Schützenpräsident zum Waffenrecht "Wir kontrollieren gar nicht"

Die Politik fordert ein strengeres Waffenrecht und mehr Kontrolle der Schützenvereine. Alles Unsinn, meint der Präsident des Deutschen Schützenbundes, Josef Ambacher, im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Problematisch seien Waffen nur, wo Drogenmissbrauch und psychische Probleme dazukämen.


SPIEGEL ONLINE: Wie viele Waffen haben Sie?

Ambacher: Ich habe ein Luftgewehr, ein Kleingewehr und drei Jagdwaffen.

SPIEGEL ONLINE: Das sind fünf. Wäre das nicht eine sinnvolle rechtliche Obergrenze?

Ambacher: Nein. Wenn Sie dem Bürger misstrauen, können Sie ihm alles abnehmen. Dann gibt es keine Freiheiten mehr. Wir haben jetzt schon das schärfste Waffengesetz in Europa. Schauen Sie in die Schweiz: Da hat jeder, der im Militär war, eine Waffe und die Verpflichtung zu regelmäßigen Schießübungen.

SPIEGEL ONLINE: Sollen unsere Gesetze also wieder liberalisiert werden?

Ambacher: Nein, sie sind durchaus sinnvoll. Nur lösen sie nicht die Problematik. Gegen Einzelfälle kann man nichts unternehmen. Das ist wie auf der Straße: Auch dort gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen - und trotzdem gibt es Menschen, die sich nicht dran halten.

SPIEGEL ONLINE: Die Eltern des Amokläufers von Winnenden haben 18 Waffen im Haus. Spricht das nicht dafür, dass unsere Gesetze zu lasch sind?

Ambacher: Wieso?

SPIEGEL ONLINE: Weil man meinen könnte, 18 Waffen sind vielleicht ein bisschen viel?

Ambacher: Es kommt drauf an. Sammler haben schon mal so viele Waffen. Außerdem gibt es ja eine Menge schießsporttreibende Verbände, in denen man Mitglied sein kann. Da werden dann Luft-, Kleinkaliber und Großkaliberdisziplinen geschossen. Wenn man sich das leisten kann - und rechtlich überprüft ist - dann ist dagegen nichts einzuwenden. Die Anzahl der Waffen ist ja nicht das Problem.

SPIEGEL ONLINE: Sondern?

Ambacher: Das Problem ist, wenn Menschen gegen Aufbewahrungsregeln verstoßen und - wie im Fall von Winnenden - nicht erkennen, wenn sie einen kranken Buben haben. Das ist ein Riesenproblem, dem schwer beizukommen ist.



SPIEGEL ONLINE: Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wirft Ihnen vor, ihre Mitglieder nicht genügend zu kontrollieren. Stimmt das?

Ambacher: Wir kontrollieren gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Nein?

Ambacher: Nein, das können wir gar nicht. Wir sind doch kein Polizeivollzugsapparat. Kontrollieren müssen die Behörden. Aber bei der derzeitigen polizeilichen Ausstattung ist das natürlich nicht richtig möglich.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie könnten doch beispielsweise Schulungen anbieten.

Ambacher: Das wird pausenlos gemacht. Auch bei der Ausstellung einer Waffenbesitzkarte gelten doch strengste Maßstäbe. Da wird etwa überprüft, welchen Sport man treibt, und ob eine Waffe überhaupt notwendig ist. Nur gibt es natürlich auch Uraltbestände oder Erbstücke oder sonst wo zusammengekaufte Schießeisen, die dann in die Waffenbesitzkarte eingetragen werden. Gegen Einzelfälle kann man nichts tun. Deswegen wäre es falsch, jetzt alle unter Generalverdacht zu stellen.

SPIEGEL ONLINE: Ihrer Meinung nach gibt es also nichts, was man ändern könnte?

Ambacher: Doch. In Familien, in denen Drogenmissbrauch oder geistige Krankheiten auftreten sind Waffen natürlich problematisch. Nur hat die Polizei kaum Möglichkeiten, das abzugleichen. Ich bin der Meinung: Krankheiten und Waffenbesitz müssen abgeglichen werden, beispielsweise mit einem Zentralregister. Das wäre kostenintensiv, datenschutzrechtlich problematisch und müsste gepflegt werden. Aber mit einem solchen Register ließen sich Problemfälle schneller erkennen. Hier muss sich der Gesetzgeber etwas einfallen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Waffen in zentralen Schränken in den Schießvereinen zu lagern, ist kein Ausweg?

Ambacher: Nein. Die Vereine liegen meist außerhalb von Siedlungsgebieten. Da ist die Gefahr des Diebstahls und Einbruchs sehr groß.

SPIEGEL ONLINE: Man könnte auch die Munition im Verein lassen und nur die Waffen mit nach Hause nehmen.

Ambacher: So was kann man fordern. Sicherer wird dadurch aber gar nichts. Auf dem Schwarzmarkt kann man alles beschaffen - auch die Munition. Die registrierten Waffen sind ja nur ein Bruchteil von dem, was sich sonst im Land befindet. Sie kriegen heute alles. Sie müssen nur entsprechend bezahlen. Wer vorhat, eine Straftat zu begehen, der wird sich eine Waffe beschaffen.

SPIEGEL ONLINE: Aber die 18 Waffen der Familie des Amokläufers waren ja registriert.

Ambacher: Ja, aber da kann auch historisch sehr wertvolles dabei gewesen sein. Unbedingt nötig sind 18 Waffen aber natürlich nicht.

Das Interview führte Veit Medick



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