Niedersachsen CDU-Abgeordnete warnt vor Homosexuellen an Schulen

Eine geplante Sexualkundereform sorgt in Niedersachsen für Aufruhr. Die Landesregierung will Homo- oder Transsexualität stärker im Schulunterricht thematisieren. Jetzt fürchtet eine CDU-Abgeordnete um das Kindeswohl.

Berlin - Nach dem Willen der niedersächsischen Landesregierung sollen Schüler künftig mehr über das Thema "sexuelle Vielfalt" lernen. Rot-Grün möchte durchsetzen, dass Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität und Intersexualität an Schulen "verbindlich thematisiert werden". So steht es in einem Entschließungsantrag aus dem Sommer, auf dessen Grundlage derzeit ein Gesetz erarbeitet wird.

Doch der Widerstand gegen das Projekt wächst, in regionalen Medien ist von protestierenden Elternräten an Gymnasien die Rede. Auch die CDU im niedersächsischen Landtag sieht die Reform skeptisch. In der "Nordwest-Zeitung" vom Mittwoch meldete sich die Schulexpertin der CDU-Landtagsfraktion, Karin Bertholdes-Sandrock, zu Wort. Zwar unterstütze sie das Ziel, "zu Toleranz zu erziehen", Kinder und Jugendliche dürften dabei aber "nicht überfordert werden", sagte die Landtagsabgeordnete demnach.

Dann folgt offenbar eine Forderung, dass man Schwule und Lesben nicht ohne Aufsicht in Klassenräume einladen dürfe. "Auf keinen Fall kann es sein, dass beispielsweise Schwule und Lesben in den Klassen allein gegenüber den Kindern auftreten", zitiert die Zeitung die CDU-Politikerin . Das schwul-lesbische Internetmagazin queer.de empörte sich am Mittwoch über die Äußerungen, auch in den sozialen Netzwerken wurden sie kritisiert.

"Ein völlig falscher Eindruck"

"Hier ist ein völlig falscher Eindruck entstanden", sagte Bertholdes-Sandrock SPIEGEL ONLINE. "Ich stehe zu meiner Haltung, aber sie muss vollständig wiedergegeben werden. Wenn man in Zukunft häufiger externe Gäste an Schulen einladen will - sei es von Parteien, aus der Bundeswehr, einem Kleingärtnerverein oder eben von schwul-lesbischen Verbänden - muss sichergestellt werden, dass stets ein Lehrer anwesend ist", so die Landtagsabgeordnete. Es sei ihr keinesfalls um Diskriminierung gegangen. "Im Gegenteil, meine Partei und ich treten für Toleranz gegenüber allen Lebensstilen ein."

Vor allem die niedersächsischen Grünen pochen auf Gäste von außen als fester Bestandteil des Schulunterrichts. Sexuelle Vielfalt könne am besten vermittelt werden, wenn jemand über persönliche Erfahrungen, etwa mit Diskriminierung, berichten könne. Auch in dem Antrag der rot-grünen Landtagsfraktionenheißt es: "Die Schulen werden dabei unterstützt, Schulaufklärungsprojekte durchzuführen, die eine Begegnung mit Menschen unterschiedlicher sexueller und geschlechtlicher Identität ermöglichen."

Die geplante Reform des Sexualkundeunterrichts soll an allen Schulen Niedersachsens gelten und viele Details neu regeln. So sollen etwa Schulbücher danach ausgesucht werden, ob sie die Vielfalt sexueller Identitäten berücksichtigen.

Das Gesetzgebungsverfahren soll im Herbst beginnen, derzeit können Verbände und Organisationen ihre inhaltlichen Positionen einbringen. Auch Baden-Württemberg wollte zuletzt sexuelle Toleranz stärker im Schulunterricht verankern und bekam dafür erheblichen Gegenwind.

amz
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