SPD-Chef Gabriel fordert Schuldenerleichterung für Griechenland

Der IWF, Frankreich und nun auch Wirtschaftsminister Gabriel: Die Forderungen nach einer Verringerung der Schulden Griechenlands werden lauter. Finanzminister Schäuble lehnt den Plan bislang ab.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel
DPA

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel


Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister fordert SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Schuldenerleichterung für Griechenland. "Die Eurogruppentagung am Montag muss einen Weg finden, den Teufelskreis in Griechenland zu durchbrechen", schrieb Gabriel am Samstag in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters.

Es helfe dem Land und seinen Menschen nicht, alle zwölf Monate darum kämpfen zu müssen, neue Kredite zur Bezahlung von alten Krediten zu bekommen. "Griechenland braucht eine Erleichterung seiner Schuldenlast", sagte der Vizekanzler und Wirtschaftsminister. Die Finanzminister der Eurozone müssten flexibel alle Möglichkeiten dafür nutzen, die ihnen zur Verfügung stünden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) steht damit von drei Seiten in der Kritik: Neben seinem Kabinettskollegen fordern nach SPIEGEL-Informationen auch Frankreich und weitere Euroländer einen Schuldenerlass für Griechenland - andernfalls, fürchten sie, wäre die Abstimmung über ein neues Sparpaket im griechischen Parlament gefährdet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) droht sogar mit dem Ausstieg aus der Griechenland-Hilfe, falls keine Verhandlungen über eine Verringerung der Schuldenlast aufgenommen werden.

"Alle wissen, dass diese Erleichterung der Schuldenlast irgendwann kommen muss. Es macht keinen Sinn, sich davor immer wieder zu drücken", schrieb Gabriel. "Völlig falsch wäre es, Griechenland jetzt mit immer neuen Sparmaßnahmen zu überziehen." Griechenland habe es immerhin geschafft, ein besseres Wirtschaftswachstum zu erzielen, als alle erwartet hättet. Der Wirtschaftsminister warnte davor, "dieses zarte Pflänzchen jetzt durch neue Sparmaßnahmen wieder zu zerstören".

Der SPD-Chef will auch bei einem Treffen mit Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven und Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann am Sonntag in Stockholm über Griechenland sprechen. Die Zahlung einer Tranche von fünf Milliarden Euro an Athen verzögert sich gegenwärtig wegen eines Streits über das Reformtempo in Griechenland.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

ade/Reuters

insgesamt 294 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
michael93 07.05.2016
1. Ein bisschen spät
Herr Gabriel ist 7 Jahre zu spät. Damals hätte ein Schuldenschnitt noch ohne große Verluste funktioniert, heute sieht das bekanntermaßen anders aus...
pondent 07.05.2016
2. GroKo
Die hören erst auf wenn auch der letzte Rest der wirtschaftlichen Leistung Deutschlands an ihre Klüngelfreunde verteilt ist. Das Verhalten unserer Politiker ist einfach nur noch pervers! IGITT und PFUI!
spmc-135322777912941 07.05.2016
3. Von mir aus, das Geld ist sowieso in toto weg ...
aber nur um den Preis das GR den Euro verlässt.
danido 07.05.2016
4.
Hat Griechenland schon ein Katasteramt oder brauchen sie noch etwas "Zeit" (Geld)?
irobot 07.05.2016
5.
Es gab doch schon 2012 einen Schuldenschnitt (etwa 105 Mrd. Euro). Hat das was gebracht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.