Euro-Krise Seehofer kommt Griechen entgegen

Wochenlang schoss die CSU scharf gegen Athen, nun setzt man in Bayern auf einen milden Ton: Wenn die Griechen mehr Zeit bräuchten, könne man darüber reden, sagt Parteichef Horst Seehofer. Ein Austritt aus dem Euro sei zurzeit keine Option.

Parteichef Seehofer auf dem CSU-Parteitag: "Euro-Aus Athens zurzeit keine Option"
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Parteichef Seehofer auf dem CSU-Parteitag: "Euro-Aus Athens zurzeit keine Option"


München - Aus Bayern kommen erstaunlich milde Töne gegenüber Griechenland. Parteichef Horst Seehofer schloss am Freitag erstmals sogar weitere Hilfen für Athen nicht mehr aus. Vor Beginn des CSU-Parteitags in München sagte er, die griechischen Reform- und Sanierungsschritte der vergangenen drei Jahre zeigten Wirkung. "Die ökonomischen Ungleichgewichte in Europa nehmen ab."

Auf die Frage, ob ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nach wie vor eine Möglichkeit sei, sagte Seehofer: "Wenn die ganzen Bedingungen nicht erfüllt werden, wäre das eine Option, aber im Moment stellt sie sich nicht." Ob Griechenland mehr Zeit für die Umsetzung seines Sparkurses bekommen solle, werde man sehen. "Sollte ein Zeitfaktor im Troika-Bericht dabei sein, werden wir darüber reden."

Die CSU scheint damit in der Euro-Schuldenkrise ihren Widerstand gegen den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufzugeben. Merkel selbst wird am Abend auf dem Parteitag erwartet - direkt vom EU-Gipfel in Brüssel.

Mit der Forderung, das hoch verschuldete südeuropäische Land aus der Euro-Zone zu werfen, hatte die CSU-Spitze in der Vergangenheit immer wieder für Unmut bei der Kanzlerin gesorgt. Noch im Sommer hatten CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bayerns Finanzminister Markus Söder einen Euro-Austritt Griechenlands für unvermeidlich erklärt.

Auch wenn die CSU in der Euro-Rettungspolitik nun auf harsche Töne verzichtet - an sogenannten roten Linien will sie trotzdem festhalten. "Wir machen keine Vergemeinschaftung der Schulden", sagte Dobrindt. Die CSU werde weiter darauf achten, dass Deutschland bei den Finanzhilfen nicht überfordert werde. Überlegungen für einen "Super-Währungskommissar" erteilte Dobrindt eine klare Absage.

Lob für das Krisenmanagement der Kanzlerin

Im Laufe des zweitägigen Treffens wollen die Delegierten einen Leitantrag des Parteivorstandes zur Zukunft Europas verabschieden, in dem es heißt, in der EU müssten Staatspleiten und ein Ausscheiden aus der Euro-Zone möglich werden.

Im Leitantrag fordert die CSU unter anderem eine Wächterrolle der Bundesbank über die Europäische Zentralbank und verlangt erneut Volksabstimmungen über europäische Grundsatzentscheidungen. Sie verzichtet aber auf kritische Töne: Das Krisenmanagement Merkels wird sogar ausdrücklich gelobt.

Dobrindt griff in seiner Rede SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und den bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude scharf an. Er warf Steinbrück vor, sich als glühender Befürworter von Eurobonds aufzuführen; damit sei er "eben kein Kanzlerkandidat der deutschen Interessen."

Beflügelt wurde die CSU von einer neuen Umfrage: Nach einer GMS-Erhebung für Sat.1 könnte die CSU bei einer Landtagswahl derzeit mit 48 Prozent der Stimmen rechnen. Sie stünde damit vor der Rückeroberung der absoluten Mehrheit in Bayern. Das von der SPD angestrebte Dreierbündnis mit Grünen und Freien Wählern kommt demnach zusammen nur auf 38 Prozent.

fab/dpa/Reuters

insgesamt 18 Beiträge
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klaro67 19.10.2012
1. Was dieser Herr so den lieben langen Tag sagt,
interessiert keinen normal denkenden Menschen. Morgen ist es eh Makulatur.
fritzyoski 19.10.2012
2. Mehr Zeit brauchen
Die Griechen werden auch im Jahre 2352 mehr Zeit und vor allem mehr Geld brauchen. Hoffentlich ist D bald pleite damit der Wahnsinn ein Ende hat.
c++ 19.10.2012
3.
Zitat von sysopDPAWochenlang schoss die CSU scharf gegen Athen, nun setzt man in Bayern auf einen milden Ton: Wenn die Griechen mehr Zeit bräuchten, könne man darüber reden, sagt Parteichef Horst Seehofer. Ein Austritt aus dem Euro sei zurzeit keine Option. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/seehofer-beendet-auf-csu-parteitag-attacken-gegen-griechenland-a-862349.html
Wer hat auch etwas anderes von Seehofer erwartet. Seehofer ist ein Papiertiger, der erst eine große Klappe hat und dann ganz, ganz klein beigibt. Peinlich und unglaubwürdig, wie die CDU auch
stefanlinder 19.10.2012
4. Der Horst....
...ändert doch jeden Tag seine Meinung. Also nichts ungewöhnliches dran.
enoughnow 19.10.2012
5. ja da....
rudert das populistische Grossmaul zurueck! Er sollte lieber bayrische Lokalwirtschaft verstehen lernen......
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