Wahl in Schleswig-Holstein Der Merkel-Effekt

Auch die zweite Runde im Superwahljahr geht an die CDU - dabei hatte die SPD den Sieg im Norden fest eingeplant. Jetzt rächt sich, dass ihr Spitzenkandidat bisher kaum Inhalte zu bieten hat.

Martin Schulz (am Wahlabend in der SPD-Zentrale)
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Martin Schulz (am Wahlabend in der SPD-Zentrale)

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Martin Schulz bemühte die Fußballersprache, als er vor einigen Wochen die SPD-Niederlage im Saarland kommentieren musste. Es stehe jetzt 1:0 für die Union, aber seine Partei sei kampfstark und geschlossen.

Damals ging der Kanzlerkandidat wie eigentlich alle Genossen davon aus, dass es Mitte Mai, nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, 2:1 für die SPD stehen würde. Siege in Kiel und Düsseldorf waren fest eingepreist, mit viel Selbstbewusstsein wollte man dann in die Schlacht ums Kanzleramt ziehen.

Daraus wird nichts. Die Sozialdemokraten haben die Wahl im Norden haushoch verloren. Und wenn es ganz schlecht läuft, dann steht es am nächsten Sonntag 3:0 für Angela Merkel. Für Schulz sähe es düster aus. Er hätte im September wohl nur noch dann eine Chance, wenn die Kanzlerin in den kommenden Monaten gravierende Fehler machen würde - was eher nicht zu erwarten ist. Keine Merkel-Dämmerung mehr in Sicht.

In der SPD versuchen sie nun, die Schuld beim bisherigen Ministerpräsidenten abzuladen. Torsten Albig hat mit seiner arroganten Art, mit seiner misslungenen Homestory kurz vor der Wahl, samt bemerkenswerter Heimchen-am-Herd-Sprüche über seine künftige Ex-Frau, sicher viele Menschen im Norden abgeschreckt.

Nach der überraschend klaren Pleite im Saarland hatten die Genossen noch auf den Amtsbonus der dortigen CDU-Regierungschefin verwiesen. Im Norden aber brachte es ein Nobody wie Daniel Günther fertig, der SPD zum ersten mal seit zwölf Jahren einen Ministerpräsidentenposten zu entreißen.

Aber natürlich wissen sie im Willy-Brandt-Haus: Es wird nicht gelingen, diese Schlappe von Schulz zu trennen. Er hatte der Partei einen Schub gegeben, der sich auch in den Umfragen in Schleswig-Holstein - und auch in NRW - niederschlug. Und der genauso wieder nachgelassen hat in den vergangenen Wochen.

Das Neue, das Frische ist verflogen, der sogenannte Schulz-Effekt verpufft. Jetzt rächt sich, dass es die SPD und ihr Mega-Martin in all der Euphorie versäumt haben, über Schlagworte hinaus etwas zu anzubieten. Soziale Gerechtigkeit findet zwar keiner schlecht, bleibt ohne Konzepte aber eine Phrase. Und ein Arbeitslosengeld Q allein taugt eben nicht als Wahlkampfschlager.

Am Montag will Schulz einen inhaltlichen Aufschlag wagen und sein wirtschaftspolitisches Programm umreißen. Für die Wahl in NRW wird das kaum noch helfen. Der SPD bleibt nur die Hoffnung, dass die aktuelle Negativdynamik nicht auch noch Hannelore Kraft aus dem Amt spült.

Aber selbst wenn die SPD den Pflichtsieg in NRW schafft, Angela Merkel kann sich einstweilen entspannen. Ihr Wahlkampf besteht im Wesentlichen darin, Angela Merkel zu sein und wie gewohnt vor sich hinzuregieren. Brexit, Syrien, Ukraine, Trump - die Welt ist kompliziert, und die Kanzlerin kümmert sich, das ist die Botschaft. Damit ist zwar noch nichts darüber gesagt, was Merkel in einer vierten Amtszeit mit dem Land vorhätte. Für den Moment aber reicht es.

Tatsächlich sagen fast 90 Prozent der CDU-Wähler im Norden, sie fühlten sich bei der Kanzlerin "in unruhigen Zeiten" gut aufgehoben. Und mehr als ein Viertel haben die CDU laut Meinungsforschern nur wegen Merkel gewählt. Das nennt man wohl Merkel-Effekt.

Die CDU-Chefin kann nun für sich beanspruchen, die Rufe aus den eigenen Reihen, sie müsse im Wahlkampf endlich mehr Leidenschaft zeigen, bisher zu Recht ignoriert zu haben. Jene konservativen Unionisten, die Themen wie die Innere Sicherheit, den Doppelpass oder den Kampf gegen politischen Islam in den Mittelpunkt des Wahlkampfes stellen wollen, werden nun noch weniger Gehör bei ihr finden. Merkel kann darauf verweisen, dass mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Daniel Günther nun zwei CDU-Politiker gewonnen haben, die in der Flüchtlingspolitik an ihrer Seite standen.

Es läuft plötzlich wieder für die Kanzlerin, die Müdigkeit, die sowohl Merkel selbst als auch die Partei erfasst zu haben schien, wirkt vorerst wie verflogen. Wie der Schulz-Effekt.

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rambazambah 08.05.2017
1. Nur bedingt vergleichbar
Ich denke, dass man die Ergebnisse einer Landtagswahl nur bedingt als Barometer für die Bundestagswahl sehen kann/darf. Die Landtagswahl ist noch mehr eine Persönlichkeitswahl, denn es betrifft die Politik vor der eigenen Haustüre. Bestes Beispiel ist Baden-Württemberg. Hier haben die Leute Kretschmann gewählt, weil sie ihn als Landesvater haben wollten. Hier wurde der Mann gewählt und nicht die Grünen. Die SPD hatte hier kein Land gesehen - weniger wegen des Parteiprogramms, sondern wegen der Unsympathie Herrn Schmidt gegenüber. Von daher würde ich das Ergebnis aus dem Norden nicht als Sieg für die Kanzlerin sehen - und auch nicht als Schlappe für Schulz...
Axel Geertz 08.05.2017
2. Effekt - Defekt
Der Merkel-Effekt ist gleichzeitig ein Schulz-Defekt! Es wird sich nicht ändern lassen! Axel Geertz
suedseefrachter 08.05.2017
3.
Ich tippe sehr stark auf Wahlfälschung, es kann doch nicht sein das SPD und CDU sich in Deutschland einfach alles leisten können und das ohne jegliche Konsequenzen. Ich denke dass eigentliche Resultat wäre viel ausgeglichener zwischen allen Parteien. Auch die Altwähler sterben langsam weg sodass die immer (jahrzehntelang!) gleichbleibenden Resultate höchst unglaubwürdig erscheinen!
Xantos73 08.05.2017
4. Naja...
haushoch verloren sieht bei mir anders aus. Da sind gerad mal 3,2% weniger Stimmen bei der SPD eingedrudelt. Rein theoretisch könnte die SPD da noch ne Ampel stricken. Scheitert aber wohl an der FDP. Aber schön zu sehen, das Länder immer noch nach eigenen Befindlichkeiten ihre Wahlen ausmachen. Der Deutsche ist da zu bodenständig als das ein Schulz-Zug mit nur zwei Schlagworten wie "Gemeinsam" und "Gerchtigkeit" die Leute von den Stühlen reist. Aufbruchs-Wahlkampf sieht meiner Meinung nach auch anders aus. Wer die Leute mit nehmen will muss zu ihnen hin und dort unermüdlich Reden halten, Auftritte organisieren - einfach greifbar sein auch für den kleinen Mann. Sehe ich bei dem Herrn Schulz zur Zeit so gar nicht. Tja, gibt wohl doch nicht so viel her, so ein dicker und satter EU-Bauch. Wohl doch nur ein Sturm im Wasserglas. Also wer das alte Schlachtschiff Merkel auf hoher See im Gefecht schlagen und versenken will muss schon etwas anders manövrieren.
klausbrause 08.05.2017
5.
Ein ausgewiesen rechter Genosse, der der spd schon mal den Verzicht auf einen eigenen Kanzlerkandidaten nahelegte, der öffentlich beklagte, daß er sich mit seiner Frau nicht auf Augenhöhe unterhalten konnte, ein solcher Kandidat und ausgewiesener Sympatieträger, wie der nur verlieren konnte? Unbegreiflich! Wahrscheinlich hilft jetzt nur noch, wenn die spd Florian Gerster zur neuen Hoffnung aufbaut und bei Wolfgang Clement Abbitte leistet.
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