Schill "Barni" und der vorbestrafte Türsteher

Hamburgs Innensenator Ronald Schill gerät immer mehr in Bedrängnis. Während des Wahlkampfes hatte "Richter Gnadenlos" einen verurteilten Straftäter als Bodyguard.


Einmal mehr umstritten: Schill
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Einmal mehr umstritten: Schill

Hamburg - Der 30-jährige Horst J. darf Schill mit dessen Kosenamen "Barni" anreden. Er wurde 1996 wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Im Jahr 2000 stand J. erneut vor Gericht, diesmal wegen eines Falschgelddeliktes, für das er zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt wurde. Diese Strafe wurde zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Schill sagt, er habe nichts von dem Vorleben seines Beschützer gewusst; der Bodyguard habe "ehrenamtlich" für ihn gearbeitet.

Der Schill-Vertraute ist nicht nur Türsteher, sondern auch Vize-Geschäftsführer einer stadtbekannten Hamburger Nobeldiscothek, in der auch der wegen Kokaindelikten verurteilte Partyveranstalter Michael Ammer Feste ausrichtet. Weil auch Schill verschiedentlich Gast des Lokals gewesen sei, stieß eine mittlerweile zurückgenommene Anweisung des Innensenators auf Misstrauen bei Polizisten in der Hansestadt. In einem internen Vermerk, der über eine Dienstbesprechung gefertigt wurde, heißt es, die Ressourcen der Polizei seien dort zu konzentrieren, wo Verelendungstendenzen sichtbar sind. "Dies ist dort nicht der Fall, wo Drogen in Schickeriakreisen konsumiert werden", heißt es in der Anmerkung Schills.

In Bedrängnis gerät Schill auch im Hinblick auf die Ernennung des Rechtsanwalts Walter Wellinghausen zum Staatsrat in der Innenbehörde. Wellinghausen hatte Schill erfolgreich in einer Verhandlung wegen Rechtsbeugung vertreten. In der Polizeiführung waren allerdings Bedenken gegen seine Ernennung zum Staatsrat aufgekommen. Weil in dessen Kanzlei auch Personen vertreten werden, gegen die im Zusammenhang mit Organisierter Kriminalität ermittelt wird, kann ein Interessenkonflikt bestehen. Das Misstrauen mancher Polizisten hat bereits Folgen. So hat der ehemalige Leiter des Hamburger Landeskriminalamtes seine Bitte um Entbindung von seinen Aufgaben auch mit mangelndem Vertrauen in Schill begründet. Das ist bislang von der Behördenleitung bestritten worden.



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