg I, wurde für die Zeit des Moratoriums vorübergehend stillgelegt.

Die Umfrage wurde zwischen dem 16. und 22. März erhoben. Befragt wurden 1025 Wahlberechtigte im Land Baden-Württemberg und 1006 Wahlberechtigte in der Stadt Stuttgart.

amz/dpa



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