Schröders Adoption Maulkorb für Kinderhilfswerk
Berlin - Die Fragerunde war eröffnet, aber "terre des hommes" - Pressesprecher Wolf-Christian Ramm musste die Journalisten enttäuschen: "Sicherlich brennt es ihnen allen auf den Nägeln. Aber ich muss Ihnen sagen: Das Hamburger Landgericht hat eine Einstweilige Verfügung erlassen, die es uns untersagt, zu der Adoption der Eheleute Schröder Stellung zu nehmen", sagte Ramm.
Die neue Tochter von Bundeskanzler Gerhard Schröder heißt Viktoria und kommt aus Russland. Doris Schröder-Köpf, 41, und Schröder, 60, hatten das kleine Mädchen adoptiert. Aus einer früheren Beziehung hat Schröder-Köpf bereits eine Tochter. Die Umstände der Adoption von Viktoria waren in der Öffentlichkeit heftig diskutiert worden.
"Ohne fachliche Begleitung und Vorbereitung"
Im SPIEGEL dieser Woche hatte "terre des hommes"-Sprecher Bernd Wacker angekündigt, die Adoption der Schröders kritisch hinterfragen zu wollen. Wacker sagte, er habe den Eindruck, dass "diese Adoption ohne fachliche Begleitung und Vorbereitung erfolgt ist".
Eigentlich hätte die Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle (GZA) der vier norddeutschen Bundesländer in Hamburg von der Adoption der kleinen Viktoria vorab informiert werden müssen. "Uns liegt keine Akte vor", so hatte der SPIEGEL eine Sprecherin der Hamburger Sozialbehörde zitiert, der die GZA unterstellt ist.
Vor allem der Altersunterschied zwischen Schröder und seiner neuen Tochter war öffentlich kritisiert worden. Nach den Empfehlungen von "terre des hommes" soll der Altersunterschied zwischen Adoptivkind und Eltern nicht mehr als 35 Jahre betragen. Bundeskanzler Schröder war zum Zeitpunkt der Adoption 60 Jahre alt, also 57 Jahre älter als seine Adoptivtochter.
Keine Äußerungen
Wer die Einstweilige Verfügung beim Hamburger Landgericht erwirkt hatte, war am Donnerstag unklar. Regierungssprecher Bela Anda erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, zu Privatangelegenheiten des Kanzlers äußere sich das Bundespresseamt grundsätzlich nicht.
Die Pressestelle des Hamburger Landgerichts verwies auf die rechtlichen Bestimmungen: Solange das Gericht im Fall einer Einstweiligen Verfügung kein grünes Licht gebe, seien sie nicht befugt, Auskünfte zu erteilen.
Eine mögliche Erklärung für die Zurückhaltung des Gerichts: Nicht Schröder, sondern seine Adoptivtochter Viktoria hat durch einen Anwalt die Verfügung erwirkt. In Kreisen von Fachanwälten hieß es am Donnerstag, weil das Mädchen nicht volljährig und zudem als Kind des Kanzlers keine "relative Person der Zeitgeschichte" sei, habe die Verfügung besonders weit reichende Konsequenzen. Aus Kreisen von Medienanwälten hieß es dazu gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Ein genialer Schachzug!"