Gabriel im Bundestag Rücktritt brachte "Erlösung, auf beiden Seiten"

Sigmar Gabriel hat seine letzte Bundestagsrede als Wirtschaftsminister mit einem Seitenhieb versehen. An alle Parteien appellierte er, Hass und Lügen im Wahlkampf entschieden zu begegnen.


Bundestagspräsident Norbert Lammert hat dem scheidenden SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel Respekt für seine Entscheidung gezollt, den Vorsitz der Sozialdemokraten abzugeben und auf eine Kanzlerkandidatur zu verzichten.

Der Entschluss sei Gabriel "sicher nicht ganz leichtgefallen", sagte Lammert vor dessen letzter Regierungserklärung als Wirtschaftsminister. Sie zeuge von der "Souveränität" Gabriels. Viele Abgeordnete applaudierten.

"Manchmal ist man irritiert, wie viele Leute klatschen, wenn man zurücktritt", so Gabriel im Anschluss. Mit Blick auf seine Partei sagte der Minister, die "Erlösung" über seinen Entschluss sei "spürbar, auf beiden Seiten".

Gabriel hatte in einem Interview mit dem Magazin "Stern" seinen Rücktritt und den Verzicht auf die Spitzenkandidatur der SPD im Bundestagswahlkampf erklärt. Er benannte den ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) als möglichen Nachfolger an der Parteispitze und Kanzlerkandidaten für die Wahl am 24. September.

Gabriel appellierte an alle Parteien im Bundestag, sich im anstehenden Wahlkampf für Demokratie und Debatte einzusetzen, und nicht von "15 Prozent Schreihälsen" treiben zu lassen. Er warnte vor Hass und Lügen im politische Wettstreit, wie sie den Präsidentschaftswahlkampf in den USA bestimmt hätten. "Wir sind politische Wettbewerber, aber keine Feinde. Aber da kommen welche, die sich uns zum Feind gemacht haben", sagte Gabriel. Am Ende seine Rede applaudierten die SPD-Abgeordneten Gabriel stehend.

Gabriel (r.) und die designierte Amtsnachfolgerin Brigitte Zypries
REUTERS

Gabriel (r.) und die designierte Amtsnachfolgerin Brigitte Zypries

Gabriel soll am Freitag als Bundesaußenminister vereidigt werden. Er folgt auf Frank-Walter Steinmeier (SPD), der am 12. Februar von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt werden soll. Steinmeier ist der gemeinsame Kandidat von SPD, CDU und CSU und wird von der FDP unterstützt, seine Wahl gilt als sicher. Das Wirtschaftsministerium übernimmt von Gabriel die frühere Bundesjustizministerin und Darmstädter Abgeordnete Brigitte Zypries (SPD).

cht

insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
janowitsch 26.01.2017
1. Good Bye Sigmar
Es ist unverständlich, warum Gabriel nie mehr aus seinem politischen und vor allem Redetalent gemacht hat. Hätte er mehr Prinzipienfestigkeit, weniger Meinungswechsel, weniger Oberlehrerhaftes und Selbstgefälligkeit, er hätte ein wichtiger Mann für dieses Land werden können.
Peter M. Lublewski 26.01.2017
2. Erlösung, klar
Mit Siggi wäre bei der Wahl kein Blumenpott zu gewinnen gewesen. Abwarten, ob sich der geneigte bislang nicht entschiedene Bürger von Schulz blenden lässt.
Fürstengruft 26.01.2017
3. Na endlich beginnt der Wahlkampf
Gabriel hat jetzt die Freiheit zu reden wie er will, er scheint nicht mehr an der Kette der GroKo zu hängen. Die Rede war sehr auf die Probleme der Arbeiterschaft zugeschnitten. Schade, jetzt in den letzten 8 Monaten bis zur Wahl für die "Tante SPD" noch etwas zu reißen, wird schwer. Die SPD kann aber noch punkten, wenn sie eine klare Aussage trifft, nicht mehr mit der CDU/CSU zu koalieren.
janne2109 26.01.2017
4. was interessiert der Satz von gestern?
verstehe nur Bahnhof, ich denke Gabriel will mehr zeit mit seiner Familie verbringen, wie paßt das aufreibende Amt eines Außenministers dazu?
wasistlosnix 26.01.2017
5. Seit November
wurde das Stern Interview vorbereitet und es stand immer die Aussage das es nichts neues gibt trotz besseren Wissens und jetzt dieser Appell.
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