Schulpolitik Seehofer geht auf Distanz zu Merkel

In der Union droht Zwist in der Bildungspolitik: Die CSU-Spitze um Horst Seehofer will die Hauptschule stärken und konterkariert damit die Linie der Schwesterpartei - die CDU sieht in der Hauptschule ein Auslaufmodell und will sie abschaffen.

CSU-Chef Horst Seehofer: Bekenntnis zur Hauptschule
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CSU-Chef Horst Seehofer: Bekenntnis zur Hauptschule

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Berlin - Die CSU geht auch in der Schulpolitik auf Konfrontationskurs zur CDU. In einem Antrag für den Parteitag im Oktober, den der CSU-Vorstand an diesem Montag beschließen soll, spricht sich die Partei für die Stärkung der Hauptschule aus. "Es kann nicht der richtige Weg sein, auf die Vielfalt der Talente mit einer Beschränkung des Bildungsangebots zu reagieren. Deshalb bekennt sich die CSU zur Hauptschule, die wir zur Mittelschule fortentwickeln", heißt es in dem Antrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

"Die Berufsorientierung der Hauptschule ist für eine moderne Gesellschaft unverzichtbar. Unser Land ist in Zukunft mehr denn je auf Fachkräfte angewiesen. In unseren Haupt- und Mittelschulen werden sie ausgebildet. Über ein Viertel der bayerischen Schülerinnen und Schüler erwerben dort einen Abschluss. In Mittelstand und Industrie sind sie begehrt wie noch nie", so das CSU-Papier weiter.

Seehofer reagiert damit auf die Bestrebungen in der Schwesterpartei CDU, die Hauptschule abzuschaffen. Diese sind Teil eines umfassenden bildungspolitischen Konzepts, das Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Diskussion mit der Partei entwickelt hat und das beim CDU-Parteitag im November beschlossen werden soll. Widerstand dagegen gibt es vor allem bei der CDU in Baden-Württemberg aber auch in Hessen.

Ebenfalls Thema im CSU-Vorstand ist die Einführung einer PKW-Maut. Wie erwartet spricht sich die CSU in ihrem Antrag für eine Vignette aus. Mehreinnahmen sollten "zweckgebunden für Projekte des Bundesstraßenbaus und des Bundesautobahnbaus" verwendet werden. Deutsche Autofahrer sollten an anderer Stelle entlastet werden. "Zur Fairness gehört es auch, dass deutsche Autofahrer, die sich bereits mit ihren Steuern an der Finanzierung unseres Verkehrsnetzes beteiligen, an anderer Stelle eine Kompensation erfahren", so das CSU-Papier. Den geplanten Preis einer Vignette oder sonstige Berechnungen enthält das Papier nicht - Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat sich bislang zurückhaltend zur PKW-Maut geäußert.



insgesamt 9 Beiträge
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platin56 12.09.2011
1. Bayer. (CSU !) Schulpolitik
Bitte Herr Seehofer machen Sie so weiter. Wir brauchen in Bayern auch zukünftig noch viele Hauptschüler (am besten ohne Abschluß) für die Fließbänder bei BMW, Audi, etc. Sie sind der Reißer für Bayern und die CSU, bravo.
felisconcolor 12.09.2011
2. Wer dafür ist
das Haupt- und Realschüler in einem Topf geworfen werden sollen, sollte sich mal mit dem Gedanken vertraut machen wieviele Schüler dann keinen Ausbildungsplatz bekommen. Weil alle Firmen sagen "Ach sie kommen von der "Oberschule" tut mir leid den Ausbildungsplatz haben wir gerade vergeben." Wer etwas für die Bildung in D-Land tun will, schafft keinen Einheitsbrei mit noch mehr Schülern die sich dem niedrigen Niveau der "Oberschule" verweigern. Sondern schafft Anreize sein Potential auch richtig auszuschöpfen. UND sorgt dafür das an Hauptschulen wieder Unterricht stattfindet und das ganze nicht zu einem verlängerten Kindergartenaufenthalt verkommt. Das gehören dann allerdings auch mal wieder Lehrer hin die einen Ar.... in der Hose haben.
frank4979 12.09.2011
3. .......
Welches Unternehmen stellt heute noch Azubis mit Hauptschulabschluss ein. Das einzige welches ich kenne ist die "Seehofer" AG, Hauptgesellschafter CSU. Zum Thema PKW-Maut: An sich nicht schlecht, nur von der CSU wird zu erwarten sein, das sie als Entlastung fuer die deutschen PKW-Fahrer, eine kostenlose Hotline einrichten wird, die vor gefaehrlichen Schlagloechern in den Strassen warnt. Somit spart der deutsche Autofahrer erheblich an Reparaturkoten und hat somit eine merkliche "Entlastung". Seehofer vor, noch ein Eigentor.
Piri 12.09.2011
4. xxx
Zitat von sysopIn der Union droht Zwist in der Bildungspolitik: Die CSU-Spitze um Horst Seehofer will die Hauptschule stärken*und konterkariert damit die Linie der Schwesterpartei - die CDU sieht in der Hauptschule ein Auslaufmodell und will sie abschaffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,785723,00.html
Wieder ein Grund mehr, nach Bayern zu ziehen;-) Im übrigen steht da "stärken" und nicht "weiter bzw. nach dem Berliner NRW-Modell Modell gezielt versiffen lassen". Na ja, spätestens wenn die ersten Gemeinschaftschul- (also im Klartext: Einheits-)Abgänger ins richtige Leben entlassen worden sind, wird man ohnehin begreifen, was das bedeutet.
wibo2 12.09.2011
5. Seehofer soll besser auf Distanz zu Frau Schavan gehen
Schavan steht für eine von oben an den Betroffenen vorbei verordnete Bildungspolitik.Was Frau Schavan wohl am besten kann: unausgereifte Reformen ohne Rücksicht auf Schülerinnen und Schüler, Eltern und Schulverwaltungen durchzupeitschen. Die Chancengleichheit in der Bildung hat Frau Schavan mit der mangelhaften Umsetzung der Bologna Reformen abgeschafft. Forschungspolitisch ist und bleibt sie ein Risiko. Als Forschungsminister(in) kann sich Deutschland die Frau Schavan nicht leisten - in einer globalisierten Welt mit einem ständig wachsenden Wettbewerb und Innovationsdruck. Schavan macht weiter teure Schaufensterpolitik, die nichts bringt. Mit den Master+Bachelor Ingenieuren werden letztlich nur zweitklassig ausgebildete und motivierte Kräfte erzeugt. Windräder und Solartechnik, das wird nichts, Fernost wird das leicht übernehmen können.
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