Wahl 2017 Gabriel peilt Ampelkoalition im Bund an

SPD, Grüne und FDP sind von einer Mehrheit weit entfernt - trotzdem wünscht sich Sigmar Gabriel eine Ampel im Bund. Im SPIEGEL kritisiert der SPD-Chef auch, dass "ziemlich viel Unsinn" über seine Magen-OP berichtet wurde.

Sigmar Gabriel
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Sigmar Gabriel


Goslar am vergangenen Dienstag: Der Vizekanzler kommt gegen halb elf gut gelaunt ins Café am Markt. Er entdeckt seinen alten Mathelehrer, da muss er natürlich noch eben Hallo sagen ("Bei meinen Mathenoten"). Dann setzt er sich entspannt hin, das SPIEGEL-Gespräch kann beginnen. Der SPD-Chef sagt: "Ich habe Zeit." Erst gegen halb zwei müsse er los, seine Tochter aus der Kita abholen.

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Heft 2/2017
Wie die Demokratie ihre Bürger schützen kann

Unter anderem spricht Gabriel mit dem SPIEGEL über die Konsequenzen aus dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, den Zustand der EU, seinen Klinikaufenthalt vor Weihnachten - und die Machtperspektive der SPD. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Am liebsten wäre Gabriel eine Koalition mit Grünen und FDP auf Bundesebene. Ein rot-rot-grünes Bündnis "ist keinesfalls die einzige Konstellation, die denkbar ist", sagt er. "In Rheinland-Pfalz regiert die SPD zusammen mit Grünen und FDP, also letztlich mit zwei liberalen Parteien."

Und was ist, wenn es nach der Bundestagswahl für ein rot-rot-grünes Bündnis reicht? Ob sich dann eine stabile Regierung formen lasse, liege ausschließlich an der Linkspartei, betont Gabriel. "Die muss sich entscheiden, ob sie regieren oder Fundamentalopposition bleiben will." Positionen wie der Austritt aus dem Euro seien mit der SPD nicht zu machen.

Gabriel warnt vor Auseinanderbrechen der EU

Gabriel stellt sich darauf ein, als Kanzlerkandidat für seine Partei ins Rennen zu gehen - das wird deutlich, als er ausführlich über die strategische Aufstellung der SPD im Bundestagswahlkampf redet.

Der auf die Kanzlerin ausgerichteten Kampagne der Union wollen die Sozialdemokraten einen programmatischen Wahlkampf entgegensetzen. "Wir haben eine hochpolitisierte Wählerschaft. Die will Antworten auf die offenen Zukunftsfragen", sagt er. "Hier muss die SPD ansetzen."

Eindringlich warnt Gabriel davor, dass die EU auseinanderbrechen könnte, wenn CDU und CSU an der Sparpolitik der vergangenen Jahre festhalten. "Es ist unanständig, dass Staaten wie Frankreich und Italien, die Reformen durchziehen, einen gigantischen Kraftakt veranstalten müssen, um einen halben Prozentpunkt mehr Haushaltsdefizit machen zu dürfen", sagt der SPD-Chef. Und fügt hinzu: "Helmut Kohl wäre im Leben nicht derart mit anderen europäischen Staaten umgesprungen."

Kritik an "Bild"-Bericht über Magen-OP

Gar nicht glücklich ist Gabriel über die "Bild"-Zeitung. Der Bericht des Blattes, er habe sich wegen seines Diabetes den Magen verkleinern lassen, weist er zurück.

Zugleich wirbt er um Verständnis dafür, dass er nicht detailliert zu seinem Gesundheitszustand Stellung nehmen will. "Die Öffentlichkeit hat natürlich das Recht zu erfahren, ob man gesund und in der Lage ist, sein öffentliches Amt auszuüben", sagt Gabriel.

"Aber abgesehen davon, dass in dem von Ihnen zitierten Zeitungsbericht ziemlich viel Unsinn behauptet wurde, haben Politiker den gleichen Anspruch auf Schutz ihrer Persönlichkeitssphäre wie jeder andere auch."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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böl/bri/msa



insgesamt 180 Beiträge
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Seite 1
flexscan 07.01.2017
1.
"Die muss sich entscheiden, ob sie regieren oder Fundamentalopposition bleiben will." Demnach liegt es an der CSU, ob es eine Fortsetzung der Großen Koalition geben wird. Ich verstehe einfach die SPD-Mitglieder nicht. Wie kann man Siggi ernsthaft als Spitzenkandidaten aufstellen (wollen)? Masochistisch veranlagt?
Berg 07.01.2017
2.
Bei allen Überlegungen zu GroKo in der Bundesregierung ist das einfach Stühlezählen nur wenig maßgeblich. Wichtiger ist, wer auf den Stühlen sitzt, und ob die Meinungen und Anliegen der koalierenden Abgeordneten tatsächlich gebündelt werden können, ohne strenge Fraktionszwänge einführen zu müssen.
j.cotton 07.01.2017
3. Mein Gott, Sigi
SPD 017: 19,5% Grüne 017: 8,5 % FDP 017: 5% Summasummarum: 33% Fröhliches Regieren!
skeptikerjörg 07.01.2017
4. Realitätsverlust?
Ampel im Bund? Ja wie denn? 20% plus 9% plus 5% sind von einer Mehrheit noch weiter entfernt wie R2G! Wenn nicht etwas revolutionäres passiert, ist beides keine Option. Nach derzeitigen Kräfteverhältnissen bleibt nur GroKo, ob mit oder ohne CSU sei dahingestellt. Wer AfD oder FDP wählt, wählt GroKo, das sollte jedem klar sein.
werjor 07.01.2017
5. Lieber Siggi,
da bevorzuge ich eher Schwarz-Grün-Gelb, wenn Schwarz Gelb nicht reichen sollte und die Union partout nicht mit der AfD will. Wenn die Obersozen dann noch ihre Posten verlieren dann schafft es die Partei endlich bald in die verdiente Versenkung zu verschwinden und im Gegensatz zur FdP holt Dich dann keiner mehr aus der Mottenkiste. SPD steht für erfolgreiche Politik in Bremen, NRW (Bildung ist Chefsache Kraft und Löhrmann) - Pisa sagt die Chefs taugen nichts !)
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