Skandal-Bilder aus Afghanistan Neue Fotos zeigen nachgestellte Hinrichtung

Der Skandal um Totenschändungen durch deutsche Soldaten wird immer unappetitlicher: Laut "Bild"-Zeitung ist nun eine dritte umfangreiche Bilderserie aufgetaucht. Darin soll unter anderem eine nachgestellte Hinrichtung an einem Skelett zu sehen sein.

Berlin - Der "Bild"-Zeitung liegen "dutzende neuer Bilder" vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zeigen. Das Blatt will einige der Fotos morgen veröffentlichen. Darauf soll unter anderem zu sehen sein, wie ein Soldat einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett wie bei einer Hinrichtung eine Pistole an den Totenschädel halte. Auf einem anderen Foto wurde einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt. Ein weiteres Bild zeigt den aus Menschenknochen gebildeten Schriftzug "CSR-Team". Die Abkürzung steht für "campside reconnaissance" (Gelände-Aufklärung), die Patrouillen rund um das deutsche Camp.

Ein Soldat habe der Zeitung bestätigt, dass Bundeswehr-Patrouillen regelmäßig an der Fundstelle der Leichenteile vorbeigefahren seien und dort angehalten hätten. Zuvor hatte bereits ein Augenzeuge berichtet, es handele sich nicht um einen Freidhof. Das Gelände "kann man sich vorstellen wie eine große Kiesgrube", sagte der Mann.

Der neue Zeuge sagte nun aus, in der Regel seien die deutschen Soldaten etwa einmal pro Woche an dieser Lehm- und Sandgrube im Süden Kabuls vorbeigefahren. Dabei hätten Soldaten die makabren Bilder aus menschlichen Knochen zusammengesetzt und fotografiert. Unter anderem hätten Soldaten aus den Knochen Buchstaben ihrer Namen zusammengelegt.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat inzwischen als Konsequenz aus den Totenschändungen zwei Bundeswehr-Soldaten vom Dienst suspendiert. Die beiden Männer gehörten zu einer Gruppe von sechs Soldaten, denen die Totenschändungen im Jahr 2003 zur Last gelegt wurden. Im zweiten Fall, der gestern durch neue Bilder belegt worden war, seien drei Tatverdächtige ermittelt worden.

Die Bundeswehrführung geht weiterhin von Einzelfällen aus. Angesichts von insgesamt 10.000 Soldaten im Auslandseinsatz könne man bei jetzt neun Beteiligten noch immer von Einzelfällen sprechen, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft München II hat heute ihre Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. "Wir haben die Unterlagen aus Potsdam auf dem Tisch", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl. Ihr Umfang sei jedoch noch gering. Vorerst richteten sich die Ermittlungen gegen einen Soldaten aus Oberbayern. "Es wird aber geprüft, ob sich der Tatverdacht auf weitere Soldaten ausdehnt."

Zunächst hatte die Potsdamer Justiz Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe eingeleitet, da alle deutschen Soldaten in Afghanistan vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam befehligt werden.

Hödl stellte klar, seine Behörde untersuche bislang lediglich den ersten auf das Jahr 2003 zurückgehenden Komplex der mutmaßlichen Totenschändung, den die "Bild"-Zeitung ins Rollen gebracht hatte. Die auf den Fotos abgelichteten Soldaten sind bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald stationiert. Ob die Münchner Staatsanwaltschaft auch die Ermittlungen zu den neuen Fällen von Totenschändung übernimmt, ist noch unklar.

ler/dpa/ddp/Reuters