Schwangere Ministerin Schröder Kinder, Küche, Kabinett

Mit 33 Jahren ist Familienministerin Kristina Schröder (CDU) die jüngste Ministerin im Kabinett Merkel. Jetzt ist sie schwanger - und steht mit ihrem Mann vor dem gleichen Problem, das sie als Politikerin zu lösen versucht: Sie muss Kind und Beruf unter einen Hut bringen. Kann sie das?

REUTERS

Von Oliver Sallet und Andreas Niesmann


So heiter wie an diesem Mittwoch geht es bei einer Sitzung des Bundeskabinetts selten zu. Kristina Schröder (CDU) kann sich vor Umarmungen und Glückwünschen ihrer Kabinettskollegen kaum retten. Kurz zuvor hatte sie bekannt gegeben, dass sie im Juli ihr erstes Baby erwartet. Damit ist sie die erste deutsche Ministerin, die während ihrer Amtszeit schwanger ist.

Seit ein paar Wochen hatten ihre Parteifreunde schon getuschelt und gerätselt, wann bei der Familienministerin und ihrem Ehemann Ole Schröder (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, wohl das erste Kind zu erwarten ist. In der Regierung geht es in Sachen Klatsch und Tratsch eben genauso zu wie in jeder x-beliebigen anderen Firma. Jetzt haben die lieben Kollegen Gewissheit.

Was zu Zeiten der schwarzen Patriarchen Adenauer oder Kohl undenkbar gewesen wäre, ist heute eben kein wirkliches Problem mehr. Eine Ministerin wird Mutter - und alle finden es gut.

Offiziell zumindest.

Mit dem Kind wartet jetzt auf die Ministerin und ihren Mann eine große Herausforderung auch in der Karriere: Beide haben Berufe in Spitzenpositionen - mit Reisen und Abendterminen. Werden sie Familie und Ämter als Spitzenpolitiker verbinden können?

Vieles spricht dafür, dass das Hin und Her zwischen Kindern, Küche und Kabinett für die Schröders kein allzu großes Problem sein wird: Frau Schröder mag zwar manchmal noch sehr jung erscheinen, doch sie gilt im politischen Betrieb als zäh und belastbar. Herr Schröder wiederum hat als Parlamentarischer Staatssekretär ein Amt inne, das geradezu wie geschaffen ist für die Rolle des treusorgenden Vaters: Im Ministerium haben die Parlamentarischen in der Regel wenig zu sagen, die wirkliche Arbeit machen die Minister und beamteten Staatssekretäre. Da bleibt im Terminkalender durchaus Luft, um mal eben im Dienstwagen Sohnemann oder Töchterchen von der Kita abzuholen. Zur Not muss eben die Nanny ran.

14 Wochen bleibt sie mindestens Daheim

"Wir werden dann vor der gleichen Herausforderung stehen, wie andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir das auch mit der Unterstützung unserer Familien hinbekommen", sagte Schröder am Mittwoch der "Bild"-Zeitung.

Ob Schröder in Elternzeit geht, wollte das Familienministerium am Mittwoch nicht beantworten. Auf jeden Fall wird sie die gesetzliche Mutterschutzzeit von 14 Wochen zu Hause bleiben. "Aus gesundheitlichen Gründen ist das für Mutter und Kind erforderlich", sagte eine Sprecherin. Die Ministerin werde ihr Amt aber in dieser Zeit nicht ruhen lassen und notwendige Entscheidungen persönlich treffen.

Ganz ohne politisches Risiko ist das Projekt Mutter für die Ministerin dennoch nicht. In der Union gibt Mann sich zwar gerne aufgeklärt - doch in der eigenen Familie und hinter vorgehaltener Hand pflegt so mancher christdemokratische Abgeordnete noch immer das alte Gesellschaftsbild aus Adenauers Zeiten. Will heißen: Papa holt das Geld ran, Mama bleibt daheim beim Nachwuchs. In diesen Kreisen dürfte das Modell Schröder schon bald so manchen kritischen Kommentar provozieren.

"Frau Schröder steckt jetzt in einem gewissen Dilemma", sagt Karriereberater Martin Wehrle, der sich mit der Karriereplanung von Müttern in Spitzenpositionen beschäftigt. "In der Politik wird oft gelästert, da kann sich schnell der Ruf der 'Halbtagsministerin' breit machen."

Vorbild Silvana Koch-Mehrin

Dass Politikerinnen in der Schwangerschaft oder mit sehr kleinen Kindern Karriere durchaus machen können, haben bereits mehrere Kolleginnen von Schröder bewiesen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles brachte gerade eine Tochter zur Welt. Silvana Koch-Mehrin führte 2004 die FDP als Spitzenkandidatin zurück ins Europaparlament, obwohl sie bereits Mutter einer kleinen Tochter war. Als im März 2005 die Geburt ihrer zweiten Tochter kurz bevorstand, ließ sich Koch-Mehrin mit nacktem Baby-Bauch für den "Stern" fotografieren.

"Ich wollte damit eine Debatte anstoßen, weil zwei Vorwürfe mit voller Wucht auf mich eingeprasselt sind", sagte Koch-Mehrin SPIEGEL ONLINE. Die eine Seite habe ihr vorgeworfen, sie sei eine schlechte Mutter, die ihr Kind wegorganisieren wolle. Die andere Seite habe kritisiert, sie stehle sich aus dem Amt davon. "Darauf musste ich eine offensive Antwort geben."

Koch-Mehrin wundert es nicht, dass auch Kristina Schröders Schwangerschaft Wellen schlägt. "Sie ist die zuständige Ressort-Ministerin und wird gar nicht umhin kommen, ständig mit Fragen zu diesem Thema konfrontiert zu werden."

Im europäischen Ausland haben bereits mehrere Politikerinnen vorgemacht, dass sich Kind und Kabinett nicht ausschließen.

Mit dem Baby-Bauch nach Afghanistan

Aufsehen erregte 2008 die Schwangerschaft der damaligen französischen Justizministerin Rachida Dati. Vor allem die ungeklärte Vaterfrage führte europaweit zu Diskussionen. Selbst der ehemalige spanische Ministerpräsident José María Aznar wurde zeitweise als Vater gehandelt - und dementierte. Dati selbst äußerte sich zu der Frage nicht und saß nur fünf Tage nach der Kaiserschnittentbindung wieder am Schreibtisch - bis Präsident Sarkozy sie wegen einiger politischer faux pas im Sommer 2009 ins EU-Parlament abschob.

Wie man Schwangerschaft, Kind und Karriere in Einklang bringen kann, zeigte eindrucksvoll die Spanierin Carme Chacón. Sie war bereist im siebten Monat schwanger, als sie 2008 zur Verteidigungsministerin ernannt wurde. Trotzdem besuchte sie spanische Soldaten in Afghanistan und im Libanon - die Fotos, wie sie mit Babybauch die Truppen abschritt, gingen um die Welt.

Für Kristina Schröder bringt die Schwangerschaft auch politische Vorteile mit sich. Einige Stimmen kritisierten nach ihrer Ernennung zur Ministerin im November 2009, dass sie selbst weder Kinder noch Familie hatte. Deshalb solle sie ihre Schwangerschaft auch als Chance verstehen, meint Karriereberater Wehrle. "Das Kind verleiht ihr mehr Glaubwürdigkeit in ihrer Rolle als Familienministerin."

insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
Gebetsmühle 19.01.2011
1. was für ne frage
Zitat von sysopMit 33 Jahren ist Familienministerin Kristina Schröder (CDU) die jüngste Ministerin im Kabinett Merkel. Jetzt ist sie schwanger - und steht mit ihrem Mann vor dem gleichen Problem, das sie als Politikerin zu lösen versucht: Sie muss Kind und Beruf unter einen Hut bringen. Kann sie das? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740332,00.html
natürlich kann die des. bei einem monatseinkommen von 15000 euro davon 3/4 steuerfrei kann des jeder.
Subtuppel 19.01.2011
2. re
eine Antwort ist eigentlich überfüssig, ob mit oder ohne Kinde -> die Dame kann nix. Ansonsten finde ich die Aufregung darüber dass eine berüfstätige(!) Frau(!!) ein Kind(!!!) bekommen wird, reichlich übertrieben.
runawaygirl 19.01.2011
3. Frage an den Verfasser
Im Artikel heißt es, daß Frau Schröder bislang "weder Kinder noch Familie" hatte. Man zeige mir bitte den Unterschied!
Gebetsmühle 19.01.2011
4. eben
Zitat von Subtuppeleine Antwort ist eigentlich überfüssig, ob mit oder ohne Kinde -> die Dame kann nix. Ansonsten finde ich die Aufregung darüber dass eine berüfstätige(!) Frau(!!) ein Kind(!!!) bekommen wird, reichlich übertrieben.
meine frau hat während ihrer schweren berufstätigkeit dero 4 kinder bekommen und alle sind was gworden. und jetz is es schon ein thema wenn eine überversorgte polittante die absolut nix kann, ein balg in die welt setzt. des gilt auch für die nahles. was soll die diskkussion?
kjartan75 19.01.2011
5.
Ach, sie packt das schon. So viel kam ja noch nicht...und ehrlich, Schäuble war bisher öfter ausgefallen und hat doch ein weitaus wichtigeres Ressort. Wollen ja nicht mal so tun, als würden die Minister wirklich die wichtigsten Leute im Ministerium sein. Das sind andere.
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