Krise in Griechenland Brüderle will Troika-Bericht vorziehen

Die Spekulationen um eine bevorstehende Pleite Griechenlands sorgen für Aufregung. FDP-Fraktionschef Brüderle verlangt nun möglichst schnell Klarheit über die Lage in Athen und will den Bericht der Troika beschleunigen.

Straßenszene in Athen: "Da wird die Sache nicht billiger"
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Straßenszene in Athen: "Da wird die Sache nicht billiger"


München/Berlin - Die Geduld der internationalen Kreditgeber mit den Griechen schwindet, auch in der Bundesregierung. An den Finanzmärkten herrscht zunehmend Nervosität. Die bange Frage: Ist Griechenland noch zu retten? FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle erhofft sich vom Bericht der sogenannten Troika möglichst rasch einen Lagebericht - und nicht erst wie bisher geplant im September.

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Heft 30/2012
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"Die Troika und Griechenland sollten zügig für Klarheit über den Stand der griechischen Reformanstrengungen sorgen", sagte Brüderle. "Vertrauen gewinnt man nicht mit täglichen Wasserstandsmeldungen. Das führt zu Verunsicherung bei den Menschen und an den Märkten. Es ist daher zu überlegen, den Bericht der Troika nicht erst im Herbst zu veröffentlichen."

Die Troika mit Vertretern von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) überprüft von dieser Woche an in Griechenland die Einhaltung der Reformauflagen. Ergebnisse sollen eigentlich erst im September vorliegen.

Immer neue Schreckensmeldungen aus Athen haben die Lage in den letzten Tagen jedoch eskalieren lassen. Offen wird mittlerweile über einen möglichen Stopp der Finanzhilfen an Griechenland diskutiert. In diesem Fall könnte das hochverschuldete Land bald vor der Pleite stehen und aus dem gemeinsamen Währungsraum ausscheiden. Die EU-Kommission versucht, die Spekulationen darüber zu entkräften. "Griechenland muss und wird in der Euro-Zone bleiben", sagte ein Sprecher am Montag in Brüssel.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat für den Fall eines Austritts Griechenlands aus dem Euro-Raum neue Probleme vorausgesagt. "Da wird die Sache nicht billiger", sagte er im Bayerischen Rundfunk.

Außerdem würde auch die Bundesrepublik erhebliche Probleme mit den Folgewirkungen an den Märkten bekommen. "Vor allen Dingen aber werden wir Griechenland nicht zum Dritte-Welt-Land erklären können, das uns nichts angeht", sagte Gabriel. Der SPD-Politiker plädierte dafür, Griechenland womöglich etwas mehr Zeit bei der Umsetzung der Reformen zu geben. Ob die SPD einem dritten Hilfspaket für Griechenland zustimmen würde, ließ Gabriel allerdings offen.

Die Bundesregierung erklärte, sie habe keine Informationen darüber, dass der IWF weitere Griechenland-Hilfen ablehnt. Nach Informationen des SPIEGEL hatten hochrangige IWF-Vertreter dies der Brüsseler EU-Spitze mitgeteilt. Die Regierung wartet laut Vize-Regierungssprecher Georg Streiter den Bericht der Troika ab. Auf die Frage, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) denn ein drittes Finanzpaket für Athen befürworten würde, antwortete Streiter: "Ich sage dazu nichts." Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" will Merkel dem klammen Krisenstaat keine weiteren Finanzhilfen gewähren.

Trittin warnt vor Hysterie

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warnte vor Hysterie. Zunächst einmal müssten die wirtschaftlichen Fakten in dem Mittelmeerland geklärt werden, sagte Trittin im Deutschlandfunk. Er plädierte ebenfalls dafür, die Prüfungen der Troika in Griechenland abzuwarten. Mit Blick auf Forderungen aus FDP und CSU kritisierte Trittin, es nütze "überhaupt nichts, hysterisch durch die Sommerpause zu hüpfen".

Damit spielte der Grünen-Politiker auch auf Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an, der sich am Sonntag in einem Interview "mehr als skeptisch" zu Griechenland gezeigt hatte. "Ich glaube, für viele Fachleute, für die FDP und auch für mich hat ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone längst seinen Schrecken verloren", sagte er im ARD-Sommerinterview. Zudem hatte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Wochenende erneut für ein schrittweises Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone geworben.

fdi/AFP/dapd/dpa

insgesamt 31 Beiträge
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AUXEROIS 23.07.2012
1. Salonkommunist Trittin spricht...
"..es nütze "überhaupt nichts, hysterisch durch die Sommerpause zu hüpfen". Ist ja nicht sein Geld, das verbrannt wird. "Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig." Jürgen Trittin, Bündnis90/Die Grünen (Quelle: Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 14/36, Seite: 2916 "Noch nie habe ich die deutsche Nationalhymne mitgesunden und ich werde es als Minister auch nicht tun." Jürgen Trittin, Bündnis90/Die Grünen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 02.01.2005
kdshp 23.07.2012
2. Träumer!
Zitat von sysopAPDie Spekulationen um eine bevorstehende Pleite Griechenlands sorgen für Aufregung. FDP-Fraktionschef Brüderle verlangt nun möglichst schnell Klarheit über die Lage in Athen und will den Bericht der Troika beschleunigen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845885,00.html
Hallo, was für ein TRÄUMER! Merkt der mann nicht das man in griechenland gar nicht sow ill wie die EU es gerne hätte? Griechenland hat seine 2 chance verspielt und wird aus der EU austreten müssen und DAS ist dann auch gut so ÜUNKT
LJA 23.07.2012
3. Nein, Herr Trittin.
Das ist keine Hysterie. (Mit Sicherheit ist das nebenbei gesagt etwas, was man speziell Rösler definitiv nicht vorwerfen kann.) Das ist nur ein langsam um sich greifender Realismus.
MiniDragon 23.07.2012
4. Hauptsache Bericht kommt noch vor dem 12. 9.
Zitat von sysopAPDie Spekulationen um eine bevorstehende Pleite Griechenlands sorgen für Aufregung. FDP-Fraktionschef Brüderle verlangt nun möglichst schnell Klarheit über die Lage in Athen und will den Bericht der Troika beschleunigen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845885,00.html
Auch Bundesrichter lesen können lesen.
Dr.pol.Emik 23.07.2012
5. Einen Scherbenhaufen wieder zum Gefäß machen …
… mal sehen wann unsere Politiker einsehen dass Griechenland als Zirkuspony auch in den kommenden Jahrzehnten trotz fortgesetztem Doping nicht in die Liga der Ackergäule aufsteigt. Allerdings scheint der politische Wille zu überwiegen, hier soviel Anabolika draufzukippen, bis das Zirkuspony wenigstens ein wenig nach Ackergaul aussieht. Hilfsweise gibt man den Ackergäulen nur noch die halbe Ration zu fressen, so können sich diese dann auch ein wenig den Zirkusponys angleichen. Der Sachverstand ist der Politik längst abhanden gekommen, auch auf die Gefahr hin das jetzt alles zusammenkracht weil die Herrschaften einfach nicht einsehen wollen, dass neben den Ungleichgewichten innerhalb des Euros das Geldsystem weltweit "fertig hat". QPress | Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) … wenn uns etwas umbringt, dann ist es eben jene Guthabenkrise. Alle Vermögen der kleinen Leute werden jetzt den großen vermögen in den Hals geschoben, nur ums die Zinseszinsberge zu bedienen, nur keiner will es wahrhaben. Die Kehrseite des aktuellen Wahnsinns heißt Guthabenkrise und die Politiker sind so selten blöd, dass sie diesen Mechanismus nicht durchschauen, oder aber dafür geschmiert werden bei diesem Vorgang wegzusehen. Wir brauchen auch keinen Sozialismus oder Kommunismus, es würde reichen ein Geldsystem zu entwerfen welches parallel zur realen Wertschöpfung funktioniert, dann hätten auch Länder wie Griechenland eine faire Chance, so allerdings nicht. So fahren wir alles nachhaltig in Grund und Boden. Brüderle nebst kompletten Bundestag mal auf Lehrgang in Sachen Geldsystem schicken, das könnte helfen.
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