Zum Inhalt springen
SPIEGEL ONLINE

Sicherheitsalarm Polizei entschärft Sprengstoffpaket im Kanzleramt

In der Poststelle des Kanzleramts in Berlin ist ein Paket mit Sprengstoff sichergestellt worden. Es war an Angela Merkel adressiert. Experten der Polizei machten den Sprengsatz durch Wasserbeschuss unschädlich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Sicherheitsalarm in der Regierungszentrale: Im Bundeskanzleramt ist ein an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) adressiertes Paket mit einem Sprengsatz gefunden worden. Sicherheitskreise bestätigten übereinstimmenden Medienberichten zufolge, dass das Paket tatsächlich eine Sprengladung enthielt.

Über Art und Bauweise des Sprengsatzes gibt es unterschiedliche Informationen:

  • Es handle sich um Sprengstoff, berichten die "Berliner Morgenpost" und das Hauptstadtstudio der ARD.
  • Der Berliner "Tagesspiegel" und die "Bild"-Zeitung schreiben von Schwarzpulver (siehe Kasten unten).
  • Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass es sich um eine Rohrbombe gehandelt habe. Diese sei in einem ausgehöhlten Buch versteckt und sprengfähig gewesen. Laut "SZ" vermuten die Sicherheitskreise, dass hinter der Tat griechische Linksextremisten stecken.

Fotostrecke

Paketbombe: Aufregung im Kanzleramt

Foto: dapd

Die Berliner Polizei setzte zur Entschärfung ein Spezialfahrzeug ein, das mit einem Roboter ausgerüstet ist, der aus der Entfernung verdächtige Gegenstände sprengen kann. Laut "Tagesspiegel" wurde das Päckchen noch am Ort mit einer solchen Wasserkanone zerschossen. Verletzt wurde niemand.

Laut "Berliner Morgenpost" soll zuvor eine Warnmeldung eingegangen sein. Die Poststelle im Kanzleramt wurde vom Bundeskriminalamt geschlossen. Kanzlerin Merkel war zu dem Zeitpunkt in Belgien. Bei der üblichen Kontrolle der Post sei das Päckchen aufgefallen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Weil der Verdacht auf Sprengstoff bestanden habe, wurden Experten hinzugezogen. Das Bundeskanzleramt wurde zunächst nicht evakuiert.

Dem "Tagespiegel" sagten Sicherheitsexperten, bei einer Explosion wäre vermutlich ein Feuer entstanden. Außerdem hätte die öffnende Person wahrscheinlich Verletzungen erlitten. Das Ding habe so ausgesehen, als wolle jemand ein Zeichen setzen, hieß es in Sicherheitskreisen.

Schwarzpulver

Das Päckchen traf nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gegen 13.00 Uhr im Kanzleramt ein. Es sei von der Zustellerfirma UPS bei der Postverteilerstelle des Kanzleramts abgegeben worden, hieß es im "Tagesspiegel" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Als Absender war das griechische Wirtschaftsministerium angegeben. Seit Tagen halten vermutlich griechische Autonome mit einer Serie von Briefbomben Athen in Atem, auch an die deutsche Botschaft war ein Paket mit einem Sprengsatz adressiert. Es wurde bei der Kurierfirma kontrolliert zerstört.

Auch andere Botschaften in Athen erhielten am Dienstag verdächtige Pakete. In der Schweizer Vertretung gab es beim Öffnen eines Paketes eine Stichflamme. Auch in der russischen Botschaft explodierte ein kleiner Sprengsatz. Kontrolliert gesprengt wurden Paketbomben an der bulgarischen Botschaft und vor dem Parlament. Polizeiangaben zufolge wurde niemand verletzt. Eine vorherige Warnung habe es nicht gegeben, sagte ein Beamter.

Bereits am Montag waren Briefbomben in der griechischen Hauptstadt entdeckt worden. Sie waren an die niederländische und an die belgische Botschaft sowie den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert. Hinweise auf die Urheber der Paketbomben-Serie lagen zunächst nicht vor.

In Griechenland hatte es während der jüngsten Schuldenkrise massiven Ärger über die harte Haltung Deutschlands gegeben. Ob die Sendung ins Kanzleramt damit zusammenhängt ist allerdings unklar.

Griechenlands Linksextreme

Am Wochenende hatten zwei Pakete mit Briefbomben für Aufregung gesorgt, die an Bord von UPS-Frachtmaschinen aus dem Jemen Richtung USA geschickt worden waren. Sie wurden auf einem Flughafen in Großbritannien und in Dubai abgefangen. Eines der Pakete war auf dem Airport Köln-Bonn umgeladen worden.

phw/dapd/dpa/Reuters