Schwangere in Not 570 vertrauliche Geburten seit 2014

Seit fünf Jahren ist die vertrauliche Geburt in Deutschland gesetzlich geregelt. Mehr als 2200 Frauen ließen sich in dieser Zeit beraten. Die Zahl der anonym abgegebenen Kinder stieg dennoch leicht an.

Der Fuß eines Babys, aufgenommen in der Kinderklinik an der Universität Greifswald
Stefan Sauer/DPA

Der Fuß eines Babys, aufgenommen in der Kinderklinik an der Universität Greifswald

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Im Mai 2014 trat das Schwangerenhilfegesetz in Kraft: Für Schwangere in Not sollte eine Beratungsmöglichkeit geschaffen werden, um zu verhindern, dass Frauen ihre Kinder unter schwierigen, womöglich lebensbedrohlichen Bedingungen allein und heimlich zur Welt bringen. Auch dass Mütter ihre Kinder aussetzen oder in eine Babyklappe geben, sollte die sogenannte vertrauliche Geburt überflüssig machen.

Was hat das Gesetz gebracht? Seit Inkrafttreten gab es in Deutschland 570 vertrauliche Geburten und über 2200 Beratungsgespräche. Das geht aus einer Analyse im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Von den beratenen Frauen entschieden sich demnach knapp ein Viertel zu einem Leben mit dem Kind, etwas mehr als ein Fünftel zu einer vertraulichen Geburt, 13,7 Prozent gaben ihr Kind zu einer regulären Adoption frei. Fast 12 Prozent der Frauen entschieden sich für einen Schwangerschaftsabbruch.

Rasanter Anstieg der anonymen Kindsabgaben konnte gestoppt werden

Die Analyse zeigt, dass der rasante Anstieg bei den anonymen Kindsabgaben gebremst werden konnte. Die Zahl wächst aber immer noch weiter leicht an. Im Jahr 2015 wurden 157 Kinder anonym abgegeben, im Jahr 2016 waren es 151 Kinder. Zuvor war die Zahl in den Jahren von 2003 bis 2013 von 46 auf 147 stark angewachsen. Hätte sich dieser Trend fortgesetzt, wären für die Folgejahre deutlich mehr anonyme Kindsabgaben zu erwarten gewesen, heißt es in dem Papier.

Dass etwa 20 Prozent der beratenen Frauen sich für eine vertrauliche (und damit medizinisch begleitete und rechtssichere) Geburt, und etwa 60 Prozent sich entweder für ein Leben mit dem Kind oder die Freigabe zur regulären Adoption entschieden, bewertet das Bundesfamilienministerium als positiv.

"Das Gesetz wirkt"

"Das Hilfetelefon 'Schwangere in Not' und die Beratungsangebote werden angenommen, das Gesetz wirkt", sagt Familienministerin Franziska Giffey (SPD). "Dieser große Erfolg ist Ergebnis harter Arbeit, darum möchte ich allen danken, die in der täglichen Beratung den Schwangeren Hilfe und Halt geben und damit Auswege und Perspektiven aufzeigen." Am Dienstag findet eine Jubiläumsfeier mit Experten und der Ministerin zu dem Thema statt.

Bei der vertraulichen Geburt werden die Daten der Mutter einmal von der Beratungsstelle aufgenommen und versiegelt. Das Kind wird zunächst in die Obhut des Jugendamts gegeben, über seine Unterbringung entscheidet ein Vormund. Wenn das Kind das 16. Lebensjahr erreicht hat, hat es das Recht, seine Herkunft und damit den Namen der Mutter zu erfahren - außer die Mutter kann triftige Gründe vorweisen, warum ihre Identität geheim bleiben muss.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
mirage122 13.05.2019
1. Verwunderlich
In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?
hexenbesen.65 13.05.2019
2.
Naja, wenn die Dschandalle dem Kevin nur "muh" machen tut...kann schon der Klapperstorch zubeisen.. Wie sonst soll die denn Schwanger werden ? Oder aber auch: Kind war gwollt, der alte hat kalte Füße bekommen, lässt die Frau im Stich...sie in der Ausbildung ? Was soll se machen ? Aber lieber so, als wenn das Kind im Wald abgelegt wird.
jugife 13.05.2019
3.
@mirage122 Wenn die biologische Mutter einschätzt, dass der Kontakt zu dem Kind sie gefährdet, oder dem Kind schaden könnte, vielleicht weil ihre Lebensumstände kompliziert sind, dann darf man das doch kaum ein "Armutszeugnis" nennen. Auch für eine Mutter, die ihr Kind anderen überlässt, damit es eine bessere Zukunft hat, gibt es wahrscheinlich nichts wichtigeres als das Kind. Wir sollten aufhören, Menschen in schwierigen Situationen noch so runterzureden. Diese Frauen treffen eine schwere Entscheidung, und sie wählen die Option, die für das Kind sicher ist - genau dafür gibt es ja die vertrauliche Geburt.
Hofa05 13.05.2019
4.
Zitat von mirage122In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?
Zum Thema Verhütungsmittel und sexuelle Aufklärung gebe ich Ihnen Recht! Da muss auf jeden Fall noch einiges an Arbeit geleistet werden, um unnötige Schwangerschaften und Geburten zu verhindern. Allerdings kann ich es je nach Situation der Mutter verstehen, wenn sie das Kind abgibt und auch, wenn sie nach 16 Jahen nichts vom Kinde wissen will. Das ist dann ihre ganz persönliche Entscheidung. Und genau dafür sind diese vertraulichen Geburten ja gedacht. Und um Ihre Fragen zu beantworten "was ist denn wichtiger als ein Kind": Das ist ebenfalls eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Es ist einfach zu akzeptieren, wenn sich Menschen ganz bewusst dazu entscheiden, keine Kinder bekommen zu wollen. Und zu diesen Menschen gehöre ich auch, weil ich mich und mein Leben wichtiger finde, als ein Kind in die Welt zu setzen. Aber wie gesagt, das muss jeder für sich entscheiden dürfen, ohne deshalb beschimpft zu werden.
cobaea 13.05.2019
5.
Zitat von mirage122In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?
Was wichtiger ist als ein Kind? Vielleicht das Leben des Kindes und das der Mutter? Vielleicht das Verantwortungsbewusstsein der Mutter, die weiss, dass das Kind bei ihr ein miserables Leben hätte, weil sie selbst ein solches hat? Oder die von der Situation völlig überfordert ist? Oder weil die beste Kenntnis von Verhütungsmethoden z.B. im Falle einer Vergewaltigung nichts nützt, und die Frau eine spätere erneute Konfrontation mit dem damals Geschehenen einfach nicht verkraften würde (und dem Kind auch nicht damit geholfen würde, davon zu erfahren)? Es gibt Situationen, in denen den Kindern besser gedient ist, wenn sie ihre leibliche Mutter nicht zu kennen. Und es gibt Situationen, in denen es sich die Mütter nicht erlauben können, die Existenz eines ausserehelichen/nicht-ehelichen Kindes einzugestehen. Man sollte solche Mütter nicht mit Urteilen wie "Armutszeugnis" zuschütten, wenn man nicht weiss, warum sie eine solche Entscheidung treffen.
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