Koch-Mehrin über Treffen mit Kubicki »Habe meinen Mann gebeten vorbeizukommen, weil ich vermutete, da ist mehr im Spiel«

Anbaggern beim Jobinterview? Für Wolfgang Kubicki offenbar kein Problem. Silvana Koch-Mehrin erzählt nun, sie habe einst ganz bewusst ihren Partner zum Treffen mit dem heutigen FDP-Vize bestellt. Aus Selbstschutz.
Silvana Koch-Mehrin auf dem Forum Women in Parliaments 2015 in Mexiko-Stadt

Silvana Koch-Mehrin auf dem Forum Women in Parliaments 2015 in Mexiko-Stadt

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Mario Guzman / EFE / dpa

Anfang des Jahrtausends in einem Café in Brüssel: Ein Mann und eine Frau aus derselben Partei treffen sich, um darüber zu sprechen, ob sie nicht Generalsekretärin der FDP werden wolle. Doch in diesem Gespräch ging es offenbar nicht nur um Zukunftsstrategien und Führungsqualitäten.

Das zumindest erzählte Wolfgang Kubicki in der TV-Sendung »Maischberger« am Mittwochabend. »Ich habe sie angerufen und habe gesagt: ›Wir müssen mal drüber sprechen, wir brauchen eine Generalsekretärin der FDP, wie wäre es, wenn Sie sich darüber mal Gedanken machen?‹ Dann hat sie gesagt: ›Kommen Sie nach Brüssel, wir reden darüber.‹ Dann trafen wir uns zum Kaffee, und dann habe ich mit ihr geflirtet, und urplötzlich stand so ein Typ neben mir, der dreimal so groß war wie ich und zweimal so breit. Und der auch ziemlich durchtrainiert aussah. Da habe ich mir gedacht, ist doch vielleicht besser, wenn du gehst.«

Hintergrund dieser Aussagen ist ein Buch von Silvana Koch-Mehrin, in dem die frühere FDP-Politikerin thematisiert, dass sie mehrfach sexuell belästigt worden sei. Auch von Parteikollegen. Namen nennt sie nicht. Kubicki selbst hatte allerdings bereits 2010 in einem Interview mit der »Zeit« eben jenes Treffen mit Koch-Mehrin in Brüssel in ähnlichen Worten beschrieben, was Sandra Maischberger in ihrer Sendung zu Nachfragen wegen des Buchs von Koch-Mehrin veranlasste.

Amüsante Anekdote

Kubicki, das wird schnell klar, sieht kein Problem in seinem Verhalten in Brüssel, bestreitet auch nicht, dass er sich heute genauso verhalten würde. Für ihn scheint die Geschichte aus Brüssel vielmehr eine amüsante Anekdote. Dem SPIEGEL gegenüber äußerte er sich dagegen kritisch über die »Maischberger«-Sendung. Er halte »die Insinuierung«, er hätte »gegenüber der Kollegin Koch-Mehrin eine Machtposition ausgenutzt, für unseriös und für journalistisch unprofessionell«. Er sei damals Fraktionsvorsitzender im Landtag von Schleswig-Holstein gewesen, »Paria der Partei, sie war eine der Führungsfiguren der FDP, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Ich war gar nicht in der Position, ihr irgendwas zu versprechen. Abgesehen davon ist Flirten etwas anderes als Übergriffigkeit.«

Warum dieser »durchtrainierte« Mann plötzlich an jenem Cafétisch aufgetaucht ist, an dem es um eine führende Position in der FDP gehen sollte, das hat sich der heutige Parteivize offenbar nicht gefragt.

Die Antwort gab Koch-Mehrin nun dem WDR. Sie habe ihren Mann gebeten, »nach ungefähr einer Stunde mal vorbeizuschauen, weil ich schon vermutete, da ist mehr im Spiel«, sagte die 51-Jährige in der Sendung »Aktuelle Stunde«. Sie sei sich damals ziemlich clever dabei vorgekommen, »gewieft«, »stark«, dass sie auf diese »schlaue« Idee gekommen sei. Als Problem habe sie ihre Gedankengänge damals nicht empfunden.

Und genau das, sagt sie nun, sei ja eben das Problem gewesen: dass sie ihre bewusste Vorsicht nicht als Problem erkannt habe. »Wenn meine Töchter mir heute erzählen würden, sie hätten einen solchen Termin und würden solche Drumherummaßnahmen ergreifen, würde ich mich sehr erschrecken.«

sak
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