Schützenhilfe für Mixa Bischof Lehmann warnt vor wachsendem Staatseinfluss auf Kinder

Nach dem politischen Proteststurm wegen seiner Gebärmaschinen-Schelte hat der Augsburger Bischof Mixa seine drastische Kritik an den Plänen zum Ausbau der Kinderbetreuung verteidigt. Die katholische Kirche springt Mixa zur Seite und warnt vor zu viel Staatseinfluss bei der Kindererziehung.


Berlin/Mainz - "Es wäre ein fundamentaler Fehler anzunehmen, dass Kinder nur in staatlicher Obhut optimal versorgt sind", schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in der Kirchenzeitung seines Bistums "Glaube und Leben", die am 4. März erscheinen soll. Der Mainzer Bischof verlangt in dem Artikel vehement eine Wahlfreiheit in Erziehungsfragen. Eltern, die sich für eine Erziehung der Kinder zu Hause entscheiden, müssten entsprechend unterstützt werden, "ohne dass diese Entscheidung indirekt abgewertet oder am Ende gar benachteiligt wird".

Kardinal Karl Lehmann (Archivbild): Rückendeckung für Bischof Mixa
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Kardinal Karl Lehmann (Archivbild): Rückendeckung für Bischof Mixa

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hatte die Familienpolitik der Bundesregierung als "kinderfeindlich und ideologisch verblendet" kritisiert und davon gesprochen, dass die Frau zur "Gebärmaschine" degradiert werde. Er reagierte damit auf den Vorstoß von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Zahl der Kleinkind-Betreuungsplätze bis 2013 zu verdreifachen und ein verbindliches Vorschuljahr einzuführen.

Trotz zahlreicher Proteste verteidigte Mixa heute seine drastische Kritik. Es handele sich nicht um Anschuldigungen, sondern um eine kontrapunktische Feststellung, die Anlass zum Nachdenken geben solle, sagte Mixa am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Mixa sprach sich dafür aus, Frauen, die sich für die alleinige Erziehung ihrer Kinder entschieden, mehr Erziehungsgeld und einen höheren Rentenanspruch zu gewähren. "Das wäre für meine Begriffe für die Zukunft unserer Gesellschaft humaner und menschlicher." Dies sei sein Kontrapunkt zu dem Plan, den Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorlege.

Jede noch so gute Betreuung ersetze nicht die persönliche Betreuung durch eine Mutter, sagte Mixa. Es gehe ihm darum, dass man den Müttern die Kinder nicht zu zeitig wegnehme. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten Mütter wieder ihre berufliche Tätigkeit nachgehen. Das sei jedoch ein Weg in zwei Schritten: "Ich kann nicht beides parallel tun: eine qualifizierte Kinderbetreuung und gleichzeitig eine qualifizierte Berufsausübung."

Lehmann warnt davor, "Kinder durch ein Vorschuljahr noch stärker und früher der Familie zu entziehen, ohne dass diese eventuell ein Mitspracherecht hat". In manchen Köpfen sei das Konzept einer umfassenden staatlichen Kindererziehung "ziemlich lebendig". Lehmann schreibt, "manchmal haben wir zu Unrecht vergessen, dass es noch nicht so lange her ist mit einer fatalen Dominanz des Staates in der Kindererziehung, vor allem in den marxistischen Gesellschaftssystemen, gerade auch der ehemaligen DDR".

Lehmann räumt allerdings ein: "Es ist zweifellos heute für viele Familien eine wichtige Hilfe, wenn sie für die jüngsten Kinder mit einem Krippenplatz rechnen dürften." Wenn die Kirchen "eher etwas zurückhaltend reagieren", so bedeute dies nicht, dass sie diese Ausbaupläne nicht "im Prinzip unterstützen würden". Es sei der "unermüdlich tätigen" Familienministerin gelungen, "viele bisher zögernde Politiker aller Richtungen für die "Krippenoffensive" zu gewinnen".

Auch der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner verteidigte Mixa. Meisner sagte im Kölner domradio, es sei eine "Fehlentwicklung", wenn man Kinderkrippen als permanente Einrichtung gleichsam als Alternative zur Familie ansehe. "Wir müssen klar und eindeutig sagen, dass die Familie der natürliche Raum ist, in dem sich Kinder entfalten können, so dass sie in ihrem Leben wirkliche Persönlichkeiten sind", betonte der Kardinal. Unter diesen Vorzeichen könnten die Kinder auch den Anforderungen des Lebens positiv entsprechen. Krippenplätze seien nötig "für den Ernstfall, für den Ausnahmefall".

Zuspruch erhielt der Augsburger Bischof auch von seinem Regensburger Amtsbruder Gerhard Müller. Als katholische Oberhirten würden sie sich von der Politik nicht den Mund verbieten lassen. Die Kirche sei nicht das fünfte Rad am Wagen.

Das Forum Deutscher Katholiken wies darauf hin, dass bundesweit rund 500.000 Kinder psychiatrisch betreut würden. Diese Zahl würde mit der Familienpolitik von der Leyens noch zunehmen. Mixa habe die "verhängnisvolle Politik der Familienministerin" mit deutlichen Worten angesprochen. Die Aktionsgemeinschaft katholischer Laien und Priester erklärte, Mixa habe mit deutlichen Worten die Ideologie der Politiker entlarvt, die Fremderziehung der familiären Geborgenheit vorziehen.

phw/ddp/dpa/AP

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