Schröders Rückzug Zum Abschied gab's die Anwaltsgebührenordnung

Gerhard Schröder will sich Mittwoch aus dem Bundestag verabschieden. Am Tag zuvor will er noch CDU-Chefin Angela Merkel seine Stimme bei der Kanzlerwahl geben. Mit viel Beifall und ein wenig Pathos verabschiedete sich die Fraktion am Abend vom bisherigen Kanzler.


Berlin - Das Motto lautete: "Danke, Kanzler". Mit einem Fest bereitete die SPD-Bundestagsfraktion am Abend Gerhard Schröder einen launigen Abschied in der Parteizentrale in Berlin. Der frisch gewählte Fraktionschef Peter Struck überreichte ihm die mit einer roten Schleife versehene aktuelle Ausgabe der Anwaltsgebührenordnung.

Franz Müntefering, der künftige Vizekanzler, schenkte Schröder einige Erinnerungsstücke aus dem Bundestag, die er - wie Müntefering freimütig gestand - im Laufe der Zeit "so nebenbei" hatte mitgehen lassen: drei gekennzeichnete Parlaments-Stimmkarten, eine von Willy Brandt sowie je eine von Schröder und ihm selbst. Er sagte: Die SPD habe in den vergangenen sieben Jahren ihre Regierungsfähigkeit endgültig unter Beweis gestellt: "Dieses Land gehört nicht uns, aber auch nicht den Konservativen, die sich manchmal als geboren zum Regieren betrachten", betonte Müntefering.

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In seiner Dankesrede nannte Schröder seine Regierungszeit "sieben Jahre, die sich sehen lassen können". Trotz aller Fehler sei eine Menge erreicht worden. "Das war nicht nur eine wichtige politische Etappe in meinem Leben, das war auch eine gute menschliche Erfahrung." Er bedankte sich bei den Abgeordenteten für die Unterstützung in den vergangenen Jahren. "Wir haben einiges bewegen können," sagte Schröder. "Das hat einiges gekostet: Machtverlust in den Ländern, weil einige nicht verstanden haben, was wir wollten."

Dem neuen SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck wünschte Schröder viel Freude bei der Umsetzung seiner Ankündigung, "einen streitfreien Stil in der SPD" einzuführen.

Seinen Abgang auch aus dem Bundestag hatte Schröder am Nachmittag vor der Bundestagsfraktion der SPD angekündigt. Schröder hatte bislang offen gelassen, ob er sein Mandat wahrnehmen wolle. Der SPIEGEL hatte den Abgang aus dem Bundestag jedoch bereits kürzlich prognostiziert. Schröder hatte angekündigt, dass er in Zukunft wieder als Rechtsanwalt arbeiten will.

Schröder betonte, für ihn beginne jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Die Abgeordneten der SPD-Fraktion spendeten ihm stehend Applaus. Die Ankündigung des Rückzugs sei undramatisch gewesen, sagten Teilnehmer anschließend.

Nachrücker soll der 57 Jahre alte SPD-Politiker Clemens Bollen aus Ostfriesland werden.

Schröder ist bereits in Berlin auf der Suche nach Räumen für seine Anwaltskanzlei - in Mitte. Meldungen gab es auch, dass Schröder sich den schönen Künsten widmen wolle. Der italienische Maler Bruno Bruni hatte im "Südwestrundfunk" berichtet, sein Freund Schröder habe bereits Leinwände gekauft und erste Entwürfe gezeichnet. Schröder werde ein großer Maler, weissagte Bruni. Kanzler-Gattin Doris Schröder-Köpf nannte die Erzählungen Brunis jedoch kurz darauf einen "Schmarrn" und auch der Regierungssprecher dementierte.

Bereits bekannt ist die neue Adresse Schröders. Seine Wohnung liegt mitten im Regierungsviertel, direkt am Pariser Platz. Er hat dort 80 Quadratmeter mit Blick auf das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals, den Tiergarten und das Sony-Center.



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