Sitzverteilung im Bundestag Union baut Vorsprung aus

Die Union geht aus der Dresdner Nachwahl gestärkt hervor: CDU-Direktkandidat Lämmel hat den Wahlkreis gewonnen. Im neuen Bundestag erhält die Union damit einen weiteren Sitz.


Dresden - Die Bundestagswahl ist mit zweiwöchiger Verspätung zu Ende gegangen. Nun sind auch alle Stimmbezirke des Dresdner Wahlkreises 160 ausgezählt. Dem am Abend in Dresden verkündeten Wahlkreisergebnis zufolge erreichte CDU-Kandidat Andreas Lämmel 37 Prozent der Stimmen. Die SPD-Bewerberin Marlies Volkmer holte 32,1 Prozent, Katja Kipping von der Linkspartei.PDS kam auf 19,23 Prozent.

Bei den für die Landeslisten der Parteien abgegebenen Zweitstimmen lag dagegen die SPD mit 27,9 Prozent vorn. Offenbar gaben viele Anhänger von Union und Liberalen ihre Stimmen taktisch ab: Die CDU kam bei den Zweitstimmen nur auf 24,4 Prozent, die FDP dagegen auf weit überdurchschnittliche 16,6 Prozent. Die Linkspartei kam hier auf 19,7 Prozent, die Grünen holten 7,1 Prozent, auf die rechtsextremistiche NPD entfielen 2,5 Prozent.

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Dresden I lag bei 72,3 Prozent; bei der Wahl am 18. September im übrigen Bundesgebiet hatte sie bei 77,7 Prozent gelegen.

Durch das Ergebnis kann die Union ihren knappen Sitzvorsprung im neuen Bundestag ausbauen: Laut Landeswahlleitung erhält sie ein zusätzliches, siebtes Überhangmandat. Die Union kommt nun auf 226 Sitze im Parlament, die SPD auf 222 Sitze. CDU und FDP hatten die Wähler aufgerufen, die Erststimme der CDU und die Zweitstimme der FDP zu geben, um das zusätzliche Überhangmandat möglich zu machen. Ein Überhangmandat kommt dann zustande, wenn eine Partei in einem Bundesland über die Erststimmen mehr Direktmandate erringt als ihr nach dem Verhältnis der Zweitstimmen eigentlich zustehen würden.

CDU und FDP hatten vor der Wahl in Dresden massiv dafür geworben, mit der Erststimme die Christdemokraten und mit der Zweitstimme die Liberalen zu wählen. Die Union musste eine geringere Zahl an Zweitstimmen bekommen, weil sonst das durch den Sieg bei den Erststimmen gewonnene Überhangmandat wieder weggefallen wäre.

Eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse im neuen Bundestag war von der Dresdner Wahl bereits im Vorfeld nicht erwartet worden. Jedoch wurde der Nachwahl wegen des knappen Abstands zwischen Union und SPD im neuen Bundestag ein hoher psychologischer Wert für die anstehenden Koalitionsverhandlungen beigemessen.

Notwendig war die Nachwahl wegen des Todes der NPD-Direktkandidatin in Dresden I geworden. In den vergangenen Tagen hatten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CDU-Parteichefin Angela Merkel noch einmal eindringlich um Stimmen für ihre Parteien geworben.



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