Schlag gegen Qaida-Verdächtige CIA beobachtete die "Düsseldorfer Zelle"

In Düsseldorf und Bochum wurden drei mutmaßliche Qaida-Mitglieder festgenommen - nach SPIEGEL-Informationen standen sie unter internationaler Beobachtung, auch CIA und Marokkos Geheimdienst hatten das Trio im Visier. Einer der Männer soll regelmäßig Kontakt zu einem Top-Terroristen unterhalten haben.
Von Yassin Musharbash, Marcel Rosenbach und Holger Stark
Fahnder in Düsseldorf: Zelle stand unter internationaler Beobachtung

Fahnder in Düsseldorf: Zelle stand unter internationaler Beobachtung

Foto: Henning Kaiser/ dpa

Hamburg - Der Festnahme von drei mutmaßlichen Qaida-Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen gingen nach SPIEGEL-Informationen monatelange Ermittlungen voraus, an denen neben deutschen Behörden auch die CIA und der marokkanische Geheimdienst beteiligt waren. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte eigens eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation namens "Komet" gegründet.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hatte am Freitag gemeldet, es seien drei Personen festgenommen worden.

Sie stünden unter Verdacht, der Terrororganisation al-Qaida anzugehören. Als Hauptverdächtiger der intern "Düsseldorfer Zelle" genannten Gruppe gilt nach SPIEGEL-Informationen der marrokanischstämmige Abdeladim K. Er soll in regelmäßigem Kontakt mit einem angeblich hochrangigen Qaida-Funktionär im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gestanden haben.

Im Zuge der Ermittlungen hatte das BKA einen Trojaner für eine Online-Durchsuchung sowie eine Software für eine Telekommunikationsüberwachung auf seinem Rechner installiert. Der Festnahme der Gruppe ging offenbar voraus, dass die Ermittler mithörten, wie die Verdächtigen einen Test planten. Zuvor hatten sie sich Chemikalien beschafft, die auch für den Bau von Bomben geeignet sind.

Laut ZDF haben die Fahnder zugeschlagen, bevor die drei Verdächtigen mit dem Bau einer Bombe beginnen konnten. Einer der Anführer soll in einem Terrorcamp im Ausland ausgebildet worden sein.

Bombenanschlag auf Nahverkehr geplant?

Nach Angaben der "Welt" sollen die drei Männer womöglich einen Bombenanschlag auf öffentliche Verkehrsmittel geplant haben. "Ziel war der öffentliche Nahverkehr in einer Großstadt", sagte ein Ermittler der Zeitung. Der genaue Ort habe noch nicht festgestanden. Auf die Planung würden sowohl größere Mengen sichergestellter Sprengmittel und Chemikalien in einem Wohngebiet hindeuten als auch abgehörte Gespräche von Handys sowie Internetverbindungsdaten von Computern der Verdächtigen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" verfügten die Männer aber lediglich über kleinere Mengen Chemikalien. Sie hätten noch nicht damit begonnen, diese zu Sprengstoffen in größeren Mengen anzureichern. Ein Anschlag habe nicht unmittelbar bevorgestanden, zitierte das Blatt auf seiner Webseite aus Ermittlerkreisen. Auch sei unklar, ob ein Terrorziel ausgewählt worden sei.

Die drei Marokkaner mit deutschen Pässen gehören dem "Welt"-Bericht zufolge einer größeren Gruppe von Terrorverdächtigen an. Da mit weiteren Festnahmen und Durchsuchungen gerechnet werde, zeigten sich Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesanwaltschaft ausgesprochen zurückhaltend, hieß es dem Bericht zufolge in Sicherheitskreisen. Den Männern, die am Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden sollen, wird nach Informationen der Zeitung die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung zur Last gelegt.

Deutschland "nach wie vor im Fadenkreuz"

Laut Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist es den Fahndern gelungen, "eine konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus abzuwenden". Der Vorfall zeige, dass Deutschland "nach wie vor im Fadenkreuz internationaler Terroristen" stehe, sagte der CSU-Politiker. Es gelte, "auch weiterhin wachsam zu bleiben".

Sollte sich der Qaida-Verdacht bestätigen, würde es sich nicht um die ersten aus Deutschland stammenden Qaida-Mitglieder nach der Hamburger 9/11-Zelle handeln. 2009 wurde ein aus Pakistan stammender Händler aus Rheinland-Pfalz wegen Unterstützung des Terrornetzwerks verurteilt. Ein Jahr später kam der Bonner Dschihadist Bekkay Harrach in Afghanistan ums Leben. Er hatte im Herbst 2009 für Schlagzeilen gesorgt, als er im Namen al-Qaidas mit Anschlägen in Deutschland drohte.

Spätestens seit Harrachs Drohungen gehen Analysten bei den Sicherheitsbehörden davon aus, dass al-Qaida einen Anschlag in Deutschland durchführen oder initiieren möchte. Auch andere Terrorgruppen aus der Krisenregion am Hindukusch haben - teils mit Hilfe deutscher Rekruten - ihre antideutsche Propaganda angekurbelt, vor allem die Islamische Bewegung Usbekistan.

Eine weitere Gruppe, die Islamische Dschihad Union, hatte jene Anschläge in Auftrag gegeben, die die Sauerland-Gruppe in Deutschland verüben sollte. Beide Gruppen kooperieren zumindest gelegentlich mit al-Qaida.

Die Dimension des Falls sei vergleichbar mit der Sauerland-Gruppe, die 2007 festgenommen worden war, heißt es. Die vier Islamisten der Sauerland-Gruppe um Fritz Gelowicz wollten damals Anschläge in Deutschland verüben und hatten schon Vorbereitungen getroffen. Die Männer waren in einem Terrorcamp ausgebildet und auf Autobombenanschläge vorbereitet worden. Drei der Männer wurden festgenommen - der vierte Islamist wurde später in der Türkei gefasst.

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mit Material von dpa/dapd
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