Berufstätige Eltern Wo ist Papa?

Die Reflexe halten sich hartnäckig: Frauen müssen sich rechtfertigen, wenn sie wenig Zeit für die Familie haben - wie jetzt die Grünen-Chefin Simone Peter. Dabei sollten wir lieber endlich über "Rabenväter" sprechen.

Manager: Und wie läuft's mit den Kindern?
Corbis

Manager: Und wie läuft's mit den Kindern?

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Hat eigentlich Justizminister Heiko Maas Kinder? Und CSU-Mann Alexander Dobrindt? Und wie sehr vermisst Sigmar Gabriel seine Tochter Marie, wenn er in Berlin die SPD lenkt und die deutsche Wirtschaft? Wie sehr fehlt der Tochter der Vater?

Sie wissen es nicht? Dafür wissen sie wahrscheinlich, dass Familienministerin Schwesig nach Schwerin pendelt und dort ihr Familienleben pflegt, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieben Kinder hat und dass Kristina Schröder ihre Tochter Lotte als Familienministerin manchmal mit ins Büro genommen hat. Frauen mit Beruf müssen stets erklären, wie und ob sie es denn schaffen mit der Vereinbarkeit.

Wie jetzt Grünen-Chefin Simone Peter. Sie spricht in einem Interview mit der "Bunten" ausführlich darüber, dass sie ihren Sohn und Mann, die in Saarbrücken wohnen, nur an einem Tag in der Woche sieht. Das Interview trägt den Titel "Eine Frau mit zwei L(I)EBEN". "Bunte.de" titelt : "6 Tage Karriere, ein Tag für das Kind".

Darüber ärgert sich Peter jetzt. Auf Twitter schreibt sie:

Die Grünen-Frau hat recht. Niemand würde auf die Idee kommen, Spitzenpolitiker "Rabenväter" zu nennen. Es ist ein Reflex, den auch wir Journalisten immer wieder bedienen. Wenn zum Beispiel Sigmar Gabriel einmal in der Woche seine Tochter von der Kita abholen will, wird darüber berichtet. Oft schwingt dann sogar Häme mit: Gabriel wurde in der "Welt" als "Teilzeit-Minister" tituliert. Als der Grünen-Mann Cem Özdemir schlappe sechs Wochen Elternzeit nahm, war das eine große Nachricht.

Und so ist es nicht nur in der Politik, sondern auch bei ganz normalen Bürgern. Immer noch werden meist die Mütter danach gefragt, wie es denn den Kindern gehe, wenn die Eltern arbeiten. Die Lösung kann nicht sein, nicht mehr über den Spagat zwischen Beruf und Familie zu sprechen. Aber es muss normal werden, dass auch Männer hier Rede und Antwort stehen. Das ist keine Retourkutsche - sondern ein Dienst an der Gesellschaft.

Kinder leiden oft, wenn sie einen Elternteil fast gar nicht sehen - egal ob Mama oder Papa. Eltern trauern oft um die verlorene Zeit mit ihren Kindern. Auch die Grünen-Vorsitzende sagt: "Die Sehnsucht nach dem Kind wächst während der Woche." Die Söhne von Helmut Kohl und Willy Brandt beschwerten sich bitter über ihre abwesenden Väter.

Seine Kinder nicht zu sehen: So ist es nun mal wenn man Verantwortung im Beruf hat; es geht nicht anders, heißt es oft. Das mag für ganz wenige Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft wahr sein.

Bei allen anderen Jobs sollten wir uns nicht mit faulen Ausreden zufrieden geben - es muss ein gesellschaftlicher Konsens darüber her, dass auch Menschen mit Karriere noch Eltern sein können müssen. Und dass das kein Luxus ist, sondern normal.

Zur Autorin
Jeannette Corbeau
Anna Reimann ist Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Politik.

E-Mail: Anna_Reimann@spiegel.de

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
prosec 05.03.2015
1.
vielleicht hört das ja auf, wenn Frauen aufhören, Kinder in erster Linie als zu ihnen gehörig anzusehen und Ansprüche auf sie zu erheben. Die Zahl der Sorgerechtsstreitigkeiten, in denen Frauen das alleinige Sorgerecht zugestanden wird, in denen sie die ganz überwiegende Sorge für die Kinder übertragen bekommen und auch § 1626a BGB sprechen da eine deutliche Sprache. Bis dahin: Rosinenpicken.
w_smith 05.03.2015
2. Nein!
Einfach nur Nein! Eine enge Bindung zur Mutter ist für das Kind viel wichtiger als zum Vater.
!!!Fovea!!! 05.03.2015
3.
So ist das, wenn man alles haben will. Frauen reißen zu gerne alles an sich oder wollen den Mann verweiblichen.
Eduschu 05.03.2015
4.
Nachdem uns jahrzehntelang eingehämmert wurde, dass bei Sorgerechtsstreitigkeiten letztlich nur Mütter sich richtig um Kinder kümmern können, müssen wir nun doch ein wenig differenzieren: WENN die Mutter Karriere machen möchte UND eine Beziehung zum Kindsvater besteht, dann gilt ganz selbstverständlich, dass auch hier die Mutter das alleinige Entscheidungsrecht darüber hat, wer zuhause bleiben muss, darf oder kann.
Bondurant 05.03.2015
5. Die Gretchenfrage:
Die bei den 68ern und ihren Epigonen sehr geschätzte Psychoanalyse sah die Anwesenheit der Mutter (nicht irgendeiner "Bezugsperson") in den ersten 4 Lebensjahren des Kindes als unverzichtbar für die psychische Gesundheit des späteren Erwachsenen an. Was ist aus dieser Erkenntnis geworden?
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