Gabriel über Schulz' Nominierung "Er hat die besseren Chancen"

Sigmar Gabriel hat erklärt, warum sein Freund Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD werden soll. Die Einsicht kam offenbar spät: Schulz weiß erst seit Kurzem von seiner neuen Aufgabe.
Martin Schulz und Sigmar Gabriel

Martin Schulz und Sigmar Gabriel

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Nach dem Verzicht von Sigmar Gabriel hat das SPD-Präsidium am Dienstag einstimmig beschlossen, den früheren EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten und neuen Parteivorsitzenden zu machen. Gabriel gab dies in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schulz bekannt.

Gabriel sagte, Schulz habe als Kanzlerkandidat die "besseren Chancen". "Das liegt auf der Hand." Er sei für ihn aber eine schwierige Entscheidung gewesen. Gabriel dankte der SPD für die Zeit als Parteichef. Und ergänzte: "Zur Wahrheit gehört: Ich habe es der SPD nicht immer leicht gemacht, umgekehrt auch nicht immer."

Seit Samstag weiß Schulz Bescheid

Schulz sagte, er habe erst am Samstag von Gabriel erfahren, dass er für die SPD ins Rennen gehen soll. "Ich bitte um Verständnis, dass ich die Details für das Wahlprogramm heute noch nicht ausführe."

Schulz kündigte einen Wahlkampf für soziale Gerechtigkeit an. "Die SPD hat den Führungsanspruch auf diese Themen", sagte er in der Parteizentrale. Die Sozialdemokratie stehe dafür, dass Menschen eine sichere Zukunft für ihre Kinder haben und alle die gleichen, fairen Chancen, sich in der Gesellschaft zu verwirklichen.

Schulz: "Populisten entschieden den Kampf ansagen"

Er trete seine Aufgabe als Politiker an, der überzeugt sei, dass die Europäische Union die Grundlage für Frieden und Wohlstand sei. "Mit mir wird es kein Bashing gegen Europa geben, mit mir wird es keine Hatz gegen Minderheiten geben", so Schulz. "Ich sage in dieser auseinander driftenden Gesellschaft allen Populisten entschieden den Kampf an."

Schulz betonte den Führungsanspruch der SPD. Seine Partei wolle den Wahlkampf mit dem Ziel führen, den Kanzler zu stellen. So wie die Entscheidung heute für eine Überraschung gesorgt habe, wolle die Partei auch bei der Bundestagswahl in acht Monaten überraschen.

Gabriel: "Zeitplan ziemlich präzise eingehalten"

Gabriel sagte auf die Frage, warum sich der Zeitplan zur Nominierung des Kanzlerkandidaten geändert habe, der SPD-Vorstand werde am Sonntag entscheiden, das sei immer so geplant gewesen. "Ich habe nie die Absicht gehabt, die Funktionäre der SPD am Sonntag zu überraschen", sagte er. "Ich glaube, dass wir den Zeitplan ziemlich präzise eingehalten haben."

Der Vorschlag gehe nun zunächst am Sonntag in den Parteivorstand und solle Anfang März von einem außerordentlichen Bundesparteitag beschlossen werden, sagte Gabriel.

Dem Präsidiumsbeschluss zufolge soll der bisherige Wirtschaftsminister Gabriel auf den Posten des Außenministers wechseln, seine Nachfolgerin im Wirtschaftsministerium wird Brigitte Zypries. Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll im Februar zum Bundespräsidenten gewählt werden.

sun/AFP/dpa
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