Der Fleischbaron und der damalige Bundeswirtschaftsminister Gabriel unterstützte offenbar Expansionspläne von Tönnies

Als Wirtschaftsminister hat Sigmar Gabriel dem Fleischfabrikanten Clemens Tönnies vermutlich geholfen, ein Investitionsprogramm in Serbien voranzutreiben. Einen Zusammenhang zu seiner Beratertätigkeit bestreitet er.
Sigmar Gabriel

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Foto: Bernd von Jutrczenka/ picture alliance/ dpa

Sigmar Gabriel (SPD) pflegte offenbar schon während seiner Zeit als Wirtschafts- und Außenminister gute Kontakte zu Deutschlands größtem Fleischkonzern und dessen Chef, Clemens Tönnies. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Linken-Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Zahl der Gespräche und deren Anlässe liefern möglicherweise eine weitere Erklärung für Gabriels jüngstes Engagement für die Tönnies Holding. Vor gut zwei Wochen wurde bekannt, dass Gabriel zwischen März und Ende Mai 2020 für den umstrittenen Konzern als Berater tätig war.

Meiser hatte angefragt, wie viele Gespräche es zwischen dem damaligen Minister Gabriel und Vertretern der Tönnies Holding gegeben habe. In der Antwort des Wirtschaftsministeriums sind zehn Termine aufgeführt. Es geht um den Zeitraum zwischen September 2014 und März 2018. Laut der Auflistung hat Gabriel mehrere Telefonate mit Clemens Tönnies geführt, der damalige Minister war mehrmals im Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück zu Gast und besuchte auch eine Veranstaltung der Tönnies Forschung in Berlin.

"Offenbar hatte Fleischbaron Tönnies schon zu Sigmar Gabriels Zeiten als Wirtschafts- und Außenminister einen äußerst privilegierten Zugang zum damaligen SPD-Vorsitzenden, den dieser sich im Nachhinein hat versilbern lassen", sagt Meiser, der gewerkschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag ist.

Gabriel soll für seine Beratungen ein Pauschalhonorar von 10.000 Euro im Monat erhalten haben. Er verstieß mit dieser Tätigkeit zwar nicht gegen die Karenzzeit-Regel für den Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft. Im Raum steht nun aber der Verdacht, dass sich Tönnies mit dem Job bei Gabriel revanchiert haben könnte, da sich der Politiker in seiner Zeit als Minister für den Konzern eingesetzt hat.

Vor diesem Hintergrund erscheinen besonders zwei Kontakte zwischen Gabriel und Tönnies aus dem Jahr 2014 interessant.

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