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06. Februar 2009, 20:48 Uhr

Sicherheitskonferenz

Merkel und Sarkozy gründen militärischen Kampfverband

Von Alexander Szandar, München

Überraschung in München: Die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident wollen auf der Sicherheitskonferenz die Gründung eines neuen Kampfverbandes verkünden. Rund 500 Bundeswehrsoldaten sollen die deutsch-französische Brigade in Straßburg verstärken.

München - Deutsche Soldaten werden demnächst in Bataillonsstärke im Elsass einmarschieren – auf ausdrückliche Einladung der französischen Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen am Samstag auf der Münchener Sicherheitskonferenz die Gründung eines neuen Verbands bekannt geben, der in Straßburg-Illkirch stationiert und Teil der deutsch-französischen Brigade werden soll.

Merkel: Neuer Verband in Straßburg
AP

Merkel: Neuer Verband in Straßburg

Im Gegenzug für die Stationierung der etwa 500 Bundeswehrsoldaten in seinem Land verzichtet Sarkozy auf den geplanten Abzug aller französischen Truppen aus der Bundesrepublik, der den Fortbestand der vor 20 Jahren gegründeten Prestige-Brigade gefährdet hätte.

Der Verband für Straßburg wird komplett neu aufgestellt. Er wird aus zwei Kampfkompanien der Infanterie bestehen, einer Aufklärungs- sowie einer Stabs- und Nachschubkompanie. Die Vereinbarung dazu wurde nach Angaben aus Militärkreisen erst am vergangenen Donnerstag getroffen, nachdem sich das Verteidigungsressort lange gegen die Pläne Merkels gesträubt hatte. Das Kanzleramt hatte vor kurzem das Ministerium schriftlich aufgefordert, die Verzögerungstaktik aufzugeben und den französischen Wünschen entgegenzukommen.

Frankreich hatte im Zug der geplanten Verkleinerung seiner Armee zunächst die Absicht, seine Einheiten aus Donaueschingen und Immendingen im Schwarzwald abzuziehen. Nun soll ein Regiment in Donaueschingen verbleiben. Zudem prüfen die Franzosen, ob auch Teile ihrer Truppen in Immendingen bleiben könnten. Weil der Ort im Wahlkreis von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder liegt, hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung vorsorglich schon prüfen lassen, ob deutsche Einheiten als Ersatz für die Franzosen nach Immendingen verlegt werden könnten.

Die deutsch-französische Brigade ist etwa 5000 Soldaten stark. Sie hat bereits Einsätze auf dem Balkan absolviert und fungierte zeitweilig auch als schnelle Eingreiftruppe der Europäischen Union. Das deutsch-französische Hauptquartier befindet sich in Müllheim in Baden-Württemberg.

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