Seehofers Stimmungslage "Ich habe leichten Bammel"

Er ist der neue starke Mann in Bayern - und hat doch gehörigen Respekt vor seiner künftigen Position: Horst Seehofer, designierter CSU-Chef und Ministerpräsident, gesteht "leichten Bammel" vor seinen Aufgaben. Aufmunternde Worte kommen von Amtsvorgänger Beckstein.


München - Nun ist es entschieden: Neuer bayerischer Ministerpräsident soll nach dem Willen der CSU der designierte Parteichef Horst Seehofer werden. Innenminister Joachim Herrmann und Wissenschaftsminister Thomas Goppel zogen am Dienstag ihre Kandidaturen zurück. Sie wollen nun am Mittwoch in der entscheidenden Sitzung der CSU-Landtagsfraktion in München den Bundesagrarminister unterstützen.

Dem Verzicht von Herrmann und Goppel ging ein Gespräch der beiden CSU-Politiker mit Seehofer und dem scheidenden Parteichef Erwin Huber in München voraus. Kurz zuvor hatten sie noch auf ihren Bewerbungen beharrt.

Seehofer lobte anschließend den "Geist des Miteinanders" bei den Beratungen. Diese Atmosphäre müsse die CSU auch in der Folgezeit unbedingt bewahren. Es seien "gigantische Aufgaben" zu bewältigen. "Zum ersten Mal in meiner fast 40-jährigen Laufbahn habe ich so was wie einen leichten Bammel", räumte Seehofer ein.

Der scheidende Ministerpräsident Günther Beckstein nannte sein Amt eine "ungeheuere Herausforderung". Auch Seehofer werde dies zu spüren bekommen. Beckstein fügte hinzu: "Aber er wird das schaffen."

"Starker Ruf Richtung Horst Seehofer"

Beckstein hatte vorige Woche nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl auf sein Amt verzichtet. Zuvor hatte Parteichef Erwin Huber seinen Rücktritt angekündigt. Ein Jahr nach dem Ausscheiden von Partei- und Regierungschef Edmund Stoiber werde die CSU nun wieder beide Ämter in eine Hand legen, wie dies von der Basis mehrheitlich gewünscht werde, erklärte die Partei.

Herrmann begründete seinen Rückzieher unter anderem mit der "Stimmung" in der CSU. Seitens der Basis habe es "einen starken Ruf in Richtung Horst Seehofer gegeben, einen, der das jetzt in die Hand nimmt und bündelt". Viele CSU-Abgeordnete hätten dies zwar "differenzierter" gesehen, sagte der Innenminister der "Passauer Neuen Presse". Er habe aber eine Kampfabstimmung in der Fraktion mit einem "strittigen Ergebnis und damit schwierigen Signal" vermeiden wollen. Ähnlich äußerte sich Goppel.

In einer Mitteilung der CSU hieß es, im Vordergrund stehe das Ziel, "die Geschlossenheit und landesweite Einigkeit der CSU zu bewahren und zu stärken". Nach dem "schwierigen" Ergebnis der Landtagswahl gehe es darum, "die Handlungsfähigkeit und Gestaltungskraft der CSU auf allen Ebenen zu gewährleisten". Mit der Entscheidung von Herrmann und Goppel werde der Weg freigemacht "für die in der CSU mehrheitlich gewünschte Zusammenführung der beiden Spitzenämter in Staat und Partei".

Fraktionschef Schmid in der Defensive

Zündstoff birgt allerdings noch die ebenfalls am Mittwoch geplante Wahl des künftigen CSU-Fraktionschefs. Einziger Kandidat war bis zum Dienstagnachmittag Amtsinhaber Georg Schmid. Zeitungsberichten zufolge trifft er aber bei einigen Abgeordneten auf Widerstand.

Schmid sagte dazu: "Ich werde wieder kandidieren. Kann sein, dass es Gegenkandidaten gibt - so ist das in einer Demokratie." Schmid mahnte zugleich, die Fraktion müsse handlungsfähig sein. Er betonte: "Es laufen Koalitionsverhandlungen, im Landtag müssen wir um wichtige Ausschusssitze kämpfen und rechtzeitig zugreifen. Wir brauchen jetzt Geschlossenheit."

Schmid räumte im "Münchner Merkur" jedoch ein, beim Thema Rauchverbot habe er als Fraktionsvorsitzender "im letzten Jahr Fehler gemacht". Er fügte hinzu: "Die Entscheidung wurde vielleicht nicht ausreichend und sensibel genug erklärt. Vielleicht haben Raucher meine Argumentation manchmal als überheblich empfunden."

Die "Bild"-Zeitung schrieb unter Berufung auf CSU-Kreise, als aussichtsreicher Kandidat für den Fraktionsvorsitz gelte jetzt der bisherige Umweltminister Otmar Bernhard. Ferner solle Herrmann im künftigen bayerischen Kabinett eine herausgehobene Stellung als zweiter Stellvertreter des Ministerpräsidenten erhalten.

Wer beerbt Seehofer im Ministeramt?

Ungeklärt ist ebenfalls noch die Frage, wer Seehofers Amt des Bundesagrarministers übernimmt. Aus Unionskreisen hieß es, dass Seehofer offenbar keinen seiner Staatssekretäre zu seinem Nachfolger machen will. Vermutlich werde es auf eine Person außerhalb des Ministeriums hinauslaufen.

Bisher galt der Parlamentarische Staatssekretär Gerd Müller (CSU) als Favorit für die Nachfolge. In den Kreisen wurde darauf verwiesen, dass es in der CSU nach dem Wahldebakel in Bayern eine Reihe von Personen ohne Posten gebe. Seehofer will seinen Nachfolger als Agrarminister bis zu seiner erwarteten Wahl zum Ministerpräsidenten benennen.

Der neue Regierungschef soll am 27. Oktober gewählt werden. Zuvor muss die CSU noch einen Koalitionspartner finden. Die Gespräche mit der FDP und den Freien Wählern laufen. Nach ersten Sondierungen mit den Parteien sagte der noch amtierende CSU-Chef Huber, es gebe mit beiden "eine Basis für eine Zusammenarbeit". Als wahrscheinlicher gilt aber ein Bündnis mit der FDP.

ffr/AP/dpa/Reuters/ddp



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