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24. Mai 2016, 11:39 Uhr

Sinkende Milchpreise

Grünen-Minister fordert eine Milliarde für Bauern

Wenn es so weitergeht, könnte in fünf Jahren die Hälfte der Milchviehbetriebe aufgegeben haben: Davor warnt der Grünen-Politiker Habeck. Er verlangt von der Bundesregierung, die Landwirte zu entlasten.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen fordert, im Kampf gegen die niedrigen Milchpreise die Mengen zu reduzieren. Die Bauern müssten dafür entschädigt werden, sagte der Grünen-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". "Dafür brauchen wir Geld. Fast eine Milliarde Euro."

Was er meint: Mit den Prämien könnten die Bauern dafür entschädigt werden, weniger Milch zu verkaufen. Sinkt die Menge, könnten die Preise auf dem Markt wieder steigen.

Tausende Milchbauern haben in den vergangenen Monaten bereits aufgegeben, viele andere stehen kurz davor. Die Supermarktketten haben die Preise immer weiter reduziert. Anfang Mai senkte Aldi den Preis für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent. Die Bauern bekommen davon weniger als 30 Cent, teilweise sogar nur 20 Cent. Um kostendeckend wirtschaften zu können, bräuchten die Landwirte nach eigener Darstellung 40 Cent.

Habeck warnt deshalb vor einem beschleunigten Höfesterben in Deutschland. "Der Strukturwandel verschärft sich derzeit in hohem Tempo", sagte er. "Wohl fünfmal mehr Milchviehbetriebe als bisher werden aufgeben - zehn Prozent pro Jahr." In fünf Jahren werde so in Deutschland die Hälfte der Betriebe verschwinden. "Eine Industrialisierung in diesem Tempo hat es noch nicht gegeben", warnte der Minister, der im kommenden Jahr Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl werden möchte.

Die Produktionskapazitäten würden von größeren Betrieben übernommen. Die Folge seien ein Kulturwandel im ländlichen Raum und eine weitere Entfremdung von Landwirten und Verbrauchern, so Habeck.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lehnt Eingriffe in den Markt wie eine staatlich gesteuerte Mengenreduzierung ab. Er hat für kommenden Montag zu einem Milchgipfel eingeladen und staatliche Unterstützungsleistungen für die Bauern wie Steuererleichterungen und Liquiditätshilfen angekündigt.

cte/AFP

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