Dialog als "Privatmann" Gabriel stößt mit Besuch bei Pegida-Debatte auf Unverständnis

Nach seinem Besuch einer Pegida-Gesprächsrunde bekommt Sigmar Gabriel einiges an Kritik zu hören - auch aus der eigenen Partei. SPD-Generalsekretärin Fahimi sprach sich erneut gegen einen Dialog mit den Islamgegnern aus.
Vizekanzler Gabriel bei der Veranstaltung in Dresden: An der Diskussion nahmen sowohl Anhänger als auch Gegner der islamkritischen Pegida teil

Vizekanzler Gabriel bei der Veranstaltung in Dresden: An der Diskussion nahmen sowohl Anhänger als auch Gegner der islamkritischen Pegida teil

Foto: Erik Olsen/ dpa

Das passiert der SPD-Generalsekretärin auch nicht jeden Tag, dass sie Beifall aus der Linkspartei bekommt. Vom Linken-Chef Riexinger wurde sie geradezu gelobt für ihre deutliche Haltung in Sachen Pegida. Kein Dialog, hatte sie in der vergangenen Woche klargestellt, und diese Position bekräftigte sie am Wochenende noch einmal in einem Interview .

Was Riexinger weniger gefiel, war der Besuch des SPD-Chefs auf einer Gesprächsrunde mit Pegida. "Die SPD muss ihre Haltung klären", schrieb er in einem Tweet:


Einen "demonstrativen Schlingerkurs" attestiert der SPD Volker Beck. Die Pegida-Bewegung dürfe nicht als Gesprächspartner aufgewertet werden, sagte der Grünen-Politiker im Deutschlandfunk zu Gabriels Veranstaltungsbesuch am Freitagabend.

Auch Parteikollegen sehen den Besuch kritisch. "Ich bin dagegen, mit Leuten zu reden, die Menschen verweigern wollen, bei uns Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger zu suchen", sagte die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann der "Welt" . Auf Twitter schrieb sie: "Rassismus ist keine Gesprächsgrundlage".

Vom linken Flügel seiner eigenen Partei erhält der Vizekanzler dagegen Beifall: "Gutes Signal an 'Mitläufer'", schrieb die Vorsitzende des SPD-Forums Demokratische Linke 21, Hilde Mattheis, bei Twitter .

Gabriel hatte am Freitagabend als Zuschauer an einer Diskussionsveranstaltung in Dresden teilgenommen und sich im Anschluss mit anwesenden Pegida-Anhängern auseinandergesetzt. Zu der Gesprächsrunde mit dem Titel "Warum (nicht) zu Pegida gehen?" hatte die Landeszentrale für politische Bildung eingeladen . Gabriel sagte, er sei als Privatmann gekommen, um zuzuhören.

Die meisten Parteien hatten direkte Gespräche mit Pegida in den letzten Wochen abgelehnt. Auch die SPD war sich zuletzt uneins über den Umgang mit der islamkritischen Bewegung.

Offenbar vor Gabriels Auftritt sagte Yasmin Fahimi der "Frankfurter Rundschau", sie lehne einen Dialog mit Pegida-Anhängern weiter ab . "Wer mündig ist, trägt Verantwortung für seine Taten und dafür, wem er hinterherläuft", zitiert die Zeitung die SPD-Generalsekretärin. "Deswegen möchte ich in keinen Dialog treten mit Leuten, die Stimmung schüren gegen Migranten, gegen Ausländer und gegen Andersdenkende."

Fahimi berichtete erneut von einer wachsenden Zahl von Hassmails und Drohbriefen, die in ihrem Büro eingingen. Obwohl sie als Tochter einer Deutschen und eines Iraners in Hannover geboren und aufgewachsen sei und keiner Religionsgemeinschaft angehöre, werde sie als "Türkensau" und Sympathisantin radikaler Islamisten beschimpft.

mbö/dpa/AFP
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