Seehofers Agrarpolitik Kein Bonus für Bio

Verbraucherminister Seehofer will mit der Politik seiner grünen Amtsvorgängerin Künast brechen und die Bevorzugung des Ökolandbaus beenden. Konventionelle Bauern seien für ihn genauso wichtig wie Ökobauern, sagte der CSU-Politiker. Auch der Gentechnik steht er offener gegenüber.

Berlin - "Guter Verbraucherschutz geht nur mit der Agrarwirtschaft und nicht gegen sie", sagte Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) der "Berliner Zeitung". Letzteren Eindruck habe seine Vorgängerin bisweilen vermittelt. Er kündigte an, die bevorzugte Behandlung des Biolandbaus zu beenden.

Seehofer will auch den Anbau genveränderter Pflanzen anders als Künast vorantreiben. Gentechnisch veränderte Pflanzen würden weltweit immer stärker angewendet; das müsse auch in Deutschland möglich sein, sagte der CSU-Politiker. Bislang werde den Landwirten der Anbau durch die strikten Haftungsregeln fast unmöglich gemacht. Er werde das von der rot-grünen Regierung beschlossene Gentechnikgesetz ändern. Der Schutz von Mensch und Umwelt bleibe aber gewährleistet.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Helmut Born, begrüßte die von Seehofer angekündigte Neuorientierung in der Landwirtschaftspolitik. Scharfe Kritik kam dagegen von den Grünen. Fraktionsvize Reinhard Loske sagte: "Bei Herrn Seehofer ist der Verbraucherschutz leider nur drittrangig". Die Wende hin zu einer ökologischeren Politik dürfe nicht rückgängig gemacht werden. Dass Seehofer quasi als erste Amtshandlung drei genveränderte Pflanzen zulasse, sei eine fatale "Verbeugung vor der Gentechnik-Industrie".

Am Mittwoch hatte das Bundessortenamt in Hannover erstmals in Deutschland drei genveränderte Sorten Mais der Firmen Monsanto und Pioneer zum Anbau in der Landwirtschaft zugelassen. Die Behörde ist Seehofer unterstellt.

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