Schwarz-grüner Parteiwechsler Ungestümer Metzger schockiert die CDU-Basis

Der Ex-Grüne Oswald Metzger will zur CDU in Biberach - nur die dortigen Parteigrößen hatte er vorher nicht eingeweiht. Sie erfuhren erst durch Journalisten von ihrem Möchtegern-Neuzugang. Und schüren jetzt Zweifel daran, dass der Promi bei ihnen wirklich Karrierechancen hat.

Berlin - Oswald Metzger ist für seinen unkonventionellen Politikstil berühmt. Als er noch bei den Grünen war, bewunderten ihn manche dafür, noch mehr aber litten darunter. Am Dienstagvormittag verkündete er nun seinen geplanten Wechsel zur Südwest-CDU.

Ohne sich jedoch mit der örtlichen Partei beraten zu haben.

Der forsche Stil des Ex-Grünen verstört nun die Lokalgrößen der CDU. Der Biberacher Kreisvorsitzende Josef Rief, an den er seinen Aufnahmeantrag geschrieben hatte, erfuhr am Dienstagvormittag zunächst von Journalisten, was da auf ihn und seine Basis zukommt. "Ich habe in Telefonaten der örtlichen Presse von Herrn Metzgers Entscheidung gehört. Weil die Post später kommt, hatte ich seinen Brief erst danach im Postkasten gefunden", sagt der Christdemokrat am Dienstag SPIEGEL ONLINE.

Beim CDU-Kreisvorsitzenden klingelte heute fast ununterbrochen das Telefon. So viel bundesweite Aufmerksamkeit hat sein Kreisverband noch nicht gehabt. "Sie müssen verstehen, das ist eine sehr ungewöhnliche Situation für uns." Und so ist Rief im Verlaufe des Tages auch vorsichtiger geworden, was den Ausblick über die Chancen des Noch-Nicht-Mitglieds Metzger in seiner örtlichen CDU angeht. "Ich bin mit Prognosen sehr vorsichtig", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Man werde seine Bitte um Aufnahme im Kreisvorstand der CDU besprechen. Der tagt am 23. April.

"Wir werden seinen Antrag auf die Tagesordnung nehmen", antwortet Rief ausweichend auf die Frage, ob Metzger dann schon mit einem positiven Bescheid über seine Aufnahme rechnen kann. "Ungewöhnlich" sei es auf jeden Fall, dass er mit niemandem in der lokalen CDU zuvor über seinen Schritt gesprochen habe. Der CDU-Politiker sagt aber auch: "Grundsätzlich ist mir ein Eintrittsgesuch natürlich lieber als ein Austritt."

Metzgers Entscheidung, der CDU beizutreten, wird zwar von Bundespolitikern begrüßt - von Teilen der Biberacher Basis hingegen wohl weniger.

So jubelte der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, das sich zu unseren Werten bekennt." Und der Justitiar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hermann Gröhe, sagte SPIEGEL ONLINE: "Ich kann nur sagen: Herzlich willkommen! Herr Metzger ist sicher ein moderner Marktwirtschaftler, der uns gut tut." Gröhe, der schon Mitte der neunziger Jahre in Bonn einen Gesprächskreis von jungen CDU- und Grünen-Politikern mitgründete und seit kurzem einen ähnlichen Kreis in Berlin wiederbelebte, kennt Metzger seit den Zeiten am Rhein gut. "Er ist einer, der unkonventionelle Gedanken mit Prinzipientreue verbindet. Ich freue mich, mit ihm künftig in meiner Partei zusammenarbeiten zu können", so Gröhe weiter.

Andere sind da zurückhaltender. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer sagte der "Schwäbischen Zeitung" gar: "Metzger ist bei uns nicht willkommen!" Der bisherige Direktkandidat des örtlichen Wahlkreises geht sogar davon aus, dass der Biberacher CDU-Kreisvorstand Metzgers Aufnahmeantrag ablehnen werde. Dann müsse die Mitgliederversammlung entscheiden - in der aber eine Zustimmung nicht sicher sei. "Oswald Metzger war schon bei der SPD und bei den Grünen, er will sich nur selbst darstellen", kritisiert Romer. Erst recht für unwahrscheinlich hält er eine Nominierung Metzgers zum CDU-Bundestagskandidaten.

Romer allerdings scheidet Ende der Legislaturperiode 2009 aus dem Bundestag aus. "Herr Romer hört auf", bestätigte SPIEGEL ONLINE auch der CDU-Kreisvorsitzende Rief.

Somit hätte Metzger - theoretisch - die Möglichkeit, diesen zu beerben. Die Nominierung für den Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2009 findet am 1. Juli auf einer örtlichen Wahlkreisversammlung statt. Sollte Metzger zuvor in der Biberacher CDU aufgenommen werden, könnte die Zusammenkunft mit der Basis für den Ex-Grünen eine echte Herausforderung werden. "In einem solchen Fall kann er sich natürlich zur Wahl stellen", sagt Kreisvorsitzender Rief. Doch gebe es neben einem Ortsvorsitzenden noch weitere mögliche Kandidaten.

Metzger ist die Herausforderung ohnehin klar: Schon am Vormittag hatte er auf seiner Pressekonferenz in Biberach erklärt, er habe mit niemanden in der CDU gesprochen und müsse sich seine Position nun erst erkämpfen.

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