Sicherheitsdienste Bis zu 100 "Schläfer" in Deutschland


Düsseldorf - Die Sicherheitsdienste vermuten nach Angaben von NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) in Deutschland etwa hundert so genannte Schläfer, die in Afghanistan für Anschläge ausgebildet wurden. Dem Verfassungsschutz lägen Hinweise auf solche Einzelpersonen aus dem Umfeld des in Afghanistan lebenden Extremisten Osama Bin Laden vor, sagte Behrens.

Ein Zugriff auf sie sei jedoch sehr schwierig, sagte Behrens. "Die Tatsache, dass man eine Ausbildung in einem Lager in Afghanistan gemacht hat, kann man ihnen nicht vorwerfen." Rund 20 dieser Personen hielten sich möglicherweise in Nordrhein-Westfalen auf, sagte Behrens. Die Schläfer gelten als besonders gefährlich, weil sie jahrelang unauffällig in einem Land leben und jederzeit für Anschläge aktiviert werden können.

Einzelpersonen aus dem Umfeld der von Bin Laden gegründeten Organisation al-Qaida versuchen laut Behrens vor allem, junge Studenten anzuwerben. Als Lockmittel setzten sie selbst erstellte Videos über Kampfeinsätze in Krisengebieten wie etwa Tschetschenien ein. Mit Aufzeichnungen über Gräueltaten an der Bevölkerung würden Spenden gesammelt. Die Organisation bildet nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer in eigenen Lagern in Afghanistan unter dem Schutz der regierenden Taliban Kämpfer aus, die sich als Mudschaheddin (Gotteskrieger) bezeichnen. Sie bildeten das Potenzial für eine Art "islamistischer Fremdenlegion".



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