Streit über Studie Deutsche sind wohl doch nicht so Roma-feindlich

Sind die Deutschen feindlich gegen Sinti und Roma gesinnt? Eine Regierungsstudie erweckte diesen Eindruck. Doch beteiligte Wissenschaftler sehen das nach SPIEGEL-Informationen ganz anders.
Sinti und Roma in Berlin-Neukölln: Das Bild der Deutschen ist differenzierter als gedacht

Sinti und Roma in Berlin-Neukölln: Das Bild der Deutschen ist differenzierter als gedacht

Foto: Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa

Berlin - Die Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hatte Anfang September für Aufsehen gesorgt. Darin wurde behauptet, dass unter den Deutschen Vorurteile gegenüber Sinti und Roma weit verbreitet seien. Unter anderem lehne es jeder dritte Bürger ab, Sinti und Roma als Nachbarn zu haben.

Nun distanzieren sich nach SPIEGEL-Informationen mehrere Forscher, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle die Studie erstellt haben, von der Interpretation der Ergebnisse, wie sie die Leiterin der Behörde, Christine Lüders, der Öffentlichkeit mitgeteilt hatte. (Lesen Sie mehr zum Thema hier im aktuellen SPIEGEL.)

Während sich die Wissenschaftler beispielsweise bewusst dazu entschieden hatten, bei den einzelnen Fragen nur die obersten zwei von sieben Skalenwerten als Ablehnung zu werten, rechnete die Behörde auch den Skalenwert fünf hinzu, um auf höhere Werte zu kommen. Deshalb hieß es in einer Pressemitteilung daraufhin, ein Drittel der Deutschen lehne Sinti und Roma als Nachbarn ab. Bliebe man bei den klaren Ablehnungswerten, sind es nur 20,4 Prozent.

Außerdem stammt das Vorwort nicht von den Forschern, sondern von den Auftraggebern. Die Forscher hatten deshalb vorab darum gebeten, alle darin enthaltenen Bezüge auf sich zu entfernen.

Die Antidiskriminierungsstelle weist die Vorwürfe zurück, ihre Interpretation der allesamt auch veröffentlichten Zahlen sei legitim, es seien nie negative Ergebnisse gewünscht gewesen.

syd