Schweinemast-Skandal Behörden schließen Tierklinik

Der Klinikchef sitzt schon in Haft, weil er illegal Medikamente an Schweinemast-Betriebe verkauft haben soll. Nun haben die Behörden seine ganze Tierarztpraxis im niederbayerischen Straubing geschlossen.


Wie viel Arznei ist in Schweinen?
AP

Wie viel Arznei ist in Schweinen?

Straubing - Dies sei eine Folge des vorläufigen Entzugs der Approbation des Klinikchefs, erklärte eine Sprecherin der Bezirksregierung von Niederbayern am Freitag. Grund der Entscheidung sei die Unzuverlässigkeit des Klinikleiters bei der Ausübung des tierärztlichen Berufes. Auch die zehn in der Klinik angestellten Tierärzte dürfen in den Praxisräumen nicht mehr arbeiten.

Der Klinikchef selbst sitzt wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr im Gefängnis. Der Veterinär soll im großen Stil in Deutschland und Österreich illegal Medikamente an Schweinemast-Betriebe verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt mit einer 19-köpfigen Sonderkommission des Bayerischen Landeskriminalamtes gegen mehr als ein dutzend Veterinäre aus mindestens fünf Praxen in Ober- und Niederbayern sowie in Mittelfranken.

Unterdessen wurden am Freitag weitere Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz aus Thüringen bekannt. Die Verstöße waren bei Kontrollen von 74 Schweinemastbetrieben entdeckt worden. In drei Fällen wurden Ordnungswidrigkeitsstrafen verhängt, teilte das thüringische Gesundheitsministerium mit.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, verurteilte die illegale Anwendung von Tierarzneimitteln zur Leistungssteigerung in der Schweinemast scharf. "Es kann und darf bei der Verfolgung krimineller Handlungen kein Pardon und keine Tabus geben", sagte Sonnleitner.



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