Schwarz-gelbe Krise Forsa gibt CSU und FDP Schuld am Umfragetief

Die schwarz-gelbe Koalition hat in Umfragen ihre Mehrheit verloren. Schuld an den miesen Werten sei hauptsächlich die CSU, die mit ihrem "Klamauk" keine Wähler binden könne, sagt Forsa-Chef Güllner. Und die Liberalen seien "ernsthaft gefährdet".

Parteichefs Westerwelle, Merkel, Seehofer: FDP und CSU sieht Forsa als Problem der Kanzlerin
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Parteichefs Westerwelle, Merkel, Seehofer: FDP und CSU sieht Forsa als Problem der Kanzlerin


Berlin/Passau - Der "Klamauk" der CSU drückt nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner die Umfragewerte der schwarz-gelben Koalition. "Das ist tödlich. Mit Riesenzirkus in Berlin gewinnt man verlorengegangenes Vertrauen in Bayern nicht zurück", sagte der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts der "Passauer Neuen Presse".

Forsa hatte die Union bei seiner jüngsten Umfrage unter der 30-Prozent-Marke gesehen. Die "beiden kleinen Partner" seien das Problem von Kanzlerin Merkel, sagte Güllner. Die Liberalen, die laut der Befragung bei fünf Prozent liegen, seien "ernsthaft gefährdet".

Das Problem der CDU sei, "dass sie die Wähler nicht zurückgewinnt, die sie bei der Bundestagswahl an die FDP verloren hatte", sagte Güllner. Sie könne die Mittelständler nicht halten. "Die wenden sich jetzt zwar enttäuscht von den Liberalen ab, kehren aber nicht zur CDU zurück. Das ist das eigentlich Dramatische für die CDU. Sie hat nicht mehr die Bindekraft, um die aus dem eigenen Fleisch stammenden Mittelständler zu halten", sagte der Forsa-Chef.

"Zur Ehrenrettung von Angela Merkel muss man sagen: Der große Einbruch fand bereits unter Helmut Kohl statt." Unter Kohls Kanzlerschaft habe die CDU ein Drittel der Wählersubstanz verloren. "Bei seiner ersten Wahl 1983 haben 43 von 100 Wahlberechtigten Union gewählt. Nach 16 Jahren waren es noch 28 Prozent."

Eine Renaissance der Volksparteien hält Güllner durchaus für möglich. Den Grünen nachzulaufen, sei kein Erfolgsrezept für CDU und SPD. "Das eigentliche grüne Milieu nimmt nicht zu, die Partei sammelt derzeit nur viele Ex-SPD-Wähler ein."

Sigmar Gabriel agiere als SPD-Chef recht geschickt. "Es war richtig, die Gauck-Kandidatur zu nutzen, um sich von der Linkspartei abzugrenzen." Doch werde Gabriel mit dem Thema Atomenergie "nicht mobilisieren können".

Der Unionsnachwuchs sieht eine Mitschuld der FDP an den schlechten Umfragewerten von CDU und CSU. Marco Wanderwitz, Chef der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion, kritisierte, dass Abmachungen wie die Rentengarantie wieder in Frage gestellt würden. "Was man einmal vereinbart hat, das muss dann gelten", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte gefordert, die Rentengarantie wieder abzuschaffen. Wanderwitz kritisierte auch Attacken aus der CSU gegen die FDP. Dies sei nicht hilfreich gewesen. Das Hauptproblem des Umfragetiefs der Union sei aber die mangelnde Erklärung von Erfolgen.

als/dpa



insgesamt 4563 Beiträge
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reikur 10.07.2010
1.
Zitat von sysopDie Kanzlerin steht in der Kritik, die Regierung kommt aus den schlechten Schlagzeilen nicht heraus - was muss sich ändern bei Schwarz-Gelb?
Zurücktreten, Neuwahlen
Brand-Redner 10.07.2010
2. Dekadenz
Zitat von sysopDie Kanzlerin steht in der Kritik, die Regierung kommt aus den schlechten Schlagzeilen nicht heraus - was muss sich ändern bei Schwarz-Gelb?
Wenn schon nicht das Land, dann sollte Merkel wenigstens die eigene Partei vor weiterem Schaden bewahren. Dazu ist es allerdings unvermeidlich, nun endlich den spätrömisch Dekadenten den Stuhl vor die Tür zu setzen. Gelingt dies nicht, kann man Merkel & Co. nur noch eines empfehlen: Abtreten und Neuwahlen ausrufen!
BeckerC1972, 10.07.2010
3.
Ich würde ihr einen zügigen Rücktritt nahelegen - zusammen mit den ganzen anderen "Nach der Wahl ist alles anders"-Lügnern. Jaja, Politiker haben immer nur gelogen. Weiß ich auch. Ist aber kein Pro-Argument. Wenn plötzlich die Gestaltungsräume der Politik vollkommen erschöpft sind und man sich eh nur "Sachzwängen" unterwerfen muss, ist der Gedanke der Kompetenzsteuerung eh hinfällig. Bestes Beispiel dürfte wohl der Gigantenwurf "Gesundheitsreform" sein. Welch' eine Leistung. Im Moment ist es wirklich ein Trauerspiel in Berlin. Und überall sonst auch. Die mentale Verjüngung steht aus - und der Wille, auch mal neue Wege zu beschreiten. Immerhin bedeuten neue Wege auch das Abschneiden alter Zöpfe - und das will ja niemand wirklich.
beobachter1960 10.07.2010
4. Schröder 2.0
Bei der CDU vollzieht sich eine ähnliche Entwicklung wie damals in der SPD. Die Mitglieder und das Programm sind nur Makulatur, dienen der Außendarstellung, haben aber keine Funktion mehr. Regiert und Gestaltet wird per Erlaß und auf Einflüsterung von Beratern. Und diese kommen aus "der Wirtschaft" und der Lobby. Selbstverständlich ist dann auch alles "Alternativlos", man sucht ja auch eine Alternativen mehr. Es würde mich nicht wundern wenn jemand wie Koch demnächst mit Merz zusammen eine Partei gründet der dann der rechte Flügel der CDU zufließt.
D0nJuAn 10.07.2010
5. lächerlich
Wenn ich diesen Arroganten Söder noch einmal im Fernsehen sehe werf ich nen Bierkrug auf ihn. Dieses ewig intrigante zerstörerische von dieser Person ist einfach nur wiederlich. Das sagt schon alles über die Bayrische CSU aus.Wie kann man denn jeden Ansatz der eigenen Partei ständig auf dem Alter der Landespolitik und des eigenen Egos opfern. Wie Machtgeil und Egozentrisch muss ein Mensch sein, dass er sich bei jeder Gelegenheit zu Wort meldet. Die sollten sich lieber darum kümmern, dass der Rößler mit sienen Reformen weitermacht schließlich ist er noch ein paarJährchen im Amt und allein gestern habe ich 3 Interviews gelesen wo er gesagt hat, dass das ganze nur ein 1. Schritt ist um das ganze bis 2011 zu stabilisieren damit sie sich an die Struktur machen könne. Er wisse selber, dass es dabei nicht bleiben kann. Jetzt wird dieser Mann wieder von emporlingen der eigenen Partei versucht zu stürzen. Dieses Kasperletheater ist lächerlich.
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