Sexskandal um Landrat Adam "Das war eine Hexenjagd"

Landrat Michael Adam fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt. Der bayerische SPD-Politiker hatte in seinen Büros Sex mit mehreren Männern. Die Hysterie darum sei übertrieben. "Sie werden nicht einen Kommunalpolitiker finden, der keinen Dreck am Stecken hat", sagte er der "Zeit".

Der Regener Landrat Michael Adam: "Mir gefällt die Aufmerksamkeit der Leute"
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Der Regener Landrat Michael Adam: "Mir gefällt die Aufmerksamkeit der Leute"


Hamburg/Regen - Der bayerische SPD-Landrat Michael Adam hat die Medienberichterstattung über seine Person scharf kritisiert. Der 28-Jährige war in den vergangenen Wochen wegen eines Sex-Skandals in die Schlagzeilen geraten: "Verbockt hat man's ja grundsätzlich mal selber", sagte er der "Zeit". "Aber Sie werden nicht einen Kommunalpolitiker finden, der keinen Dreck am Stecken hat."

In seinem Fall sei der Medienwirbel jedoch deutlich übertrieben worden: "Das war ja eine Hexenjagd! Da fehlten als Reizwörter bloß noch Kindesmissbrauch und HIV", kritisierte der SPD-Politiker, der als Nachwuchshoffnung im bayerischen Landesverband galt.

Adam hatte auf einer Pressekonferenz am 27. November eingeräumt, in seinem Dienstzimmer im Landratsamt von Regen und in seinem früheren Bürgermeisterbüro in Bodenmais Sex mit verschiedenen Männern gehabt zu haben. Außerdem gab er zu, Poppers konsumiert zu haben - eine Substanz, die als Arzneimittel gilt, die Gefäße erweitert und schmerzhemmend wirkt.

"Ich bin narzisstisch"

"Meine Stimmung schwankt seit Wochen zwischen Extremen", sagte Adam der "Zeit". "Das pendelt von: 'Oh Gott, du bist gar nicht tragbar' zu: 'Hey, wegen der Verwandtenaffäre der CSU ist auch kein Mensch zurückgetreten.'"

Die dienstrechtlichen Vorschriften hat Adam zwar nicht verletzt, sein Verhalten im Amt versucht er dennoch zu entschuldigen. "Es ist halt immer der Druck da: Der ist so jung, der muss jetzt richtig Gas geben. Ich war praktisch immer im Dienst. Die Differenzierung zwischen Berufs- und Privatleben hat es so nicht gegeben."

Als Konsequenz aus der Affäre hat Adam seine drei Facebook-Seiten mit 17.000 Anhängern gelöscht. "Mir fehlt dieses Ventil total", sagte Adam. "Ich bin auch deshalb Politiker geworden, weil ich narzisstisch bin. Mir gefällt die Aufmerksamkeit der Leute. Die öffentlichen Auftritte berauschen einen. Jeder Politiker, der das abstreitet, lügt."

syd



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