Schülerbrief an CDU-Politiker Wir sind reif genug, Herr Boetticher!

Die Affäre mit einer 16-Jährigen war für ihn "schlichtweg Liebe". Doch wählen sollte man in dem Alter nicht, fand Christan von Boetticher. Schüler aus Schleswig-Holstein haben dem gestürzten CDU-Politiker nun einen giftigen Brief geschrieben.

Christian von Boetticher: Schüler werfen ihm Doppelmoral vor
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Christian von Boetticher: Schüler werfen ihm Doppelmoral vor


Uetersen - Er stürzte über die Affäre mit einer 16-Jährigen - und lehnte gleichzeitig das Wahlrecht mit 16 ab. Ein Widerspruch, finden die Schüler einer 12. Klasse aus Schleswig-Holstein und haben Christian von Boetticher, dem ehemaligen Spitzenkandidaten der CDU im Norden, einen offenen Brief geschrieben, mit reichlich Giftpfeilen gespickt.

Kaum verhüllt werfen Schüler der Klasse 12c des Ludwig-Meyn-Gymnasiums in Uetersen bei Hamburg Boetticher Doppelmoral vor. Genüsslich verweisen sie auf eine "hitzige Diskussion" mit Boetticher vor einem halben Jahr. Damals habe der Politiker den größtenteils minderjährigen Schülern wegen Unreife das Wahlrecht abgesprochen. "Sie vertraten den Standpunkt ihrer Partei, dass ein 16-Jähriger einem Erwachsenen in der Reife und Bildung soweit nachsteht, dass er keine verantwortungsbewussten politischen Entscheidungen treffen könne", betonen die Zwölftklässler. Der Skandal um Boettichers Affäre mit einer 16-Jährigen stelle allerdings "die ganze Diskussion in ein völlig neues Licht".

Zum Argument, dass Heranwachsende ein politisches Bildungsdefizit hätten, schreiben die Schüler an Boetticher: "Sie verliebten sich selbst in die intelligenten und bereichernden politischen Statements einer unserer Altersgenossinnen." Deshalb fordern die Schüler von Boetticher auf, Schirmherr der Kampagne für das Wahlrecht ab 16 in Schleswig-Holstein zu werden.

Die Kampagne findet vor allem im sozialen Netzwerk Facebook statt - auch dort kennt sich Boetticher aus. Er hatte bei Facebook seine minderjährige Partnerin kennengelernt.

Boetticher reagierte auf den Brief nicht. Der Politiker sei nach wie vor krankgemeldet, sagte ein Sprecher.

Wegen der Affäre trat Boetticher Mitte des Monats als Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein zurück.

Der Politiker hatte mit der Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen zunächst Mails ausgetauscht, ab März 2010 sei es dann zu mehreren Treffen gekommen. Es habe sich um eine ernsthafte Liebesbeziehung gehandelt, hatte Boetticher beim Rücktritt gesagt. Die junge Frau, ein Mitglied der Jungen Union, sei ihm durch "sehr intelligente" Kommentare zu seinen Äußerungen auf Facebook aufgefallen. Sie sei "für ihr Alter wirklich geistig sehr reif" gewesen, er habe "auf Augenhöhe mit ihr kommunizieren" können, sagte der Politiker damals.

fab/dapd

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
Gungosh 31.08.2011
1. Gnadenschuss
Zitat von sysopDie Affäre mit einer 16-Jährigen war für ihn "schlichtweg Liebe". Doch wählen sollte man in dem Alter nicht, fand Christan von Boetticher. Schüler aus Schleswig-Holstein haben dem gestürzten CDU-Politiker nun einen giftigen Brief geschrieben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,783695,00.html
Hat ihn der politische Gnadenschuss doch noch vor der Abreise erwischt.
RIFU 31.08.2011
2. ,,,,,,,,,,,,,,,,,,
Wenn ich mich als 40-jähriger mit einer 16jährigen einlasse, dann ist das letzte was ich will emotionale Reife, sonst könnte ich sie ja nicht dominieren & ihr meinen Willen aufdrängen. Aber vielleicht ist Herr Bötticher ja auch nicht reifer als ein Teenager, dann passst das wieder. Wieso er dann aber wählen darf weiss ich auch nicht. Für das Wahlrecht braucht man sittliche Reife, für Sex reicht der Körper, da ist der Verstand zweitrangig, den kann Mann ja auch schlecht fi..en, der stört bei solchen Spielchen bloss
marifu 31.08.2011
3. Klar sind 16 Jähriige alt genug zum Wählen.....
In Deutschland ist Sex ohne Trauschein schon ab 14 Jahren erlaubt, das heisst: Der deutsche Gesetzgeber traut also jungen Menschen ab diesem Alter schon zu, alt und vernünftig genug zu sein um eine Familie zu gründen bzw. um eigene Kinder großzuziehen. Warum sollten dann 16 Jährige nicht erwachsen genug sein um Politiker zu wählen ? Schlimmer als die bisher ältere Wähler-Generation wird sie auch auch nicht machen. [ Ironie off ] Vielleicht wählen diese junge Menschen ja Politiker die dafür sorgen , dass Gesetze - wie z.B., dass dann 20-jährige Papas wegen brutalen Raubes oder Totschlag mit noch Jugendstrafe bedacht werden - endlich gändert werden.
wildthin9 31.08.2011
4. der etwas härtere Abgang...
"Sie sei "für ihr Alter wirklich geistig sehr reif" gewesen, er habe "auf Augenhöhe mit ihr kommunizieren" können, sagte der Politiker damals." Soso, auf Augenhöhe... Ich weiß zwar, daß in solchen Situationen das Blut in die Lenden schießt, daß es aber auch gleich die Augen mitreißt ist mir neu SCNR
viwaldi 31.08.2011
5. Für Doppelmoral ist man nie zu jung
Zitat von marifuIn Deutschland ist Sex ohne Trauschein schon ab 14 Jahren erlaubt, das heisst: Der deutsche Gesetzgeber traut also jungen Menschen ab diesem Alter schon zu, alt und vernünftig genug zu sein um eine Familie zu gründen bzw. um eigene Kinder großzuziehen. Warum sollten dann 16 Jährige nicht erwachsen genug sein um Politiker zu wählen ? Schlimmer als die bisher ältere Wähler-Generation wird sie auch auch nicht machen. [ Ironie off ] Vielleicht wählen diese junge Menschen ja Politiker die dafür sorgen , dass Gesetze - wie z.B., dass dann 20-jährige Papas wegen brutalen Raubes oder Totschlag mit noch Jugendstrafe bedacht werden - endlich gändert werden.
Ja, lasst doch mal ein ehrliche Diskussion zu. Wer Geschlechtsverkehr kann, kann alles. Das ist doch wohl die Botschaft des Schülerbriefes. Oder sind die der Meinung, wer wählen darf, darf noch lange keinen Geschlechtsverkehr haben? Andersrum finden sie es ja nicht gut. Die Gesellschaft sollte aber sich selbst schützen vor so dummen Vergleichen wie die im Schülerbrief geäußerten. Sex und geistige Reife gehen nicht immer Hand in Hand, auch bei Älteren nicht, wie zu beweisen war. Am Ende ist der Schülerbrief nichts anderes als Herr Boettichers auf links gedrehtes Sittenbild. Auf beides kann man wohl getrost verzichten.
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