CDU-Generalsekretär zu Vorwürfen "Sexismus ist nicht nur ein Problem in der Politik"

CDU-Generalsekretär Tauber findet die Sexismusdebatte um einen prominenten Parteifreund wichtig. Der Berliner Senator und Landeschef Henkel soll sich gegenüber einer jungen Politikerin verletzend geäußert haben.

CDU-Generalsekretär Tauber
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CDU-Generalsekretär Tauber


Er will die Sache nicht unter den Teppich kehren: CDU-Generalsekretär Peter Tauber hält eine Auseinandersetzung mit sexistischem Verhalten in Politik und Gesellschaft für dringend geboten. Nach den Sexismusvorwürfen einer Berliner CDU-Politikerin gegen den Landesvorsitzenden und Innensenator Frank Henkel sagte Tauber: "Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert. Aber ohne Nennung von Namen." Dann sei es schwierig, etwas dagegen zu tun, sagte Tauber der "Bild am Sonntag".

"Umso wichtiger, dass es nun diese Debatte gibt", so Tauber. "Wir brauchen eine größere Sensibilität in allen Bereichen der Gesellschaft, denn Sexismus ist nicht nur ein Problem in der Politik."

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz. Sexismus sei "nirgends akzeptabel". Sie forderte: "Wir brauchen eine Kultur des Respekts. Frauen sind willkommen in der CDU, und wir brauchen mehr." Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die nach der Wahlniederlage der Berliner CDU als Nachfolgerin von Parteichef Henkel gilt, betonte: "Sexismus hat in einer modernen Großstadtpartei keinen Platz."

Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends hatte am vergangenen Freitag von einem Parteitag der Berliner CDU im Frühjahr berichtet, auf dem sie ein Senator vor anderen Leuten als "große süße Maus" bezeichnet habe. Dieser Senator soll einen Parteifreund zudem gefragt haben: "Fickst du die?" Später erklärte Behrends, dass es sich dabei um Henkel gehandelt habe. Dieser hat sich bisher nur indirekt zu den Vorwürfen geäußert.

Kritik aus anderen Parteien

Auch Vertreter anderer Parteien übten Kritik. SPD-Generalsekretärin Katharina Barley sagte der "taz", um Sexismus als gesamtgesellschaftliches Problem wirksam zu bekämpfen, brauche es einen "Bewusstseinswandel". Den erreiche man "nur durch freundliche Beharrlichkeit. Immer wenn es zu Sexismus kommt, muss das klar und offensiv thematisiert werden."

Die Vizechefin der Linken, Caren Lay, meinte, Sexismus in den eigenen Reihen anzugehen wäre für die CDU das Gebot der Stunde. Das gelte "übrigens für alle Parteien", sagte sie der "taz". Gesine Agena, frauenpolitische Sprecherin der Grünen, sagte: "Sexismus ist in der gesamten Gesellschaft ein Riesenproblem, auch in den politischen Parteien." Auch bei den Grünen gebe es Sexismus. Doch man verfüge über Strukturen wie die Frauenquote. Die führe zumindest "zu einem anderen Umgang und einem anderen Ton", sagte sie der "taz".

Behrends sagte der "Bild am Sonntag", sie habe auf ihren Bericht viele positive Reaktionen bekommen. Die junge Frau sieht ein Sexismusproblem allerdings nicht allein in ihrer eigenen Partei. Sie wünsche sich, dass "wir die Debatte über Frauen in der Politik generell führen würden und nicht nur als CDU-Problem", sagte Behrends der "taz". Sie erhalte "Nachrichten von den Grünen, aus der SPD, aus der FDP. Politikerinnen aus der allerhöchsten Bundesebene bedanken sich bei mir für den Brief. Mitglieder sagen, sie sehen das Problem genauso auch in ihrer Partei", so Behrends.

Parteien stehen regelmäßig in Verdacht, ein sexistisches Klima hinzunehmen und sogar zu fördern. Die damalige "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich hatte Anfang 2013 über anzügliche Bemerkungen des FDP-Politikers Rainer Brüderle berichtet, der SPIEGEL schilderte Sexismus in der Piratenpartei und im Berliner Politikbetrieb.

Im Mai 2016 prangerten französische Politikerinnen in einem öffentlichen Appell Sexismus am Arbeitsplatz an. Auch italienische Politikerinnen wehren sich öffentlich gegen sexistische Sprüche.

flo/amz/dpa/AFP



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