CSU-Debakel bei Europawahl Seehofer bot seinen Rücktritt an

Kalt erwischt wurde die CSU von ihrem Absturz bei der Europawahl. Parteichef Seehofer bot nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in einer Vorstandssitzung sogar indirekt seinen Rückzug als Vorsitzender an.
CSU-Chef Seehofer: Klartext in der Vorstandssitzung

CSU-Chef Seehofer: Klartext in der Vorstandssitzung

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Es war kein leichter Gang für Horst Seehofer, als der CSU-Vorstand nach dem Debakel bei der Europawahl zusammentraf. Aus der turnusgemäßen Sitzung wurde angesichts der herben Wahlverluste von 7,6 Punkten und einem Absturz auf 40,5 Prozent völlig unerwartet eine Krisensitzung.

In Umfragen hatte die Partei wenige Tage vor der Wahl noch bei 47 Prozent oder mehr gelegen. Dann folgte der Einbruch, auf den sich die Christsozialen noch immer keinen richtigen Reim machen können. Dass die geballte Europakritik, vorgetragen vor allem von Parteivize Peter Gauweiler, kaum zum grundsätzlichen Bekenntnis der CSU zu Europa passte, gilt inzwischen als ausgemachte Sache. Dagegen ist für viele Christsoziale immer noch ein Rätsel, wie die Zustimmungswerte in so kurzer Zeit so rasant abstürzen konnten.

Für Seehofer war die Marschroute bei der Vorstandssitzung am Montag klar: Schon vor Beginn der Sitzung erklärte der CSU-Chef gegenüber Journalisten, dass er die Verantwortung für die Wahlniederlage übernehme. Seehofer sprach von einem "bitteren Tag".

Auch in der anschließenden Sitzung redete Seehofer Klartext. Der 64-Jährige räumte ein, dass seine Partei eine "deutliche Niederlage" erfahren habe, für die er die Verantwortung übernehme. Dies bestätigten Teilnehmer der Sitzung SPIEGEL ONLINE. Demnach ging der CSU-Vorsitzende in dem internen Treffen sogar noch einen Schritt weiter und bot indirekt seinen Rücktritt an: "Wenn jemand der Meinung ist, damit müsse man Konsequenzen verbinden, der möge sich melden."

In der Runde wurde dies mehreren Teilnehmern zufolge als indirektes Rücktrittsangebot Seehofers interpretiert. Als der Satz des Vorsitzenden gefallen war, herrschte Teilnehmerangaben zufolge Schweigen, niemand meldete sich zu Wort. Daraufhin setzte Seehofer seine Ausführungen fort. Eine entsprechende Anfrage beantwortete CSU-Sprecher Jürgen Fischer am Dienstag so: "Zu internen Sitzungen äußern wir uns nicht."

Seehofers indirektes Angebot kann als strategischer Schachzug verstanden werden - der zum gewünschten Ziel führte: Er hatte offenbar volle Rückendeckung des Parteivorstands, als er am Montag in einer Pressekonferenz nach der Parteisitzung personelle Konsequenzen ausschloss. Er wolle bis 2018 Ministerpräsident bleiben und sich im kommenden Jahr wieder der Wahl zum CSU-Chef stellen, hatte Seehofer in der Pressekonferenz gesagt.

Am 28. Juni will die Partei auf einer Vorstandsklausur das Wahlergebnis detailliert analysieren. Zuletzt hatte der Europaabgeordnete Bernd Posselt die inhaltliche Annäherung an die eurokritische AfD kritisiert. Dem "Münchner Merkur" sagte Posselt, der den Wiedereinzug in das Europaparlament verpasst hatte, dass sich die CSU nicht in eine "AfD light" verwandeln dürfe.

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