Wählerwanderung in Schleswig-Holstein Wie der CDU-Triumph zustande kam

Die CDU um Daniel Günther holt ein historisch starkes, die SPD ein historisch schwaches Ergebnis. Wo holte die CDU neue Stimmen? Und an wen verloren die Sozialdemokraten? Die Wählerwanderung im Detail.
Die CDU gewann neue Stimmen aus allen Lagern, vor allem von der SPD

Die CDU gewann neue Stimmen aus allen Lagern, vor allem von der SPD

Foto: Der Spiegel

Welch ein Erfolg für die CDU: Bei der Wahl in Schleswig-Holstein gewann sie 43,4 Prozent der Stimmen, über elf Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl 2017. Es ist vor allem auch ein Erfolg des Spitzenkandidaten Daniel Günther. Er ist so beliebt, dass FDP-Chef Christian Lindner von einer »Günther-Wahl« sprach.

Für die SPD ist das Ergebnis (16 Prozent) dagegen ein Schock. Es ist das schlechteste Resultat für die Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein überhaupt. Nicht sie, sondern die Grünen (18,3 Prozent) sind nun zweitstärkste Kraft. Auch eine Kleinpartei kann sich freuen: Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) erreicht mit 5,7 Prozent sein bestes Ergebnis. Und die AfD (4,4 Prozent) erfährt zum ersten Mal, wie es sich anfühlt, aus einem Landtag zu fliegen.

SPD verliert in alle Richtungen

Die Wahl war geprägt von tiefgreifenden Verschiebungen: Die CDU mit Günther gewann aus fast allen Lagern Stimmen dazu, ebenso der SSW. FDP und SPD verloren hingegen in alle Richtungen. Das geht aus der Analyse zur Wählerwanderung von Infratest dimap hervor.

Das Wahlforschungsinstitut berechnet sie auf Grundlage eigener Befragungen, des vorläufigen Endergebnisses sowie weiterer amtlicher Statistiken. Die Werte sind eine grobe Schätzung dafür, wie viele Wählerinnen und Wähler eine Partei im Vergleich zur vorherigen Wahl halten konnte und wie viele zu und von anderen Parteien ab- oder zugewandert sind.

Die CDU profitierte demnach vor allem von Wählerinnen und Wählern, die sich von der SPD abwandten. 70.000 Personen, die 2017 noch die Sozialdemokraten wählten, entschieden sich nun für die CDU. Auch die FDP verlor viele Stimmen an ihren Koalitionspartner: 59.000 ehemalige FDP-Wähler stimmten dieses Mal für die CDU um Günther. Damit kam fast jeder fünfte CDU-Wähler 2021 von der SPD oder der FDP. Auch aus den Lagern von AfD und Grünen gewann die CDU unter dem Strich neue Wähler.

DER SPIEGEL

Das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des Landes für die SPD überrascht nicht, wenn man die Stimmenverluste an die anderen Parteien betrachtet: Einerseits an die CDU, aber auch an die Grünen, zu denen laut Infratest-Schätzung 47.000 Wähler wechselten. Insgesamt verlor die SPD fast 30 Prozent ihrer Wählerinnen und Wähler von 2017 an die beiden Parteien. Auch der SSW jagte den Sozialdemokraten Stimmen ab (15.000).

Die Schwäche der SPD war gleichzeitig die Stärke der Grünen um Spitzenkandidatin Monika Heinold. Von keiner anderen Partei gewannen sie mehr Wähler, fast jeder fünfte Grünenwähler 2022 hatte 2017 noch die SPD gewählt. Anders als die Grünen erlitt die FDP, der zweite Juniorpartner der CDU-geführten Jamaikakoalition, deutliche Verluste.

FDP bei Erstwählern beliebt

Allerdings punkteten die Liberalen gut in der Gruppe der Erstwähler. Von den 64.000 Personen, die erstmals abstimmen durften und von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten, entschieden sich 14 Prozent für die FDP. Besser waren in dieser Gruppe nur die CDU (21,9 Prozent) und die Grünen (28,1 Prozent).

Die AfD hingegen konnte kaum Erstwähler für sich gewinnen. Sie verlor vor allem an CDU (11.000) und FDP (7.000) und verpasste den Einzug in den Landtag. Das lag auch daran, dass 14.000 Personen, die 2017 noch für die AfD gestimmt hatten, diesmal nicht zur Wahl gingen.

Nicht nur unter den Erstwählern, sondern generell bei jüngeren Wählergruppen punkteten Grüne und FDP besonders gut, wie eine Auswertung des Wahlverhaltens nach Alter zeigt. Unter den 16- bis 24-Jährigen wurden die Grünen mit 26 Prozent stärkste Kraft. Zwölf Prozent der Jungwähler entschieden sich laut Infratest dimap zudem für die Liberalen.

In allen anderen Altersgruppen lag hingegen die CDU vorne. Insbesondere bei älteren Wählergruppen verzeichneten die Christdemokraten starke Ergebnisse. In der Gruppe der über Siebzigjährigen entschieden sich 55 Prozent für Günthers Partei. Auch die SPD hatte in den Altersgruppen über 60 ihre stärksten Unterstützer.

Grüne punkten vor allem bei Personen mit hoher Bildung

Starke Unterschiede ergeben im Stimmverhalten ergeben sich je nach Bildungsgrad. Personen mit einer formal einfacheren Bildung entschieden sich zu 50 Prozent für die CDU, bei höherem Bildungsgrad waren es hingegen 35 Prozent. Auch die SPD punktete bei Menschen mit einfacher Bildung.

Gegenteilig sieht es bei den Grünen aus: Bei Wählerinnen und Wählern mit einfacher Bildung, entschieden sich nur sieben Prozent für die Partei.

Unterschiede beim Wahlverhalten nach Geschlecht waren in Schleswig-Holstein hingegen kaum auszumachen. Frauen und Männer entschieden sich ähnlich häufig für SPD und CDU. Eine Ausnahme bilden AfD und FDP, die überwiegend von Männern gewählt wurden. Dieses Muster war auch schon bei vergangenen Wahlen aufgetreten.

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