Überraschender Besuch Gabriel trifft türkischen Außenminister Cavusoglu

Seit Monaten ist das deutsch-türkische Verhältnis angespannt: Nun hat Außenminister Gabriel seinen türkischen Amtskollegen besucht - um "wieder in vernünftige Gespräche zu kommen".


Das Treffen war informell, die Bilder gelangten über Twitter an die Öffentlichkeit: Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat überraschend seinen türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu im südtürkischen Ferienort Antalya getroffen. Dabei sei es auch um "die schwierigen Themen und Erwartungen auf beiden Seiten" gegangen, hieß es in einer Twitter-Mitteilung des Auswärtigen Amtes.

Cavusoglu veröffentlichte die gleiche kurze Nachricht auf seinem Twitter-Account in türkischer und englischer Sprache. Auf den mitgesendeten Fotos sind die beiden Minister leger gekleidet beim Spaziergang durch einen Park zu sehen.

Nach dem Treffen zeigte sich Gabriel zufrieden: "Wir haben jetzt nächste Schritte, wie wir weiter verfahren wollen, wie wir die Gespräche zwischen den Ministerien fortsetzen, welche Themen wir auf die Tagesordnung setzen", sagte er am Samstag der ARD. "Es ist eben die Aufgabe, in solchen Zeiten erst mal überhaupt wieder in vernünftige Gespräche zu kommen."

Der Überraschungsbesuch Gabriels in der Türkei kann als ein weiteres Signal der Entspannung in den seit Monaten schwer angeschlagenen deutsch-türkischen Beziehungen gewertet werden. In der vergangenen Woche war der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner nach dreimonatiger Untersuchungshaft überraschend freigelassen worden und durfte nach Deutschland ausreisen. Der Prozess gegen ihn wegen Mitgliedschaft und Unterstützung einer Terrororganisation läuft aber weiter.

Schon drei Tage vor Steudtner kam eine weitere aus politischen Gründen inhaftierte Deutsche auf freien Fuß, durfte die Türkei aber bisher nicht verlassen.

Nach Zählung des Auswärtigen Amts gibt es damit noch neun weitere deutsche politische Häftlinge in der Türkei, deren Freilassung die Bundesregierung fordert. Namentlich bekannt sind nur der Journalist Deniz Yücel und die Übersetzerin Mesale Tolu. Yücel wartet seit acht Monaten in Untersuchungshaft auf die Anklage. Der Prozess gegen Tolu läuft.

Letzte Türkei-Reise vor fünf Monaten

Die letzte Türkei-Reise Gabriels liegt fünf Monate zurück. Anfang Juni war er in Ankara, um mit Cavusoglu über das Besuchsverbot für deutsche Abgeordnete bei den auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationierten deutschen Soldaten zu sprechen. Die beiden Minister fanden damals keine Lösung des Problems.

Die Bundeswehr-Auflkärungsflugzeuge, die sich von Incirlik aus am Kampf gegen die Terrororganisation islamischer Staat (IS) beteiligt hatten, wurde deswegen inzwischen nach Jordanien verlegt.

Cavusoglu hatte seine Bereitschaft zur Entspannung in den deutsch-türkischen Beziehungen bereits kurz nach der Bundestagswahl in einem "Spiegel"-Interview erklärt. "Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei", sagte er Anfang Oktober. "Wenn Ihr einen Schritt auf uns zugeht, gehen wir zwei auf Euch zu."

Die Türkei fordert von Deutschland ein härteres Vorgehen gegen die verbotene türkische Arbeiterpartei PKK und die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen, die von Ankara für den gescheiterten Putschversuch im vergangenen Jahr verantwortlich gemacht wird. Die Türkei hat mehrere Auslieferungsanträge wegen Terrorverdachts an Deutschland gestellt, wie viele genau ist aber nicht bekannt.

mho/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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Rüdiger IHLE, Dresden 04.11.2017
1. Cavosoglu sollte zuerst mal ne fette Entschuldigung rüberwachsen ...
.. rüberwachsen lassen, bevor da auch nur im Geringsten an eine Normalisierung zu denken ist .. .. und bevor nicht Erdo alle Geiseln , die noch in seinen Gefängnissen eingesperrt sind, frei gibt, läuft da überhaupt nichts !
rkinfo 04.11.2017
2. Millionen Güllewägen in Deutschland
Unsere Bauer halten sich mal wieder nicht an die Forderungen vom großen Bruder Erdogan und fahren fleissig ihre Gülle aus. Achso, der zertifizierte türkische Iman Gülen lebt doch schon lange in den USA, wo Gülle - Anhänger unbekannt sind. Eben alles sehr kompliziert.
Idinger 04.11.2017
3. Das ist
schon ein starkes Stück, den "Überraschungsbesuch Gabriels" als "weiteres Signal der Entspannung" zu sehen. In Wahrheit handelt es sich doch um einen Bettelgang dieses Staates gegenüber einem "verbündeten" Despoten. Ich hoffe nur, dass ein neuer Außenminister künftig eine andere Diskussion mit türkischen Offiziellen führt.
beggar 04.11.2017
4. Opposition?
Soviel zur vollmundigen Ankündigung von Martin Schulz am Wahlabend:"Heute endet die politische Zusammenarbeit mit der Union". Unabhängig davon, wie die Bemühungen von S. Gabriel beurteilt werden, machen sie das Dilemma der SPD deutlich: Keine Rolle füllt sie wirklich aus. Einzige Hoffnung ist das Nichtzustandekommen von Jameika
abudhabicfo 04.11.2017
5. Trittin als Aussenminister?
Wenn ich so sehe wie die SPD Minster noch immer pflichtbewusst ihrer Aufgabe nachgehen, dann wird mir an die Jamaika leicht übel (nicht vom Pot). Damit Deutschland regierbar bleibt und in Zukunft die Führung nicht verkalkt, schlage ich die SuperGroKo vor. CDU, SPD, FDP, Grüne for ever. Minister Proportional und während den kommenden 4 Jahren ist jedes Jahr ein Minister der jeweiligen Partei Kanzler. Dann werden wir sehen, dass es auch so gehen wird und endlich begreifen, dass Mutti auch nur mit Wasser kocht. Gabriel macht auf jeden Fall das, was alle Aussenminister machen müssen.
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