Schleppender Ausbau Länder bieten zu wenige Kita-Plätze an

Deutschen Familienpolitikern droht ein Debakel: Bis 2013 soll es eigentlich für jedes dritte Kleinkind einen Betreuungsplatz geben. Doch die Bundesländer werden dieses Ziel laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kaum erreichen. Der Ausbau der Krippenplätze hat sich sogar verlangsamt.

Kinder in der Kita: Ab 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung
dapd

Kinder in der Kita: Ab 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung


München - Die Zeit drängt. Ab 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch darauf, dass ihr Kleinkind in einer Kindertagesstätte oder von einer Tagesmutter betreut wird. Um dem Bedarf einigermaßen gerecht zu werden, haben Bundesregierung und Länder vereinbart, bis 2013 für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz anzubieten. Doch dieses Ziel scheint in weiter Ferne. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf amtliche Statistiken der Länder.

Demnach habe es im März 2011 nur für knapp 20 Prozent der Kleinkinder einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter gegeben. Besonders schlecht sieht es der Zeitung zufolge in Nordrhein-Westfalen aus: Dort gab es im März 2011 nur für 15,9 Prozent aller Ein- bis Dreijährigen einen Betreuungsplatz. Aber auch die großen Flächenstaaten Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen bieten nicht einmal für jedes fünfte Kleinkind einen Kita-Platz an.

Die Zahlen beruhen laut "SZ" auf Angaben der Statistischen Landesämter. Das Statistische Bundesamt will die Daten am Dienstag veröffentlichen.

"Das Geld vom Bund ist da"

Weil sich das Tempo des Ausbaus zuletzt sogar verlangsamt habe, sei kaum damit zu rechnen, dass die Länder in den kommenden zwei Jahren die Quote von 35 Prozent erreichen. Auf diese hatten sie sich 2007 mit der Bundesregierung festgelegt. Der Bund übernimmt dafür mit insgesamt vier Milliarden Euro einen Anteil der Kosten.

Familienministerin Kristina Schröder zeigte sich angesichts des schleppenden Ausbaus verärgert: "Ich verstehe die Länder nicht, das Bundesgeld ist da, und die Zeit drängt", sagte die CDU-Politikerin dem SPIEGEL. Von 2,15 Milliarden Euro, die der Bund bis 2013 bereitgestellt hat, sind bis Oktober erst 1,24 Milliarden Euro abgerufen worden.

Nach Schätzungen des Familienministeriums müssen noch mehr als 200.000 neue Kita-Plätze geschaffen werden, um das 35-Prozent-Ziel zu erreichen. Doch davon sind laut "SZ" bis auf Rheinland-Pfalz alle westdeutschen Bundesländer weit entfernt: In NRW lag der Zuwachs 2011 gerade einmal bei 1,9 Prozentpunkten. Setzt das Land den Ausbau in diesem Tempo fort, werde die Quote in zwei Jahren immer noch bei unter 20 Prozent liegen.

cte/dapd



insgesamt 51 Beiträge
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marvinw 07.11.2011
1. Dafür gibt es doch kein Geld!
---Zitat--- Länder bieten zu wenige Kita-Plätze an ---Zitatende--- Wie sollen sonst Milliarden für Bängster und für Griechenland finanzeirt werden? Dafür gibt es doch kein Geld!
BigRick1407, 07.11.2011
2. Wie man seinen Standortvorteil konservativ verspielt
Tja, in der Erkenntnisgeschwindigkeit waren die Konservativen noch nie die besten. Atomkraft abschalten? "Um Gottes willen, es gibt gar keine Alternative." Jetzt drohen in den Regionen im Süden und Westen Ministromausfälle, ach Gottchen, "...aber diese verspargelten Landschaften sind doch nicht mehr Lebenswert..." Und jetzt das, nicht nur dass der Osten in Sachen Ökostrom plötzlich nicht nur Vorreiterrolle, sondern auch noch einen Versorgungssicherheitsbonus hat, jetzt zeigt der auch, wie man mit diesen familiengeilen Karrieristen umgeht. "Hilfe, ich sehe Schlüsselkinder kommen. Und überhaupt, wieso überhaupt Kinder!" Tja Freunde der Sonne, manchmal sollte man sich nicht nur in der eigenen Scheinheiligkeit sonnen, sondern auch lernen Fakten anzuerkennen. Die Folge dieser Blockadehaltung? Fachkräfte, die arbeiten wollen und auch müssen, weil die Zeit der Eineinkommenhaushalte ist ja nun einfach mal lange vorbei, gehen dahin, wo man sich um die Kinderbetreuung keine Sorgen machen muss. Fachkräftemangel gibts nunmal überall.
dasky 07.11.2011
3. Sozialer Brennpunkt Rheinland Pfalz
Zitat von sysopDeutschen Familienpolitikern droht ein Debakel: Bis 2013 soll es eigentlich für jedes dritte Kleinkind einen Betreuungsplatz geben. Doch die Bundesländer werden dieses Ziel laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kaum erreichen. Der Ausbau der Krippenplätze hat sich sogar verlangsamt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,796203,00.html
Tjahaa, Rheinland Pfalz ist eben das "familienfreundlichste Bundesland" im "familienfreundlichsten Land Europas" (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=8875201&postcount=67) (R.Schmidt (http://www.dfb.de/typo3temp/pics/dd870aa2d3.jpg), K.Beck (http://www.box.net/shared/3r7algufta) und Genossen (http://www.unicef.de/typo3temp/pics/10ffceb43f.jpg)). Je mehr Kinderparkplätze (http://www.spiegel.de/spam/0,1518,625462,00.html) je früher je weiter weg vom Elternhaus und den Eltern (http://www.deutscher-familienverband.de/uploads/RTEmagicC_Logo_Ideen_fuer_ein_kinderfreundliches_Land.jpg.jpg) zur Verfügung stehen, desto besser. Nur die Luxuskinderspielplätze (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,795039,00.html) werden nicht so recht angenommen. Lesen Sie weiter bei Frau Friedrichsen in der heutigen Ausgabe von DER SPIEGEL (S.54 - S.58)...
holyfetzer86 07.11.2011
4. Antwort
Zitat von BigRick1407Tja, in der Erkenntnisgeschwindigkeit waren die Konservativen noch nie die besten. Atomkraft abschalten? "Um Gottes willen, es gibt gar keine Alternative." Jetzt drohen in den Regionen im Süden und Westen Ministromausfälle, ach Gottchen, "...aber diese verspargelten Landschaften sind doch nicht mehr Lebenswert..." Und jetzt das, nicht nur dass der Osten in Sachen Ökostrom plötzlich nicht nur Vorreiterrolle, sondern auch noch einen Versorgungssicherheitsbonus hat, jetzt zeigt der auch, wie man mit diesen familiengeilen Karrieristen umgeht. "Hilfe, ich sehe Schlüsselkinder kommen. Und überhaupt, wieso überhaupt Kinder!" Tja Freunde der Sonne, manchmal sollte man sich nicht nur in der eigenen Scheinheiligkeit sonnen, sondern auch lernen Fakten anzuerkennen. Die Folge dieser Blockadehaltung? Fachkräfte, die arbeiten wollen und auch müssen, weil die Zeit der Eineinkommenhaushalte ist ja nun einfach mal lange vorbei, gehen dahin, wo man sich um die Kinderbetreuung keine Sorgen machen muss. Fachkräftemangel gibts nunmal überall.
* Seit wann ist die CDU wieder konservativ? Dann wären die Familien auch wieder wichtig!
Plasmabruzzler 07.11.2011
5. Traurig
Zitat von sysopDeutschen Familienpolitikern droht ein Debakel: Bis 2013 soll es eigentlich für jedes dritte Kleinkind einen Betreuungsplatz geben. Doch die Bundesländer werden dieses Ziel laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kaum erreichen. Der Ausbau der Krippenplätze hat sich sogar verlangsamt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,796203,00.html
Das wirklich traurige an der ganzen Sache ist, dass bei immer weniger geborenen Kindern stetig noch weniger KiTa- und Kindergartenplätze zur Verfügung stehen und Schulklassen oft überfüllt sind. Ich stelle mir nun den Fall vor, wenn jede Frau mindestens 2 Kinder bekäme (wie von der Politik gewollt). Die Ausmaße will ich mir nicht wirklich ausmalen.
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