Mitgliederentscheid Gabriel will Konkurrenzkampf um Kanzlerkandidatur

Wer soll für die SPD bei der nächsten Bundestagswahl antreten? Parteichef Gabriel spricht sich im SPIEGEL für einen Dialog darüber aus - am liebsten seien ihm zwei oder drei Anwärter.

Wirtschaftsminister Gabriel neben Bundeskanzlerin Merkel
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Wirtschaftsminister Gabriel neben Bundeskanzlerin Merkel


SPD-Parteichef Sigmar Gabriel wünscht sich eine offene Debatte über einen Kanzlerkandidaten seiner Partei. "Es wäre hervorragend, wenn es im nächsten Jahr zwei oder drei Leute aus der Führungsspitze der SPD gäbe, die sagen: Ich traue mir das zu", sagte er im Interview mit dem SPIEGEL (das vollständige Gespräch lesen Sie hier im digitalen SPIEGEL). Wenn es mehrere Interessenten für eine Spitzenkandidatur bei der nächsten Bundestagswahl gäbe, würde die SPD nach Gabriels Angaben einen Mitgliederentscheid durchführen.

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Zugleich machte der intern in der Kritik stehende Parteichef deutlich, dass er nicht an seinem Stuhl klebt: "Wer sich selbst für unersetzbar hält oder - was noch schlimmer wäre - sein eigenes Selbstwertgefühl nur aus einem Amt bezieht, ist eigentlich schon deshalb nicht geeignet."

Angesichts schlechter Umfragewerte gestand Gabriel auch Fehler ein. So sei es der SPD in der Flüchtlingskrise nicht gelungen, einen rationaleren Ton in die öffentliche und parteiinterne Debatte zu bekommen. Angesichts von Umfragen, die die SPD bei rund 20 Prozent taxieren, sei es für seine Partei aus heutiger Perspektive schwierig, den Kanzler zu stellen. Um wieder erfolgreich zu sein, muss die SPD laut Gabriel "zeigen, dass sie ohne Wenn und Aber Schutzmacht der normalen Arbeitnehmer ist".

Im Gespräch mit dem SPIEGEL kritisierte Gabriel zudem, dass der VW-Konzern trotz des Skandals um manipulierte Abgaswerte seinen Vorständen hohe Erfolgsprämien zahlen will. Die SPD müsse "gegen den Wahnsinn vorgehen, dass sich Unternehmensvorstände wie etwa die von VW mitten in der größten Krise millionenschwere Boni genehmigen", so Gabriel. Die Wut der Menschen über solche Praktiken sei riesengroß. "Die SPD muss bereit sein, dieser Wut eine Stimme zu geben." Seine Partei müsse deutlich machen, dass "jetzt ein für alle Mal Schluss ist mit der Herrschaft des Neoliberalismus".

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