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05. November 2017, 00:02 Uhr

Medienbericht

Gabriel mahnt zu wirtschaftlich verträglichem Klimaschutz

Vor dem Klimagipfel in Bonn betont Außenminister Gabriel, Klimaschutz dürfe Arbeitsplätze und industriellen Erfolg nicht gefährden. Deutschland trage eine besondere Verantwortung.

Noch-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wirbt für eine Vorreiterrolle Deutschlands bei der Vereinbarung von Klimaschutz und wirtschaftlichem Erfolg. Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" sagte Gabriel: "Wir müssen zeigen, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind. Nur wenn wir unter Beweis stellen, dass eine anspruchsvolle Klimapolitik nicht dazu führt, dass Arbeitsplätze und industrieller Erfolg darunter leiden, werden uns andere Länder folgen."

Der Klimaschutz ist wie erwartet ein Knackpunkt in den Koalitionsverhandlungen zwischen FDP, Grünen und Union. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf den anderen Parteien vor, in diesem Punkt zu blockieren. "Wir sind mit dem Pariser Abkommen konkrete Verpflichtungen eingegangen. Nun gilt es zu liefern", sagte Göring-Eckardt der "Bild am Sonntag". "Doch ausgerechnet jetzt blockieren Union und FDP. Gelingt es uns, den Knoten zu durchschlagen, gewinnt nicht nur das Weltklima. Ich bin zuversichtlich, dass so auch die Sondierungen besser vorankommen."

50 Prozent der Befragten wollen keine SUVs mehr in den Städten

Die Bundesregierung wird ihre selbst gesteckten Klimaziele für die Jahre 2020 und sehr wahrscheinlich auch 2030 nicht erreichen. Wie eine Studie für die Bundestagsfraktion der Grünen im März ergab, findet derzeit praktisch kein Rückgang der Treibhausemissionen statt. Zahlen des Bundesumweltamtes bestätigten dies. Die Uno hatte zuletzt bekannt gegeben, dass die Erdtemperatur bis Ende des Jahrhunderts um mindestens drei Grad Celsius im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung steigen wird - selbst bei Einhaltung aller bisher vorgelegten Klimaschutzziele.

Die "Bild am Sonntag" hatte das Umfrageinstitut Emnid mit einer Erhebung beauftragt, um herauszufinden, wie wichtig den Deutschen der Umwelt- und Klimaschutz im Verhältnis zu wirtschaftlichen Interessen ist. Das Ergebnis: 59 Prozent der Deutschen seien dafür, dass die nächste Bundesregierung den Kohleausstieg beschließt. Nein sagt dazu fast ein Drittel der Befragten (weiß nicht, keine Angabe: neun Prozent). Knapp 70 Prozent der Befragten wollen Umwelt- und Klimaschutz im Zweifel Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen geben. Nur 27 Prozent wollen das nicht (weiß nicht, keine Angabe: fünf Prozent).

Keine SUVs mehr in den Städten? Das fände fast die Hälfte der Befragten in Ordnung. Sie sagen: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks habe mit ihrer Forderung recht, dass Bewohner von Städten keine SUVs mehr kaufen sollten, damit das Klima geschützt wird. 34 Prozent sehen das nicht so (weiß nicht, keine Angabe: 18 Prozent).

Ab Montag tagt die Weltklimakonferenz in Bonn. Ziel ist es, die Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens von 2015 konkret umzusetzen. Am Samstag haben mehrere Tausend Menschen in Bonn für den Kohleausstieg und eine umfassende Energiewende demonstriert.

mja

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