Wahl 2017 Gabriel peilt Ampelkoalition im Bund an

SPD, Grüne und FDP sind von einer Mehrheit weit entfernt - trotzdem wünscht sich Sigmar Gabriel eine Ampel im Bund. Im SPIEGEL kritisiert der SPD-Chef auch, dass "ziemlich viel Unsinn" über seine Magen-OP berichtet wurde.
Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel

Foto: STEFFI LOOS/ AFP

Goslar am vergangenen Dienstag: Der Vizekanzler kommt gegen halb elf gut gelaunt ins Café am Markt. Er entdeckt seinen alten Mathelehrer, da muss er natürlich noch eben Hallo sagen ("Bei meinen Mathenoten"). Dann setzt er sich entspannt hin, das SPIEGEL-Gespräch kann beginnen. Der SPD-Chef sagt: "Ich habe Zeit." Erst gegen halb zwei müsse er los, seine Tochter aus der Kita abholen.

Unter anderem spricht Gabriel mit dem SPIEGEL über die Konsequenzen aus dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, den Zustand der EU, seinen Klinikaufenthalt vor Weihnachten - und die Machtperspektive der SPD. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Am liebsten wäre Gabriel eine Koalition mit Grünen und FDP auf Bundesebene. Ein rot-rot-grünes Bündnis "ist keinesfalls die einzige Konstellation, die denkbar ist", sagt er. "In Rheinland-Pfalz regiert die SPD zusammen mit Grünen und FDP, also letztlich mit zwei liberalen Parteien."

Und was ist, wenn es nach der Bundestagswahl für ein rot-rot-grünes Bündnis reicht? Ob sich dann eine stabile Regierung formen lasse, liege ausschließlich an der Linkspartei, betont Gabriel. "Die muss sich entscheiden, ob sie regieren oder Fundamentalopposition bleiben will." Positionen wie der Austritt aus dem Euro seien mit der SPD nicht zu machen.

Gabriel warnt vor Auseinanderbrechen der EU

Gabriel stellt sich darauf ein, als Kanzlerkandidat für seine Partei ins Rennen zu gehen - das wird deutlich, als er ausführlich über die strategische Aufstellung der SPD im Bundestagswahlkampf redet.

Der auf die Kanzlerin ausgerichteten Kampagne der Union wollen die Sozialdemokraten einen programmatischen Wahlkampf entgegensetzen. "Wir haben eine hochpolitisierte Wählerschaft. Die will Antworten auf die offenen Zukunftsfragen", sagt er. "Hier muss die SPD ansetzen."

Eindringlich warnt Gabriel davor, dass die EU auseinanderbrechen könnte, wenn CDU und CSU an der Sparpolitik der vergangenen Jahre festhalten. "Es ist unanständig, dass Staaten wie Frankreich und Italien, die Reformen durchziehen, einen gigantischen Kraftakt veranstalten müssen, um einen halben Prozentpunkt mehr Haushaltsdefizit machen zu dürfen", sagt der SPD-Chef. Und fügt hinzu: "Helmut Kohl wäre im Leben nicht derart mit anderen europäischen Staaten umgesprungen."

Kritik an "Bild"-Bericht über Magen-OP

Gar nicht glücklich ist Gabriel über die "Bild"-Zeitung. Der Bericht des Blattes, er habe sich wegen seines Diabetes den Magen verkleinern lassen, weist er zurück.

Zugleich wirbt er um Verständnis dafür, dass er nicht detailliert zu seinem Gesundheitszustand Stellung nehmen will. "Die Öffentlichkeit hat natürlich das Recht zu erfahren, ob man gesund und in der Lage ist, sein öffentliches Amt auszuüben", sagt Gabriel.

"Aber abgesehen davon, dass in dem von Ihnen zitierten Zeitungsbericht ziemlich viel Unsinn behauptet wurde, haben Politiker den gleichen Anspruch auf Schutz ihrer Persönlichkeitssphäre wie jeder andere auch."

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